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Graser.
Erzichungsgrundsätzen und Auseinandersetzungen auf eine ungebührliche Weise dasWissen oder das bewußte, verständig calcnlirende Reflcctircn als Hauptfactor dermenschlichen Bildung nach allen Seiten in den Vordergrund drängt, so daß dasElement der einfachen Gewöhnung nnd der gemüthlichcn Entwicklung zu kurz kommtund der Hanpthebcl der menschlichen Bildung immer wieder „in die Förderung derEinsicht in die Gründe nnd Folgen, die Zweckmäßigkeit, Nützlichkeit, Angemessenheitder Dinge" gesetzt wird. — Diese Einseitigkeit muß sich natürlich vorherrschend imGebiete des Religiösen und Moralischen Herausstellen, auf dem die Kenntnis derwahren Grundgesetze des menschlichen Lebens die ganze Entwicklung beherrscht. „Hastdu einmal in der jungen Seele die klare Erkenntnis der freien Selbstbestimmung,die daraus hervorgchendcn Begriffe der Imputation der Scluld und Strafe, desVerdicnstcs und des Werthes begründet, — gelungen ist dir dann das wichtigsteWerk, den Menschen geboren zu haben." Tie Folge davon ist, daß das ganze Wesender Mittheilnng des frommen und sittlichen Lebens verkannt wird, die Kirche selbstvorherrschend als Lehranstalt, als Schute erscheint und die Entwicklung des Religions-unicrrichts anstatt von unvermittelter Einführung in die Anschauungen des geschicht-lichen und thatiächlichen frommen Lebens — von reflcctircnden Betrachtungen überdie weltlichen Tinge und menschlichen Anlagen, wobei Graser mit seinen künstlichgemachten Erzählungen häufig auf den überwundenen Aufklärungs-Standpunct derphilanthropischen Schule znrücksiukt, und in seinem ferneren Stusengang von der ver-ständigen Entwicklung des Menschen und der umfassenden Einsicht in die Natur undMcnschenwelt abhängig gemacht wird. — Tie Ansichten Graser's erstrecken sich aberin ihren Conseguenzeu auf alle einzelnen Seiten nnd Theile des Unterrichts, wie diesam deutlichsten an den Grundsätzen für den ersten Leseunterricht hcrvortrilt. Hierübervgl. d. Art. Leseunterricht.
Noch bleibt uns aber eine Hauptscite des Grascr'sckien Systems zu betrachten,welche demselben eine spccifische Bedeutung giebt. Es ist die folgenreiche Erkenntnisder Wahrheit, daß, „wenn auch die harnionische Ausbildung der menschlichen Kräftedas Hauptaugenmerk des Erziehers sein muß, doch diese nur mit der praktische» Be-ziehung auf den Zweck zu befördern ist, den Menschen für Leben und Weltzu bilden, so daß also jede Uebnng eine durch den Begriff von einer praktischenLebensbeziehung geleitete Uebnng wird." Wenn es die Bestimmung des Menschenist, ein wahres Menschenleben zu führen, so muß vor allem darauf ausgegangenwerden, dem Menschen die Kunde von dem zu verschaffen, was er zu einem wahrhaslmenschlichen Leben in allen Gcmeinschaftsbeziehungcu („denn das Leben stellt sich fürden Menschen als Gemeinschaft dar"), zur Erfüllung seines häuslichen nnd bürger-lichen Berufs bedarf. „Wenn dies geschieht, so bildet sich durch die Anschauung deswirklichen Lebens, in welcher alle Wahrheiten sich verkörpern, von selbst auch daslebendige, reizvolle Interesse am Unterricht; der Mensch unterrichtet sich so am leich-testen und jicherlten selbst." „Es muß dahin kommen, daß die Schule durch Kunstdas Leben der Kinder vor der Schule wieder herstellt, aber nur auf einem immerhöhern Grade, und der Unterricht muß nichts mehr leisten, als was die Natur unddie Menschen an dem Schüler leisteten, wenn er nach einem schon mit eigenem Be-wußtsein vorgezeichueten Gange im steten Verkehr mit ihnen sich zu unterrichtentrachtete." —^ Daß mit diesen Grundsätzen Graser trotz mannigfacher Berührungenbeider doch eine entschiedene Ergänzung der formalistischen Richtung Pestalozzi's bildet,leuchtet ein. Sein Verdienst ist es, cbendadurch für jede Schule, auch die Volks-schule, die wesentliche Bedeutung des sachlichen (realen) Lebensunterrichts gegen-über von schlimmen Beschränkungen und engherzigen Auffassungen festgcstclll zu haben.Wollte man ihm aber zum Vorwurfe machen, durch die Hervorhebung des Realenim Unterricht befördere er eben nur wieder die Gefahr der Vielwtsserei, des unklarenErkennens, der Zerstreuung im Unterrichte, welche Pestalozzi beseitigt habe, so würdeseinen Ideen großes Unrecht geschehen. Man kann sich nicht stärker gegen die Un-methode, nach der bei dem sogenannten Realienunterricht dem Kinde nur gewiße einzelneKenntnisse nach willkürlicher Weise mitgetheilt werden, und gegen die grundsatzloseund ungebührliche Erweiterung des Kreises von wisscnswerthen Kenntnissen für dieNolksschüler verwahren, als er. „Vielmehr müßcn alle diese Kenntnisse eine Beziehung