Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
589
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Graser.

Grüben.

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auf das Leben des Kindes und die bestimmten physischen und geistige» Verhältnisse,ju denen es sich bewegt, haben." Dadurch bat Graser im Princip jeden für dasKind fremdartigen, unverdaulichen Stoff ausgeschicden und die Grundlage für einerichtige Auswahl des Stoffs überhaupt und sür die besonder» Stände festgcstellt.Zugleich sucht er für den Lehrgang dieses Unterrichts einen festen Lehrplan auf derGrundlage der sich durch den Lebenstrieb erhöhenden Wissbegierde und der natürlichenErweiterung deS Anschauungskreises des Kindes zu gründen. Wäre nur auch hiernickt die Ausführung, wie sic für die Volksschule namentlichdie Elementarschule fürsLeben" darstellcn soll, in allzu steife Schablonen und künstliche Formen gebannt unddie Art der Behandlung des Einzelnen von jener schon bczeichncten reflectircnd-raison-mreudcn Weise, welche die gemülhliche Seite der Naturbetrachiung und die geschichtlichtatsächliche Betrachtung des Menschenlebens nickt zu ihrem Rechte kommen lässt.Von durchgreifendem Einfluss mußte die Idee des Lebensuntcrrichts bei Graser aufdie Principien des in seinem Sinne sich gestaltenden Religionsunterrichts sein. Jemehr er seine Aufgabe darein setzt, die Kinder nach allen Seiten in das echt mensch-liche Leben cinzuführen und durch die Anschauung desselben innerlich zu bilden, destomehr erscheint ihm die Religion vorherrschend als Form, die dem menschlichen L>beneine Gestalt geben solle. Die Folge davon ist, daß Graser als entschiedener Feindaller bloßen Formeln und allgemeinen Wahrheiten, in denen ein abstracter Religions-unterricht sich bewegt, auftritt.Vernachläßigt der Religionsunterricht den richtigenGang und kümmert sich nicht um das Erkennen der göttlichen Lebensform oder derallseitigen und einigen göttlichen Wirksamkeit in der Welt, sondern erweist nur dasDasein eines Gottes und erklärt Begriffe und Sätze, was muß die Religion der-jenigen Mcnschenclassc sein, die wir mit dem Namen Volk bezeichnen? Eine materielleReligion oder ein Götzendienst." Merkwürdig übrigens, daß auch hier bei Grasergerade das, worin die Religion als Leben und Kraft und als gestaltende Machterscheint, die Geschichte, insbesondere die heilige Geschichte, nicht zu ihrem Rechtekommt.

Was Graser eine besondere persönliche Hochachtung sichert, das ist, daß er undsein Ringen nicht in der Theorie aufgeht. Nicht genug, daß er als Schulaufseherdurch Organisationen und Anordnungen jeglicher Art förderlich auf das Volksschulwesenin Oberfranken einzuwirken suchte, er nahm sich vielmehr als eifriger Volksfrcundund Lehrerfreund in der freiesten und hingehendsten Weise der Hebung der Volks-zustande, der Bildung der Lehrer, der Entwicklung der Volksschule an. Darum ruhteauch, als eine unfreiwillige Quiescirung seiner Thätigkeit ein Ziel zu setzen schien,sein Geist nicht, er suchte sich in seiner Umgebung, ja in seinem Hause selbst Lchulenzu schaffen, die in seinem Geiste wirkten und seine Ideen verwirklichten. So durfteder ehrwürdige Greis mitten unter freudigem Arbeiten und im geistreichen Umgangmit andern edlen Geistern, unter denen besonders I. Fr. Richter hcrvvrzuheben ist,ein hohes Alter erreichen und ward nach kurzem Kranksein aus einem noch frischen,wahrhaft jugendlichen Wirken in die höhere Ordnung der Dinge versetzt, wo derMenschzur vollkommensten Anschauung des wahren Seins der Dinge oder desGöttlichen" berufen ist.

Eine Darstellung der Graser'schen ErziehungS- und Untcrrichtsgrundsätze s. Allg.Schulzeitung 1837, Mai- und Juniheft, vgl. Aprilhcft 1838; in Hergang's päd.Real-Encyklopädie I, 812; sodann von Eisenlohr in den Blättern aus Sübdculsch-land. «Stuttgart,, Köhler, 1838, Heft 3 u. 4. Einen Bericht über die Graser'schenSchulen s. Kröger, päd. Reisen. Bd. II.

Gregoriusfest, f. Schulfeste.

Grüßen. Der Gruß ist nach I. I. Wagner's, des Philosophen, Ausdruck dieErbietung, mit jemanden in ein Verhältnis der Humanität zu treten. So weit zurückund so tief hinab unter den Völkern menschliche Cultur reicht, so weit reicht auch derGruß. Er ist eine menschlich theilnehmende Ansprache einander bekannter oder auchunbekannter, sich begegnender oder scheidender Menschen. Je nach Volkscharakter,Bildungsstand, Lebensstellung, socialen Verhältnissen gestaltet sich der Gruß sehrmannigfaltig; im allgemeinen aber ist er immer Ausdruck der wohlwollenden, freund-lichen, Höheren gegenüber zugleich demüthigen Gesinnung. Mit den Grußformeln