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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Handarbeit.

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schiedenheit der Stände und ihrer Beschäftigung ist die Handarbeit auch verschieden.Innerhalb dieser Kreise selbst aber ist die Beschäftigung eine ziemlich gleichartige.

Am gleichförmigsten übrigens zeigt sich die Handarbeit der Mädchen in denbesitzenden und sogenannten gebildeten Ständen. Die Arbeiten mit der Spindel oderStricknadel und dann der Nähnadel sind von jeher volksthümlich gewesen in allencultivirten Ländern, nnd man konnte sie zumal im deutschen Vvlke bei den Mädchenaller Stände antreffen. Vorherrschend aber erhielt sich das Spinnen in den bäuer-lichen Familien, das Stricken und Nähen bei den Städtern. Die neuere Zeit wirktauf die Sitte dieser weiblichen Arbeiten seit mehr den» einem halben Jahrhundertzerstörend ein. Seitdem daS Handwerk zur Fabrik groß gewachsen ist, kann manviele Haushaltungen finden, in denen die Tochter das Spinnrad nicht kennt undhäufig auch die Nadel nicht zu führen vermag. Seitdem dazu kommt, daß derUnlerjckied des Besitzes und der Bildung weitere Zerklüftungen im Volksganzen er-zeugt, hat man in den gebildeten Kreisen angefangen, sich mehr den Arbeiten desPutzes nnd der Mode zuznwenden, wo nicht der ernsten Handarbeit sich ganz zu cnt-schlagen. Nur die unteren nnd mittleren Stände halten noch an den anererbten Be-schäftigungen fest.

Einen ähnlichen Gang nehmen die Handarbeiten der Knaben, obwohl dieUnterschiede hier größer sind. Auch hier kommt dem natürlichen Trieb des Knaben,etwas zu schaffen, zu leisten und sich damit in die Reihe der Erwachsen zu stellen,die Arbeit und das Bedürfnis des Hauses anregend entgegen. Von Alters her ge-hörte es zur Tradition des Hauses, daß der Sohn in die Fußstapfcn des Vaters tratund sein Handwerk von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzte. In den Familien land-wirthschaftlicher und gewerblicher Arbeit bleibt aber dem Kinde immerhin noch mancheStunde Zeit zu freier, willkürlicher Beschäftigung.

Beachtet man dagegen die Kreise, aus welchen die Real- und Latcinschüler stammen,so findet man, daß hier die Handarbeit der Knaben etwas zurücktrilt, wo nicht amVerschwinden ist. Tritt man vollends unter die Schüler der höheren Nealanstaltenund der Gymnasien, so sicht man, daß hier eigentlich von Handarbeit keine Redemehr sein kann.

Als Ergebnis dieser Warnehmungen stellt sich heraus: daß die Handarbeit beiden Kindern der untern und mittleren Stände in Uebung ist, theilwcise aber schonin den mittleren und noch mehr in den höheren Kreisen des Volks bis zum Ver-schwinden abnimmt; und daß sich dieselbe an die häuslichen Bedürfnisse anschließt,daher keinem grundsätzlich leitenden Einfluß, sondern vielmehr der Gewohnheit unddem Zufall anheimgcgeben ist.

Es bleibt noch übrig, auch die besitzlose, die unterste Schichte im Volke in Be-tracht zu ziehen, nämtich diejenigen Familien, die in Fabriken arbeiten, oder in ihrenWohnungen Fabrikarbeit treiben. Hier fehlt es nicht an Handarbeit der Jugend,es ist vielmehr ein Uebermaß derselben zu beklagen, um so mehr, als sic in der Regeleine einseitige und den nächsten Bedürfnissen des Hauses und Lebens fremdartige ist.Hier verkehrt sich auch das Verhältnis zwischen geistiger und leiblicher Beschäftigung,indem die Arbeit und der Verdienst derselben die Hauptsache ist, die geistige Aus-bildung aber zur Nebensache und zum Mittel sür den Zweck der Arbeit gemacht Wird.

Auf die Spitze wird es in dieser Beziehung getrieben in Belgien. Geregelterist die Arbeit in Frankreich durch das Arbeitergesetz, das sich übrigens nur ansFabriken mit Maschinen und ununterbrochenem Feuer und auf Werkstätten mit mehrals zwanzig Arbeitern bezieht. Dieses Gesetz trifft daher bei der weit verbreitetenFamilien-Jndustrie nur die kleinere Zahl der Kinder aus den arbeitenden Elasten, dain den Werkstätten des Hauses, wie begreiflich, nickt wohl eine Aufsicht geführt werdenkann. Im deutschen Reicke ist, bei aller Rücksicht auf die Arbeit der Jugend, ihrekörperliche und geistige Entwicklung sorgfältiger ins Auge gefaßt, und zwar jo, daßdie neuesten Gesetze die früher gestattete Arbeitszeit noch mehr beschränken. (Vrgl.Fabrikschule.) Die Regierung hat sich freilich durch die Beschränkung der Arbeitszeitbei den Industriellen keinen Dank verdient. Allein es ist gewiß dem Deutschen einbefriedigendes Gefühl, wenn er warnimmt, daß die materiellen Interessen die un-gemessenen Ansprüche an die Jugend seines Volkes nicht machen dürfen, wie bei andern