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Gesinde.
Gespielen, Kameraden.
vermeiden, weil es ihnen viele Dienste leisten mnß; diese aber dem Kinde nur so leistenzu lassen, daß sich ein innigeres Verhältnis gar nicht bilden dürfte, wäre in keinerHinsicht gut. ES hat außerdem noch seinen guten Grund, warum es einem Dienstbotenrechter Art leicht ist, der Kinder besondere Zuneigung zu gewinnen: es ist die Natur-verwandtschaft des Kindlichen mit dem Volksthümlichen. Daraus folgt, daß auch umder Kinder willen die Dienstboten sorgfältig gewählt und im Auge behalten werdenmäßen. Das richtige Maß in jenem Verkehr wird in der Praxis nicht schwer zutreffen sein. Disciplinarische Gewalt ist den Dienstboten nicht zu gestatten; aber ebensogewiß mäßen die Kinder wissen, daß, wenn ihnen die Magd eine Unart untersagt, siezu gehorchen haben.
2) Wenn es zur gediegenen sittlichen Bildung gehört, daß unsere Jugend einer-seits die von Gott gesetzten, natürlichen Unterschiede unter den Menschen nach Stand,Vermögen, Geltung richtig erkenne, andrerseits aber diese Unterschiede immer wiederin der Liebe aufgehoben sein lasse: so ist eben hiezu die beste praktische Schule imVerhältnisse der Dienstboten zur Familie gegeben. Was Unterordnung, was Ge-horsam, was das Loos des von seiner Hände Arbeit Lebenden ist, das sieht das Kindhier in Person vor sich. Aber keineswegs darf es gegen den Dienstboten herrischauftreten, ihn ungestraft mishandeln, schmähen, verhöhnen; vielmehr soll es im Dienst-boten nicht nur den Erwachsenen ehren, sondern dafür auch ein Herz bekommen, daßes das Harte des Schicksals empfindet, sein Brot unter Fremden suchen zu mäßen,daß es in den Diensten, die ihm die Dienstboten leisten, nicht bloß die den Lohn be-dingende Schuldigkeit, sondern auch jenes Unbezahlbare anerkennt, was den Dienendenzum Freien macht. Das alles lernt aber das Kind nur, wenn es sieht, daß dieEltern die Domestiken christlich behandeln. Wo die Eltern nicht einmal gerecht, ge-schweige denn human verfahren, da muß der Kinder eigenes Herz vergiftet werden.Besonders einem erkrankten Dienstboten gegenüber wird sich jene Humanität in ihrerrechten Größe bethätigen; da haben auch die Kinder Gelegenheit, zu zeigen oder zulernen, daß die echte Christenliebc alles ausgleicht. Unerläßlich ist, daß die Dienst-boten an der Hausandacht theilnehmen, ebenso, daß ihnen an Sonn- und Festtagender Besuch deö Gottesdienstes regelmäßig gestattet wird. Ja, wenn die Dienstbotenselber keine Lust dazu bezeugen, so muß die Herrschaft den Gesichtspunct der Er-ziehung auch auf sic, wie aus die Kinder anwenden. Auch an den Domestiken sollendie Kinder nickt sehen, daß man leben kann ohne Gottes Wort und Sacrament.
Gespensterfurcht, s. Furcht.
Gespielen, Kameraden. Dem Kinde, das ohne alle kindliche Genossenschaftaufwachscn müßte, würde nicht nur ein wesentlicher Theil des Jugendlcbens, nämlichder Frohsinn, verkümmert werden, sondern auch seine ganze sittliche Ausbildung müßtemangelhaft und einseitig bleibe»; es würde entweder weichlich oder hochmüthig undschroff, ungefüge und unpraktisch werden. Mit Eltern und Lehrern kann das Kindseine Kraft nicht messen, mit ihnen in gleichem Thun und Streben nicht wetteifern.Wohl ihm, wenn eS Geschwister hat, die ihm als Vorbilder und Spielgenossen zu-gleich zur Seite stehen! Dennoch können die Geschwister dem Gcselligkeitstriebe nichtvolle Befriedigring gewähren, da sie in natürlicher Ordnung über einander stehen, dieälteren die jüngeren gern bevormunden und leiten, aber nngern sich ihnen gleickstellen.Dazu kommt, daß ein Hauptreiz der Geselligkeit, nämlich die Berührung verschieden-artiger Individualitäten den Kindern Einer Familie fehlt, da sie als Glieder EinesOrganismus in einem zu gleichartigen Verhältnis stehen. Da bieten sich dann dieAltersgenossen aus anderen Familien zu willkommener Gesellschaft, d. h. als Spiel-genossen an; denn wenn Kinder zusammenkommen, so kann der Zweck kein anderersein, als das gemeinsame Spiel. Obwohl nun in der Zeit der Kindheit die indivi-duellen Unterschiede noch keineswegs scharf hervortreten (daher der Collectivname„Gespielen"), so wirken die Kinder doch bereits mit ihrer ganzen, vollen Individualitätauseinander, denn sie geben sich in voller Freiheit. Im Kreise der Gespielen brauchtdie Zucht nicht unmittelbar zu walten; sie greift nur dann ein und zieht ihre Zügelan, wenn die Bewegung zu heftig wird oder auf falsche Bahnen geräth. Selbst dieBeaufsichtigung soll wenigstens manchmal eine unmerkliche sein und, wo sie unmöglichist, dadurch ersetzt werden, daß man die Kinder gewöhnt, über das Treiben mit den