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Grützen.
GutsMuths.
verbinden sich auch vielfach entsprechende Geberden und Ceremonien. Es gehtder Gruß durch alle Lebenöverhältnisse hindurch, hohe und niedere, heilige undprofane. Dem Gruß entspricht überall Dank und Gegengruß ebenso als Erfordernishumaner Sitte.
Bei so bewandten Umständen kann es keine Frage sein, ob die Erstehung inHaus und Schule auch auf die Begrüßung ihr Augenmerk zu richten habe. Schondie natürliche Humanität macht dieses zur Pflicht und das Christenthum als Grnndund Kraft gottgeheiligter Humanität spricht dazu Ja und Amen.
Man halte darum die Kinder im Hause frühe schon zu dieser Uebung humanerSitte an. Das Kind werde zeitig gewöhnt, Verwandte, Bekannte, Vorgesetzte, Re-spectspersonen, auf dem Lande auch Fremde zu grüßen. Dazu lerne das Bübleinauch zeitig das Hütlein oder Käpplein ziehen.
Mau halte in der Schule darauf, daß die Schüler den eintretenden Lehrerbegrüßen. Ebenso wenn sonst eine Person von Ansehen eintritt. Desgleichen mitdem Abschiedsgruß. Man halte auch von Seiten der Schule die Schüler zum Grüßenaußer der Schule an und rüge vorkommeudenfalls die Unterlassung. Auf Dörfernerkennt man oft den Geist des Ortes und namentlich der Schule und ihrer Pflegerschon am Grüßen oder Nichtgrüßcn der Kinder — und Alten.
Man begnüge sich aber nicht mit der äußeren Gewöhnung, sondern weise je undje bei älteren Kindern auch auf den tieferen Grund der allgemeinen und christlichenHumanität hin. Die Grußformel trete mehr und mehr aus der Gedankenlosigkeit inBewußtsein und Wahrheit. Was einerseits mehr Sache des äußeren Anstandes ge-wesen, das gestalte sich mehr und mehr als Ausdruck innerer Sittlichkeit, vom GeisteChristi belebt. (Vgl. d. Art. Anstand.)
Grundbcschreibung, s. Schulacten.
GutsMuths, Joh. Christoph Friedr., geb. zu Quedlinburg am 9. Aug.1759, besuchte nach vorhergegangener häuslichen Vorbereitung das Gymnasium seinerVaterstadt, wo er schon als Schüler seine pädagogische Laufbahn begann. SeineKenntnisse und die frühe Reife und Festigkeit seines Charakters gewannen ihm dasZutrauen des Leibarztes Ritter, der ihm seine Kinder, 4 Knaben und 1 Mädchen,zum häuslichen Unterricht übergab, ein Verhältnis, das von entscheidender Wichtigkeitfür GutsMuths ganzes Leben werden sollte. Die Leistungen des Lehrers stelltenseinen Principal vollkommen zufrieden, und als GutsMuths 1779 das Gymnasiumverließ, um zu den Universitätsstudien überzugehen, geschah es nur unter gegenseitiggenommener Verabredung, daß GutsMuths nach vollendeter Studienzeit wieder inseine alte Lehrstelle eintrete. GutsMuths kehrte demzufolge, nachdem er sich zu Halledurch das Studium der Theologie und Pädagogik zu seinem künftigen Berufe vor-bereitet, in das Ritter'sche Haus zurück und blieb daselbst auch als nach einigen Jahrender Vater starb und die Mutter ihm erklären mußte, daß sie außer Stand sei, ihmferner seinen Gehalt zu zahlen. Aber eben hiedurch erhielt sein Leben eine entschei-dende Wendung. Salzmann, welcher damals (1784) seine Erziehungsanstalt inSchnepfenthal eröffnete, hatte sich vorgenommen, als ersten Zögling ein begabtes Kindunentgeltlich aufzunchmeu, und wählte dazu, durch ein Zeitungsblatt auf die früheverwaiste Familie aufmerksam gemacht, den im 6. Jahre stehenden Karl Ritter,den nachmals berühmt gewordenen Reformator der pädagogischen Wissenschaften.GutsMuths begleitete den Knaben nebst einem älteren Bruder und der Mutter nachSchnepfenthal, wo sich bald ein so inniges Band gegenseitiger Hochachtung und Freund-schaft zwischen beiden Theilen knüpfte, daß Salzmann nicht nur den Wunsch aus-sprach, auch den älteren Sohn bei sich zu behalten, sondern auch den Lehrer, der ihmso wohlvorbereitete Zöglinge zuführte und dessen treffliche pädagogische Begabung ererkannte, für seine Anstalt zu gewinnen wünschte. GutsMuths, der hier für seinenunternehmenden Geist einen freieren Wirkungskreis erkannte, als ihm eine andereStelle gewähren würde, gieug in den gemachten Vorschlag ein. Er fand bei seinemAmtsantritte (1785) nur einige geringe Anfänge von Gymnastik vor, wie sie vonDessau her mit nach Schnepfenthal übergegangen waren. Er erzählt uns, wie ihnSalzmann, als er ihm die Leitung derselben übertrug, in das etwa einen Büchsenschußweit östlich von den jetzigen Jnstitutsgebäuden gelegene Laubwäldchen, die Hard ge-