Geschlechtliche Verirrungen.
Gesinde.
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eigenen Gewissens; solche Naturen werden unter häufigem Aufblick zu Gott mancherGefahr entgehen, sie werden aber auch einzelnen Versuchungen erliegen und alsdanneher des Trostes als der Strenge bedürfen. — In Bezug auf die Person des Rath-qebers bemerken erfahrene Erzieher, daß verständige Mitschüler durch ihre Warnungenmeistentheils mehr fruchten als die Vorgesetzten; diesen wie den Eltern wird es alsozukommen, sich einer solchen Mittelsperson zu bedienen.
Literatur. Die ältere pädagogische Literatur und eine treffliche Bearbeitungs.bei A. H. Niemeyer, Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts; I. §. 35—40;
138. Als populäre Schrift ist hervorzuheben: Kap ff, Warnung eines Jugend-freundes u. s. w.; Stuttgart, in vielen Auflagen. Vgl. d. Art. Aufklärung, Scham-haftigkeit.
Geschwister, s. Familie.
Geselligkeitstrieb. Der Geselligkeitstrieb, demzufolge der Mensch nach Gemein-schaft mit anderen Individuen seiner Gattung strebt, offenbart sich schon bei demSäugling. Da ohne das Leben in der Gemeinschaft sich kein geistig sittliches Menschen-leben entwickeln würde, so leuchtet ein, welch ein wirksamer Hebel der Geselligkeitstrieb,recht geleitet, für die Gesammtbildung des Menschen sein muß. Seine erste undwichtigste Nahrung muß er in der Familie, dieser Grundlage aller sittlichen Ge-meinschaft, finden. Dennoch sehnt sich das Kind bald über seinen Familienkreis hinausnach Umgang mit Seinesgleichen auö andern Familien (vgl. d. Art.: Gespielen,Freundschaft, Umgang). In den verschiedenen Richtungen, welche der Gcselligkeits-tricb des Kindes nimmt, erhält der Erzieher beachtenswerthe Winke und Aufschlüsseüber die verschiedenen Individualitäten und ihre Behandlung. Oft zieht aber auchein Kind das andere an, ohne daß die Erwachsenen den Grund solcher Sympathieanzugcben vermöchten. Die Geselligkeit und ihre Richtung läßt sich nicht commandirenund erzwingen, wohl aber leiten und fördern. Die Erziehung — des Hauses wieder Schule — soll das Schädliche und Störende abhalten, Angebereien zurückwcisenund nicht durch Ausfragen begünstigen, aber auch behülflich sein, daß Passendes sichfindet. Die Schule leistet der Geselligkeit der Jugend bedeutenden Vorschub durchdas ganze Schulleben, die gemeinsamen Spaziergänge, die Turnspiele, die sogenanntenKinderfeste. Das elterliche Haus bietet schon durch die mannigfachen Lcbensvcr-hältnisse, denen sich kein Familienkreis entziehen kann, dem Geselligkeitstriebc mannig-fache Anregung, wofern nur die Erziehenden sich Zeit und Mühe nehmen, das Ge-gebene zum Besten der Kinder zu benutzen. Besonders liegt es den Frauen ob, denenschon von Natur der gesellige Takt eigen ist, die tauglichen Elemente zu versammeln.Doch ist andererseits auch vor der Ausartung des Gesclligkeitstriebes zu warnen,die durch verfrühte Genüsse entsteht. Wir rechnen dahin die Thecgesellschaften derMädchen, die Kinderbälle und „Visiten," die weiter nichts sind als die Nachäffungdes Lebens der Erwachsenen; ferner das Mitnehmen der Kinder in Wirthöhäuser undzu Diners, bei welchen sie im Grunde bloß vegetiren. Die Zucht, die das Kind schonfrüh an das „bete und arbeite" gewöhnt, wird es auch vor jener Gescllschaftssuchtbewahren, die zuletzt alle Einkehr in das eigene Innere hindert, oberflächlich undcharakterlos macht. Das Kind soll cs stets als eine Wohlthat erkennen, wenn Elternund Erzieher ihm Spielgenossen verschaffen; darum darf cs auch nicht störrisch sichzurückziehen, wenn die Gespielen einmal zu ungelegener Zeit kommen. Ein anderesist die Neigung des Gemüths zum Alleinsein, die Abneigung vor zahlreicher Spiel-genossensckaft; hievon hat schon der Art. Abneigung gehandelt.
Gesellschaft, s. Umgang.
Gesinde. Von diesem ist seitens der Pädagogik in der doppelten Hinsicht Notizzu nehmen: 1) sofern dasselbe in der Erziehung als ein activer Factor mitwirkt; und2) sofern die Behandlung des Gesindes in der Familie einen nicht unwichtigen Ein-fluß auf die sittliche Gesammtbildung der Kinder des Hauses hat.
1) Ueber den gewissenlosen Unfug, die eigenen Kinder, solange sie noch nichtden Glanz des Hauses zu vermehren in: Stande sind, dem Gesinde zu überlassen, bedarfes hier keines weiteren Wortes. Was ein Kind in der Bedientenstube lernt, dient ihmnicht zum Heile. Gleichwohl ist ein Verkehr der Kinder mit dem Gesinde gar nicht zu
Pädag. Handbuch. I. 37