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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Gewöhnung.

Graser.

diese hörte auf, wahre Freiheit zu sein und sänke zur Willkür und Zufälligkeitherab.

Die wahre Freiheit (s. d. Art.) besteht nicht darin, daß ich mich eben so leichtzum Guten bestimmen kann, wie zum Bösen, sondern vielmehr darin, daß ich michallerdings ohne allen äußeren Zwang, also von innen heraus aber mit Sicherheit,Mit Festigkeit, mit Nothwendigkeit nur zu dem bestimme, was gut und wahr ist.Daun ist das geistige Leben wieder zur Natur geworden, nämlich zur zweiten Naturoder zur Gewohnheit. Aus dieser Begriffsbestimmung der Gewohnheit geht aber nunvon selbst hervor, daß dieselbe in der Erziehung eine principielle Bedeutung hat.Denn die Erziehung und unter diesem Ausdruck ist auch der Unterricht und dieBildung jeder Art begriffen hat keine andere Aufgabe, als das geistige Leben inder Jugend so zu wecken und zu gestalten, daß es die Sicherheit und Festigkeit einesNaturlebens erhalte (vgl. d. Art. Erziehung). Die Pädagogik ist also die Kunst, dieerste Natur des Menschen in die zweite umzuwandcln. Unterscheiden wir in demgeistigen Leben, zu welchem der Mensch erzogen werden kann, das sittliche und dasintellectuclle Moment, so ist zu sagen, daß das Geistige in beiden Beziehungen zurGewohnheit geworden sein muß, wenn der Mensch als erzogen betrachtet werden soll.

Wenn nun aber die Gewohnheit ein so wichtiges Princip für alle Bildung ist,so entsteht um so mehr die Frage: worin besteht das Verfahren, wenn der Zöglingan etwas gewöhnt werden soll? Wir mäßen uns begnügen, auf diese Frage nur dasAllgemeinste zu antworten, da in mehreren anderen Artikeln dieses Werkes davongehandelt wird, z. B. in den Artikeln: Einübung und Fertigkeit, überhaupt aber beijeder besonderen Art pädagogischer Thätigkeit auch davon die Rede sein muß, aufwelchen Wegen die betreffenden Gewöhnungen hervorzubringen sind. Für alle Artenvon Gewöhnungen möchten jedoch folgende beiden Regeln gelten: 1) die Thätig'eiten,welche zu Gewohnheiten werden sollen, mäßen rein vollzogen und 2) oft wieder-holt werden. Es wird zur Bestätigung oder wenigstens zur Erläuterung dieserRegeln dienen, wenn wir sie auf ein Beispiel anwenden. Gesetzt, es handelte sichum den Beweis eines geometrischen Satzes, so hätte der Schüler diesen Beweis erstdann rein vollzogen, wenn er ihn nicht bloß in der Form versteht, wieihn der Lehrer rnitgetheilt hat, sondern auch selbst richtig und zu-sammenhängend wiederzugeben weiß. Der erfahrene Lehrer weiß, daß selbstfür diesen reinen Vollzug eines bestimmten Beweises durch den Schüler schon einegewiße Wiederholung desselben nöthig ist. Doch hat der Schüler an einem einzelnenBeweise noch nicht das Beweisen überhaupt gelernt, denn jeder bestimmte Beweis hatdoch noch etwas individuelles; die Fertigkeit im Beweisen erlangt man allein dadurch,daß man daS BcweiSverfahreu in den verschiedensten Formen und an den verschieden-artigsten Beispielen wiederholt. Dieselben Bemerkungen gelten aber auch für alleanderen Gewöhnungen für wichtige und unwichtige, für leibliche und geistige, fürintellcctuelle und sittliche.

Giftpflanzen, s. körperliche Erziehung, Pflichten der Schule.

Glaube, als Voraussetzung bei dem Erzieher, s. Erzieher.

Globus, s. Geographie.

Graser, vr. Johann Baptist, geb. ? Juli 1766 zu Eltmanu im bayr. Unter-franken, kommt auf die Schule nach Bamberg, erlangt infolge ausgezeichneter Fort-schritte schon im 20. Jahr die philos. Doctorwürde, später in das Würzburger Priester-seminar ausgenommen, 1790 Liccnziat, sodann Präfcct des adeligen Seminars'daselbst,nachher Condirector der erzbischöflichen Pagcnanstalt in Salzburg, hier noch vor derSäcularisation entlasten; 1804 Frühjahr Prof, der Theol. zu Landshut, Herbst Schul-und Studienrath in Bamberg; 1810 bayerischer Regierungs- und Krcis-Schulrath inBaireuth bis 1825 (als solcher verheirathet); da um diese Zeit die Kreis-Schulräthein Bayern eingezogcn wurden, so erfolgte seine Quicsciruua; fl 28. Febr. 1841 zuBaireuth (vgl. Voigts Nekrolog von 1841. Allg. Litt. Z. 1841).

Die entschiedene Bedeutung Grascr's liegt zunächst auf dem wissenschaft-lichen Gebiet. Seine Ehre ist es, einer der ersten gewesen zu sein unter denen,welche in neuerer Zeit einer wissenschaftlichen Begründung der Pädagogik Bahnbrachen. Noch mehr: auch die Anerkennung davon darf nicht fehlen, daß er in seinen