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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Gespielen, Kameraden.

Gewähren »nd Versagen.

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Gespielen vollkommen offen zu berichten. Es maltet bereits der demokratische Geistdes Spiels, wo jeder sich selbst Gesetz und Regel giebt, indem er freiwillig sich indie gemeinsame Thätigkcit einfügt. Die größere Tüchtigkeit, Gewandtheit und Kraftwird zwar auch hier den Vorrang behaupte», aber es darf das Gefühl der Gleichheitdoch keinen zu großen Abbruch erleiden; ist ein Kind dem andern im Alter und sonstzu sehr voraus, so wird es nur zu leicht verleitet, seine Uebcrlegenheit geltend zumachen. In der unbefangenen Weise, mit der die Gespielen zusammen verkehren,reiben und schleifen sie nichtsdestoweniger ihre Ecken und Härten an einander ab;viel intensiver, als es scheinen mag, werden bereits die sittlichen Ideen der Billigkeitund des Rechts, die sittlichen Gefühle der Theilnahme und des Wohlwollens praktischerlernt. Es bildet sich unvermerkt der Gemeinsinn, der über das beschränkteFamilienintcresse hinausgeht. So nöthig es auch ist, eine gewiße Vorsicht in derAuswahl der Gespielen zu beobachten, um schädliche Einflüsse fern zu halten: so darfman doch nicht zu ängstlich sein und etwa aus Furcht vor Einmischung unreinerElemente das Kind vom Umgänge mit andern, namentlich aus niederen Ständen, zusehr abschließcn.*) Auch über momentane Raufereien und Zänkereien mag man nichtzu sehr erschrecken. Nur Zanksucht und boshafte Tücke werden fern gehalten; Ab-sonderung ist da die beste Strafe. Kleinere Knaben und Mädchen spielen gern zu-sammen; später tritt von selber eine Absonderung und Entfremdung der Geschlechterein und jedes hält sich am liebsten zum eigenen. Je mehr aber mit dem Geschlechtsich auch die Charaktere entwickeln, desto mehr sei man auf der Hut, daß geselligeVerbindungen die Reinheit und Unbefangenheit sich wahren, gestatte übrigens auchdann den besonderen Neigungen angemessenen Spielraum.

Gestaltungstrieb, s. Phantasie.

Gewähren und Versagen setzen voraus, daß Persönlichkeiten da sind, welchevon Gottes und Rechtswegen die Macht und Stellung dazu haben. Dem Kinde gegen-über haben die Eltern und Erzieher heilige Liebe und Weisheit zu üben.

In den ersten Jahren des Kindes muß schon gewährt und versagt werden.Das Specielle hierüber enthalten die Art. Erste Kindheit und Körperliche Erziehung.Möglichst früh werde ans Bitten gewöhnt als an die Bedingung jeglicher Gewäh-rung; das hilft den kleinen Hochmuth und den trotzigen Eigenwillen brechen. BeiKindern, die gehen und sich mit Spielzeug unterhalten können, fehlen Eltern oftdarin, daß sie dem Kinde viele Spielsachen auf einmal herbei holen; das erzeugtunsteten Sinn. Geht das Kind mit Vater oder Mutter aus oder über Feld, wennes fleißig und gehorsam, warum soll des Töchterleins Bitte um das bessere Kleidu. s. w. nicht gewährt werden? Wie sich aber das Töchterlein selbst Meinungenbildet, zu dem und jenem Gange sei das bessere Kleidungsstück durchaus nothwendig,weil des Nachbars Tochter auch geputzt gehe, so ist das zu versagen und darauszu halten, daß Kinder das anziehen, was die Mutter befiehlt.

Tagtäglich wird in jedem Haushalte viel gewährt und versagt. Erfüllt ein Kindseine Pflichten, warum soll ihm ein besonderer Wunsch nicht gewährt werden? Aberja nicht alle Wünsche oder jeden Wunsch augenblicklich gewähren! Der Wille mußgeübt werden durch Wartenlernen, durch das Bestreben, etwas zu verdienen, soweitvon Verdienen die Rede sein kann (vgl. d. Art. Belohnung). Der Weihnachtsabend,der Geburts- und Tauftag sind dazu da, daß an ihnen lang gehegte Wünsche erfülltwerden, und das soll dann in deutscher Art und Christcnweise geschehen. Je mehrKinder im Alter heranreifen, desto eher können sich Eltern und Lehrer daraus ein-lassen, durch Gründe zum Abstehcn vom Verlangten und Begehrten zu bewegen,während in früher» Jahren des VatersNein oder Ja" das kurz abschneidet, dieMutter etwas umständlicher gewährt und versagt, selten ohne Raisonnement. Es istaber von Wichtigkeit, daß das Kind seinen Willen und seine Wünsche auch ohne Ein-sicht in die Gründe des höher» Willens diesem unterordnen lerne.

*) Die gegenthcilige Ansicht vertritt z. B. Zinzendorf, wenn er sagt:Der Umgang mitnatürlichen Leuten und ihren Kindern wird Christenkindern schlechterdings untersagt ebenso derUmgang beiderlei Geschlechts."