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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Eeschlechtertreninliig.

Geschlechtliche Verirrungen.

schichtlichen Unterricht, die Verirrungen der Unzucht in der Geschichte, das sechste Ge-bot müßen mit besonderer pädagogischer Weisheit behandelt werden. Daß die Sub-sellien gesondert und zweckmäßig gestellt werden mäßen, versteht sich von selbst.

Geschlechtliche Verirrungen. In dem Lebensalter, welches den Erzieher be-schäftigt, beobachtet man dreierlei Arten von geschlechtlichen Verirrungen. Es kann ge-schehen, daß Knaben und Mädchen noch vor den Entwicklnngsjahren, ebenso, daß siewährend derselben den Geschlechtsact ausüben. Sodann gehört hicher der leider nichteben seltene MiSbrauch von Unmündigen beiderlei Geschlechts zur natürlichen oder un-natürlichen Wollnstbefricdigung von Erwachsenen. Drittens befassen die geschlechtlichenVerirrungen jenen MiSbrauch des eigenen Körpers zu unnatürlicher Wollust, welchenman mit Benennungen wie Onanie (im uneigentlichen Sinne gegenüber der ur-sprünglichen Bedeutung dieses aus l. Mos. 38, 9 abgeleiteten Ansdrucks), Selbst-befleckung, Selbstschwächung, Llusturbutio zu belegen pflegt. Dieses letzereUebel als Leiden der Kindheit und Jugend ist der Gegenstand der folgenden Aus-einandersetzung.

Geistliche, namentlich katholischen Bekenntnisses, Erzieher und Aerzte stimmen inder Ansicht überein, daß die heimliche Unzucht der bezeichneten Art seit dem Ende desvorigen Jahrhunderts eine die allgemeine Vorstellung weit übertreffende Verbreitungbesitzt; jedoch bleibt fraglich, ob das Uebel in der That in dem Grade, wie man an-nimmt, eine Krankheit der neueren Zeit bilde oder ob nicht vielmehr die Aufmerksam-keit seit dem Erscheinen der Schrift von S. A. TissotVon der Onanie; eine Ab-handlung über die Krankheiten, die von der Selbstbefleckung herrühren; latcin. 1758;übers, und mit Anmerk, von F. C. Kcrstens; Leipz. 1769, 1792, 1798" und durchdie seither überreich veröffentlichte Literatur ans die Geschlechtsverirrungen hingelenktwurde. Eine Zunahme des Uebels nach Grad und Ausbreitung vermögen wir aller-dings keinenfalls zu bestreiten.

Die Onanie ist zu betrachten hinsichtlich ihrer Ursachen, ihrer Folgen, ihrerErkenntnis, ihrer Verhütung und Heilung.

1) Ursachen. Zunächst wird zu unterscheiden sein zwischen der spontanen Entstehungund jener durch Beispiel und Verführung. Unbestreitbar verfällt manches unverdorbeneKind dem Uebel durch das schlechte Beispiel von Schul- oder Spiclgenossen oder durchdirecte Verführung erwachsener Personen, namentlich unsittlicher Dienstboten, und er-fahrungsgemäß bieten die heimlichen Gemächer und das Zusammenschlafen in Pen-sionaten und Erziehungsanstalten die häufigste Gelegenheit, während in der Familie nebender Scheu vor den Geschwistern auch die individuellere Beobachtung in Anschlag kommt.Die ärztliche Praxis lehrt jedoch die spontane Entstehung als die vorherrschende zubetrachten.

Einmal gewöhnt sich das Kind, mit den Geschlechtstheilen zu spielen, und wennhiebei eine Wollustempfindung hervorgerufen wurde, ebenso wenn eine solche durch einezufällige Reizung dieser Theile zustandckam, sucht es den gleichen Sinnenkitzel wiederhervorzubringen; auf diesem Wege wird daS Uebel zur Gewohnheit in einem Lebens-alter, welches fast jede Einsicht in daS Verderbliche, Unsittliche und Sündliche dieserManipulationen ausschließt; wächst später die Ahnung des Schuldhaften dieser Ge-wohnheit, so ist doch das Verständnis der nachtheiligen Folgen zu unklar und dassittliche Gefühl zu schwach, um dem zur Gewohnheit gewordenen Triebe immer wider-stehen zu können.

Andererseits kommen aber besondere Veranlassungen vor, welche eine Blutüber-füllung und Erregung jener Theile bis zur speofischen Wollust herbciführen. Unterden krankhaften Zuständen, welche hieher gehören, seien kurz genannt: Entzündungender Schamtheile, juckende Ausschläge in der Umgegend, Mastdarmwürmer und Blasen-leiden; hieher gehört auch die Erfahrung, daß Kinder, welche an nächtlichem Bcttpissenleiden, leicht der Onanie verfallen, und der mächtige Antrieb znr Lustbefriedigung nacherhaltenen Schlägen auf den Hintern. Selbst eine augenblickliche Angst kann dieWirkung einer unwillkürlichen mit Samenergießung und Wollustgcfühl verbundenenReizung haben. Sodann ist ausdrücklich zu bemerken, daß die dirccre Reizung derGenitalien von gewissenlosen Wärterinnen ausgcübt wird, um unruhige Kinder zu ge-schweigen.