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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

Veränderungen, nach Umständen entzündliche Zustände, als schwerste, stets der ärztlichenBehandlung bedürftige Folge die Spermatorrhöe. Reizzustände der benachbarten Blasesind häufige Begleiter. Die Beteiligung des Rückenmarks äußert sich bei habituellerOnanie stets durch Asthenie unter den folgenden Zeichen: unwillkürliche Bewegungenbei plötzlichen Sinneseindrücken, rasches Erlahmen der willkürlichen Muskelthätigkeit,verminderte Energie der Ortsbewegung, Zittern der Hände und Schwanken bei längeremStehen ohne seitlichen Stützpunct; schwerere Folgen, namentlich Impotenz und Rück-gratSschwindsucht, sind selten. Die Ueberreizung des verlängerten Markes führt beigegebener Disposition zu Krampfkrankheiten, namentlich zur fallenden Sucht (Epilepsie),glücklicherweise selten. Charakteristisch ist die Aenderung der Gehirn- und psychischenFunctionen. Am allgemeinsten beobachtet man bei Knaben eine ungünstige Aenderungihres Wesens: große Reizbarkeit oder Apathie, Nachlaß des Lerneifers, Schwäche desGedächtnisses, oft krankhafte Willensschwäche, dabei ein scheues, zurückgezogenes,schleichendes Wesen. Ist die Jnfection der Phantasie vorherrschend geworden, so ver-räth sie sich durch die Erregung bei allein, was in irgend einer Beziehung zu ge-schlechtlichen Dingen steht, das Zurückziehen von den lärmenden und Kraftaufwanderfordernden Spielen und Uebungcn und das Aufsuchen der Einsamkeit.

Die secundären psychischen Folgen sind größtentheils davon abhängig, daß dasGesundheitsschädliche des Uebels zum Verständnis kommt und Reue, Schamgefühl,nicht selten Verzweiflung an sich selbst, zumal nach Rückfällen, das Bewußtsein be-herrscht; in diesem Zustande liegt die größte Wahrscheinlichkeit der Heilung, aber auchdie Gefahr eines Nebergangs zur Hysterie, Hypochondrie und eigentlichen Seelen-störung. Die Uebertreibungön in wohlgemeinten -Schriften über Onanie, noch mehraber die schändliche Speculation einer jetzt ihr Unwesen treibenden populären Literatur,welche, um Käufer oder Kunden zu werben, die Behafteten geflissentlich in größteSorge und Angst setzt, bewirken sehr häufig eine dauernde krankhafte Richtung aufdie Beobachtung der Körperzustände oder bei gefühlvollen Naturen Schwcrmuth. Auchallzu strenge Einwirkungen der Beichtväter, man denke namentlich an die Jesuiten-missionen, können notorisch diesen Ausgang herbeiführen.

Die Folgen in anderen Gebieten des Organismus äußern sich schon in den Knaben-nnd Mädchenjahren und müßen als minder charakteristisch behutsam beurtheilt werden.Consensuell leidet besonders der Magen, daher Störungen der Verdauung und Stirn-kopfschmerz häufig; Herzklopfen nach geringen physischen und psychischen Bewegungenund Blutstockungen in einzelnen Venen, namentlich unter den Augen, sind vielgenannteMerkmale; wichtiger jedoch ist die schlechte Ernährung, namentlich geringe Entwicklungder Muskeln zusammen mit lebloser, schliecher Hont und häufigen Pustelausschlägen;diese sind übrigens etwas alltägliches in den Pubertätsjahren und die Magerkeit fürsich ist ein häufiges Attribut des raschen Wachsthums.

3) Erkenntnis. Sie kann sich stützen auf Denunciation, auf Ertappen währendder That und auf sonstige Ueberführung, endlich auf directes oder indirectcs Einge-ständnis. Ist der Verdacht erwacht, so werden Eltern und Erzieher, ehe sie weitergehen, durch nähere Beobachtung den Sachverhalt tiefer zu ergründen suchen. Manbeachte besonders, ob nicht in vermeintlich unbewachten Augenblicken die Hände zu denGenitalien geführt, unanständige Stellungen oder Bewegungen vorgcnommen werden,ob nicht beim Ueberraschen nach dem Zubettegchen oder nach einem langen Aufenthalteauf dem heimlichen Gemache u. dgl. eine auffallende Erregung und Verlegenheit zubemerken ist. Flecken in der Leib- und Bettwäsche von Mädchen sind nicht charakteristisch,bei häufigerem Vorkommen beziehen sie sich aber auf einen Schleimfluß u. dgl., alsoetwas krankhaftes oder auf Masturbation. Eigenthümlich sind die Samenflecken inden Nachtkleidern und der Bettwäsche; erscheinen sie selten, so können sie auf dmnormalen nächtlichen Pollutionen beruhen; häufige Flecken, ebenso die Spuren vonTagespollutionen betrachte man stets als abnorm.

Wie soll nun verfahren werden, wenn man durch eine Unterredung mit dem Be-fleckten für sich selbst die volle Ueberzeugung gewinnen und sodann die heilenden Maß-regeln einleiten will? Bekanntlich erfolgt ein offenes Geständnis zumal bei Knabenselten und um so weniger, je mehr die Furcht vor Strafe und die Aussicht des erfolg-reichen Abläugnens vorherrscht. Man wird daher in einer ernsten, aber liebevoll be-