Graser.
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Schriften Wesentliches zur Erkenntnis der richtigen Principien einer gesunden Er-ziehungslehre beigctragcn hat. Damit hängt das besondere Verdienst zusammen, durchseine Richtung entschiedenen Einseitigkeiten in den pädagogischen Bestrebungen alsGegengewicht und Ergänzung zu dienen. Es kann dies ausgesprochen werden beiallem Zugeständnis, daß die Theorien Graser's in ihren Grundlegungen noch viel zusehr unfrei und mit Schelling'schen Philosophemen verquikt sind, daß seine Ausfüh-rungen vielfach an Künstlichkeit leiden und daß er bei seinem Gange von der Höheherab in die Praxis häufig in Konsequenzen wie Mitteln fehlgreift.
Seine wissenschaftlichen Hauptwerke sind:
Divinität oder Princip der einzig wahren Menschenbildung zurfesteren Begründung der Erziehungs- und Untcrrichtswissenschaft.z. Aust, in 2 Theilen, Baireuth 1830, und — als Ausführung der darin nieder-gelegten Ideen
Die Elementarschule fürs Leben in der Grundlage zur Reformdes Unterrichts. 4. Aust, in 3 Thl., Hof und Wunsiedel bei Grau 1839 (der2. Theil ist erst nach dem Tode Graser's 1842 erschienen).
Indem Graser bei den wissenschaftlichen Darlegungen der Principien der Er-ziehungs- und Unterrichtslehre von der Bestimmung des Menschen als solchenausgeht, hat er eine einheitliche, richtige und folgenreiche Grundlage für seine Ent-wicklungen gefunden. Schade, daß die nähere Auseinandersetzung dieser Wahrheitvielfach' von Speculationen beherrscht und eingeengt wird, in ihren Ausführungenmager und unbefriedigend bleibt, und in einer etwas unbeholfenen mit dem Gedankenringenden Darstellung erfolgt. „Die Bestimmung des Menschen ist die vorzüglicheRepräsentation des göttlichen Seins im Verhältnis zu den übrigen Gattungen derWesen. Sie ist daher Divinität, d. h. die Menschen sollen durch ein Selbstseinoder durch ein mit ihrer Idee identisches Leben oder ein mit eigenem Geiste undeigener Thätigkeit durchaus und stets bestimmtes Sein — das Abbild des göttlichenSeins vorzugsweise darstellcn." Erziehung und Unterricht „haben vermittelst derEinwirkung der reifen Menschen den Heranwachsenden Menschen in der Richtung zuunterstützen, daß sein Gesammtvermögen, sein Sein zu begründen, um so zeitiger undsicherer hcrvorkomme." Hiebei legt nun aber Graser den größten Werth darein, daßder Erzieher bei seinem Geschäfte zwar „wegen der einzelnen mannigfachen Beziehungendes menschlichen Lebens die menschlichen Anlagen und Kräfte sich vereinzelt denken,aber in ihrer Ausbildung stets zugleich als ein Gesammtvermögen nehmen solle, umein menschliches Wesen zu bilden." Infolge dieser Grundanschauungen geht beiihm einmal ein Hauptbestreben dahin, der erziehenden und unterrichtenden Thätigkeiteine allseitige, den ganzen Menschen ins Auge fassende Ausbildung der Kräfte zusichern (namentlich auch „der Unterricht muß in jedem Biomente total bildend sein").Es hängt aber damit auch das Weitere zusammen, daß ihm jede Beschränkung derIdee der Menschenbilduug und der nöthigen Mittel für diesen Zweck als das größteUnrecht erscheint; cs ist „eine wahre Versündigung an der Menschheit, wenn man denMenschen irgend einen ihnen gebührenden Lehrgegenstand vorenthalten will." Glaubeman nicht, daß Graser durch das Festhalten solcher Grundlage in vage Menschheits-bildnngsträume hincingeführt wurde. Davor hat ihn der ihm eigene praktische Blickbewahrt, vermöge dessen er das Bedürfnis der besonderen Standeserziehung nicht bloßanerkennt, sondern einer der ersten Pädagogen ist, welcher die hier sich geltend machen-den Unterschiede — allerdings bald mit mehr bald mit weniger Glück — auf dierichtigen Principien zurückzuführen sucht. — Fragen wir nun aber näher, welches dasZiel der echt menschlichen Ausbildung sei, so besteht es nach Graser in der Be-fähigung 1) „das menschliche Sein selbst zu begründen" und 2) „es zu begründenin der reckten Form" d. h. in freier, selbstbewußter, vernünftiger Selbstbestimmung.Durch Ziffer 2 wird insbesondere die Art und Weise jedes richtigen geistigen Ein-wirkens normirt. Es ist verkehrt, wenn es nicht durchaus Selbstbewußtsein, Sclbst-anschauung, Selbständigkeit und daher vernünftige Erkenntnis fördert. Der Unterrichtinsbesondere muß „geistbildcnd" sein: „er ist nur dann wahrer Menschcnunterricht,wenn er den Selbstunterricht befördert." — Das Misliche in dem Graser'schenSystem ist nur das, daß sich von dem eingenommenen Standpuncte aus in seinen