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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

Der Inhalt der Belehrungen fällt mit der Materie der moralischen Heilmitteldes Nebels zusammen.

Die großen Schwierigkeiten der Heilung wurden zum Theil angcdentet; hier seider Satz an die Spitze gestellt: ohne gründliche Bekehrung keine radikaleHeilung! Da der ernste Wille zur Besserung die erste Heilbcdingnng, Willens-schwäche aber geradezu ein Symptom des Onanisten bildet, so bleibt nur der Joh. 8, 36gewiesene Weg. Hiemit ist einerseits gesagt, daß einzelne Mittel höchst nnzuver-läßig sind, andererseits aber ein Zusammenwirken der diätetischen und nach Umständender medicinischen Agcntien mit den religiös-moralischen durchaus nicht abgelchnt.

Die medicinischen Mittel sind angezeigt, wenn ein körperlicher Krankheitszu-stand, ebenso wenn eine Seelenstörung das Uebel unterhält oder umgekehrt durch das-selbe bedingt wird; ebenso wenn die Erregung des Geschlcchtstriebes eine krankhafte imengeren Sinne geworden ist.

Der geringe Werth der mechanischen, der Zwangsmittel, ist anerkannt, dochkann ihr Gebrauch in besonderen Fällen zweckmäßig sein. Gürtel mit Schcnkclriemm,an denen man eine Art Gitterwerk von Silber oder Platin befestigt, sind zumal beiMädchen unsicher. Das bloße Befestigen der Hände an den Bettstücken oder ihreVerwahrung mit einem Fausthandschuh ist für sich unzureichend; es mäßen durch-aus auch die Beine durch Riemen u. dgl. festgchalten werden. In den Irrenan-stalten bedient man sich häufig der Zwangsjacke, oft neben dem Einbinden in den eng-lischen Stuhl.

Solche Mittel sind geeignet, wenn die Heilung einer schweren complicirendenKrankheit, z. B. der Epilepsie oder einer Rückenmarkslähmung, von dem Aufhörender Masturbation wesentlich abhängt; ebenso wenn bei krankhaft gesteigertem Triebeder seiner selbst nnmächtige Kranke die mechanische Unterstützung seines guten Vorsatzesverlangt.

Die Wichtigkeit der diätetischen Mittel wird aus dem Gesagten genugsambervorgehen; gleichwohl warnen wir auch hier vor der Meinung, als gäbe es specifischeRecepte gegen Onanie. Wir meinen namentlich gymnastische Uebungen und die An-wendung der Kälte unter der Form von Waschungen, Sitz- oder Vollbädern. Metho-dische Muskelübungen besitzen als Mittel zur Ableitung und Beruhigung des durchgeistige Arbeit überreizten Gehirnlcbens hohen Werth. Jedoch verlangt die Muskel-schwache der Befallenen eine ihrem Kräftezustand angemessene Abänderung der her-kömmlichen Turnübungen. Sitzbäder sollten nur vom Arzt verordnet, Flußbäder nie inzu stark bewegtem Wasser und immer in guter Gesellschaft genommen und die kaltenWaschungen sollten auf die Morgenzeit beschränkt werden; sonst kann die Anwendungder Bäder wie der Waschungen eine schlimme örtliche Reizung herbciführen.

Die richtige Auswahl und Anwendung endlich der moralischen Mittel ist nurSache des menschenfreundlichen und erfahrenen Erwachsenen, welcher durch seineStellung zum Befleckten berechtigt ist, in seine tiefsten Geheimnisse zu dringen. Selbst-verständlich lassen sich nur die allgemeinsten Gesichtspunkte des Verfahrens aufstellenund ist die individualisirte persönliche Belehrung und Warnung auch dem besten ge-druckten Rathe vorzuziehen.

Der Erzieher wende sich zunächst an den Verstand; er lege unumwunden dar,welche Folgen das Uebel bisher gehabt habe, und knüpfe daran eine ernste Belehrungüber die möglichen schwereren Einbußen an Gesundheit, Lebensdauer und Lebensglück,wenn dem Laster nicht entsagt werde. Sodann ermahne der Erzieher zur strengstenAufmerksamkeit auf die Umstände, unter welchen der Anreiz zur einzelnen Sünde sichentwickelt, und dringe auf das ängstliche Vermeiden solcher Gelegenheitsursachen.

Durch die Furcht vor empfindlichen Strafen zu wirken, ist gewiß das zweckmäßigstebei Kindern; bei Knaben und Mädchen wird der Erfolg häufig nur im sorgfältigenVerheimlichen bestehen. Einzelne Strafen, wie Einsperren ohne die Zeit erschöpfendeArbeit, sind völlig verwerflich.

Um auf das Gefühl zu wirken, berufe man sich auf die eigene Ehrliebe; dabeilaste man die Möglichkeit durchblickcn, daß man die Behafteten als solche errathenkönne. Endlich auf religiös gestimmte Gemüther wirkt am tiefsten der Gedanke andie Bekümmernis der Eltern und die Berufung an die vcrnrtheilende Stimme des