Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
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Geschlechtliche Verirrungen.

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Unter den zufälligen Umständen, welche die gefährliche örtliche Erregung der Ge-nitalien zuwege bringen können, möchten folgende Beachtung verdienen. Der von denAerzten Ercction genannte Zustand der Schamtheile entsteht auf leiblichem Wege amhäufigsten, wenn Erregnng des Blutes durch Speisen oder Getränke und Bcttwärmemit Anfüllung der Blase und des MastdarmS im wachen Zustande, ferner wennörtliche Wärme mit mechanischer Reizung Fahren im gepolsterten Wagen, Gehenin engen Beinkleidern, Schaukeln auf den Knicen, Znsammenpressen der über ein-ander geschlagenen Beine, Reiten auf Spielgcgenständen u. s. w. zusammcnwirken.

Die zweite Quelle des Uebels ist ein für den Nichtarzt in seiner specifischen Be-deutung leider schwer aufznfassender Zustand von gleichzeitiger Schwächlichkeit des ganzenMenschen nach leiblicher wie geistiger Beziehung, und zwar ein Zustand, der als dasüberaus häufige Ergebnis einer falsch geleiteten Erziehung sich kundgicbt. Die zufrühe oder den Kräften des Einzelnen nicht angemessene Anstrengung der psychischenFunctionen bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Ausbildung des Körpers bedingt aufrein leiblichem Gebiet eine Uebcrrcizung des Nervensystems; da an der Entkräftungdes Organismus die psychische Sphäre theilnimmt, so wird bei der Wechselwirkungvon Gehirn-, beziehungsweise psychischer Thätigkeit und dem Geiste ein krankhafterZustand, jener auch in diesem pathologische Erscheinungen nach sich ziehen, und diesewerden um so mehr die GeschlcchtSverhältnisse berühren, jemehr die vorzeitige oder über-mäßige Entwicklung der Geschlechtlichkeit und das Vorwiegen geschlechtlicher Vor-stellungen, mit anderen Worten die Gedankcnunzucht, die psychische Onanie, hinzutritt.

Die Ursachen einer abnormen Entwicklung der Geschlechtlichkeit wurden in demArtikelEntwicklungsperiode" dargelcgt; jedoch die Rücksicht auf das Knaben- undMädchenalter erfordert, daß einzelne der für diese Altersstufe besonders wichtigen psy-chischen Ursachen der Geschlechtsverirrung noch besonders behandelt werden. Ihre ge-meinsame unmittelbare Folge besteht in dem Hinlcnken der Aufmerksamkeit auf denUnterschied der Geschlechter und auf die Geheimnisse der sexuellen Functionen. Hierhergehört cs, wenn man Kinder sich entblößen läßt, über ihre Nacktheit schlickert,ebenso wenn Heranwachsende Knaben und Mädchen beim An- und Auskleiden, beimgemeinschaftlichen Baden und Schlafen, beim Besuche der geheimen Orte u. dgl. sichschamlos betragen dürfen; ferner das Anhören zweideutiger Reden oder unverhohlenerGespräche über die Geschlechtsverhältnisse, das Anschaucn gewißer sinnlicher Liebkosungenoder schlüpfriger Bilder und das Lesen verführerischer oder allzu unverhülltcr sexuellerDarstellungen.

2) Folgen. Der größte Jrrthum ist die Annahme eines allgemeinen Krank-heitsbildes; am wenigsten darf man auf einzelne Erscheinungen, als wären sie sichereMerkmale, Gewicht legen. Bei der großen Mannigfaltigkeit der Folgeerscheinungenmäßen wir daher den Satz aufstellen, aus diesen allein lasse sich ans daS Vorhanden-sein des Nebels nur dann mit Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit schließen, wenn eineaus keiner anderen Ursache zu erklärende krankhafte Veränderungeines Individuums nach seiner physischen und psychischen Seite sichentwickelt.

Die Folgen gestalten sich nach der Art und noch mehr nach ihrem Grade ver-schieden, je nachdem cs sich bloß um unbewußte oder mit unvollständiger Einsicht undgeringer Bcthciligung der Phantasie gebliebene Masturbation, oder aber um die un-natürliche Befriedigung des von psychischer Seite angeregten Geschlechtstriebes mit denim heranreifendcn Alter unausbleiblichen Seelenkämpfen handelt. Sodann ist zwarz. B. Huf ela nd viel zu weit gegangen, wenn er den Säfteverlust bei Einer Ent-leerung mit dem bei einer Aderlässe vergleicht; ganz gleichgültig ist es jedoch keines-wegs, ob Samenentlcerungen die Geschlechtsreizung begleiten oder nicht, und esist die Gefahr am größten, wenn bei vorzeitiger Pubertät viel Zeugungsflüssigkeitentleert wird.

Die folgende Skizze der Wirkungen ist daher durchaus nicht als ein Krankheits-bild zu betrachten, sondern deutet uns an, in welchen Gebieten des Organismus dieNachtheile im allgemeinen sich offenbaren können, und eben deshalb ist das Detaillirenunterlassen.

Der örtliche Misbrauch der Genitalien bedingt den Aerzten bekannte Form-