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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

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kümmerten Weise den Verdächtigen auf die nnläugbaren Thatsachcn aufmerksam machen,wird auch nach Merkmalen fragen, deren Zusammenhang mit den Geschlechtssündennur dem Sachverständigen bekannt ist, und aus ihrem Zugeständnis einen überraschendenBeweis ableitcn; das ganze Benehmen des wirklich Befleckten bei einer solchen Unter-redung wird den Menschenkenner genugsam aufklären und für ihn bedarf es keinesunumwundenen Bekenntnisses, wenn schließlich die Frage auf einen, wie man hoffe,in seiner Verderblichkeit nicht begriffenen Mißbrauch der Genitalien gerichtet wird.Der Unschuldige, zumal der noch keine Vorstellung von der fraglichen Verirrung be-sitzt, wird sich leicht unterscheiden von dem verstockten Schuldbewußten. Ein Ge-ständnis wird eher auf Fragen nach einzelnen unreinen Acten als nach einer Ge-wohnheit erfolgen.

4) Heilung. Sie gelingt, wenn das Ucbel zum Laster geworden ist, in denKnaben- und Mädchenjahren schwer, leichter in der Jugend; in diesem Zeiträumegeht cs aber häufig über in natürliche geschlechtliche Ausschweifungen, zumal bei Jüng-lingen, oder wenn auch der mechanische Mißbrauch unterlassen bleibt, bestebt doch dieAusschweifung der Phantasie noch fort. Ob die Folgen heilbar sein werden, hängtganz von ihrer Beschaffenheit ab; im allgemeinen lehrt die Erfahrung, daß eine gewißeSchwächlichkeit bis in das gereifte Mannesaltcr und selbst lebenslänglich fortbesteht;war Hypochondrie oder Hysterie oder Epilepsie oder Seelenstörung zustandegekommcn,so ist eine dauernde und vollständige Herstellung der Gesundheit nicht mehr zu er-warten.. Bei dieser Sachlage und bei der ebenso wesentlichen Rücksicht auf die Ver-derbnis des Charakters besteht die erste und wesentlichste Aufgabe des Erziehers undArztes in der Verhütung.

Es handelt sich vor allem einmal darum, daß das Kind sich nicht an die bezüg-lichen Manipulationen gewöhne. Deshalb sind die unter den Ursachen erwähntenKrankheitsreize u. s. w. zu verhüten und zu unterdrücken und ist keinerlei Spielereimit den Geschlechtstheilen zu dulden; das einzige Gegenmittel bei kleinen Kindern sindlinnachsichtliche Schläge auf die Hand. Sobald das Kind die nöthige Fassungskraftbesitzt, bezeichne man ihm jederlei Betastung der Schamtheile als eine Handlung, derensich jedes gute Kind zu schämen habe. Sodann aber besteht die Prophylaxe der Onaniein nichts andrem als einer guten, die sinnliche wie die vernünftige Natur des Menschengleich würdigenden Erziehung; ohne diese bleibt alles Ankämpfen gegen einzelne Ver-anlassungen Stümperei.

Speciell ist auf einen häufigen Fehler in der Art der Verhütungsmaßregeln auf-merksam zu machen. Manche Eltern warnen häufig und in einem besonders feierlichenTone, auch ohne Angabe von Gründen, vor dem Verstecken der Hände, vor demUebereinanderschlagen der Beine u. dgl.; die Kinder können so gerade zu den ver-botenen Manipulationen angereizt werden. Diese zur Schau getragene Absichtlichkeitschadet aber auch dann, wenn das stetige Mistrauen unberechtigt ist.

Von großem Belange ist weiter die Frage nach den directen Vorbauungs-mitteln. Einmal handelt es sich um die Ausschließung überwiesener oder dringendverdächtiger Onanisten aus der öffentlichen Schule oder der Erziehungsanstalt, um dieübrigen Schüler und Zöglinge vor der Ansteckung zu sichern. Bei den öffentlichenSchulen kommt hier in Betracht, daß der Ausgestoßene dennoch wieder in einer andernAnstalt wird ausgenommen werden, daß weiter durch eine empfindliche Züchtigungjedem weiteren Versuche eiuer Mittheilung des Nebels wird vorgebaut werden können,daß endlich die in der Ausschließung aus der öffentlichen Schule liegende Beschimpfungaus den Charakter des Betroffenen den schlimmsten Einfluß haben kann.

Sodann besteht die Streitfrage, ob einem Einzelnen, der verdächtig ist, und obeiner ganzen Schulclasse, welche in der Regel eine Anzahl Befallener in sich schließenwird, eine besondere Belehrung und Warnung vor den geheimen Sünden zu ertheilensei, ob nun diese Maßregel vom Erzieher, von einem der Eltern unmittelbar odermittelst eines passenden gedruckten Rathes ausgeführt wird. Das Mittel ist jedenfallsein zweischneidiges; anzunehmen ist jedoch, falls man fürchtet, durch Belehrung müßtedie kindliche Harmlosigkeit verletzt werden, daß die große Mehrzahl der Kinder in denVolksschulen frühe über die Geschlechtsverhältnisse halbwegs aufgeklärt wird.