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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Geschlechter.

^ -fl

auf schwachen Füßen stehende Auctorität des energielosen Lehrers durch den seine»Blick für Schwächen, welcher dem weiblichen Geschlechts eigen ist, und durch dessenkleine Listen noch sicherer und vollständiger zu Fall gebracht, als durch die offeneDerbheit der Knaben. Dem Manne kann die Berührung mit dem feindlichen Lebennicht erspart werden, aber er besitzt in seiner vorherrschenden Selbstthätigkeit auch dieKraft, den Kampf zu bestehen, und die Erziehung hat die Aufgabe, diese Kraft zustärken und ihr die rechte Richtung zu geben. Dem Weibe fehlt infolge seiner vor-herrschenden Empfänglichkeit diese Widerstandskraft, und der Satz:Jugend muß ge-wagt werden" ist für Mädchen nicht gesagt; vielmehr müssen sie vor störenden Ein-flüssen bewahrt werden, bis ihr Wesen zu der inneren Selbständigkeit gelangt ist,welche das Ungehörige von selbst meidet oder von sich abweist.*) Mit einem Worte:Bei der Erziehung der männlichen Jugend muß, nach Schleiermachers Aus-druck, die kühne, bei der der weiblichen die vorsichtige Maxime leiten.Darum darf denn die stetige und strenge Disciplin, welche durch das Naturell desKnaben erfordert wird, doch auch keine pedantische, kleinliche und mäkelnde werden,welche seine Thätigkeit in Nebendingen sich verzehren und ihn zur rechten Selbständig-keit nie kommen läßt, oder ihn zu'trotzigem Widerstande reizt. Von dem Weib da-gegen, eben weil es nicht auf die Erreichung bestimmter äußerer Zwecke hingewiesenist, fordern wir, daß es um so sorgfältiger auf sich selbst und auf seine nächste Um-gebung achte: Ordnung und Reinheit im Aeußcren wird nicht nur ihm selbst einSchirm, sondern indem das Weib dadurch als Gehülsin des Mannes diesem dieSorge für das Kleine und Alltägliche abnimmt und ihm eine freundliche behaglicheUmgebung schafft, befreit und erhöht sie das Wirken des Mannes für die Aufgabenseines besonder» Berufes.

Rücksichtlich des Unterrichtes ist vor allem darauf aufmerksam zu machen, daßder auf harmonisches Zusammenwirken der verschiedenen Functionen angelegte weib-liche Organismus langandaucrnde einseitige Kopfarbeit und anhaltendes Sitzen nichtverträgt, wie es wohl dem Knaben zugemuthet werden kann. Für die verschiedeneArt des Unterrichtes, wie sie durch die Verschiedenheit des Geschlechtes bedingtist, folgt alles wesentliche aus dem Grundsätze, daß dem männlichen Geiste das con-struirende, dem weiblichen das reflectircnde Verfahren am angemessensten ist. Unter-richtszweigc, in welchen die coustructive Methode eigentlich herrscht, die philo-sophischen und höheren mathematischen Fächer, sind überhaupt nicht für dasweibliche Geschlecht; dagegen ist das auf die concrcten Anforderungen des wirklichenLebens bezogene Kopfrechnen recht eigentlich ein weibliches Geschäft. Während derKnabe auf den pragmatischen Zusammenhang hinzuweisen ist, wird dem Mädchen dieGeschichte zu einer Reihe von Biographieen undLebensbildern." Der naturge-schichtliche Unterricht leitet den Knaben bald zum System hin, während dasMädchen von der concreten Erscheinung nicht bloß ausgeht, sondern auch fortwährendmehr an ihr haftet. Beim Religionsunterrichte dürfen dem Jünglinge diewichtigsten Einwendungen gegen Religion, Christenthum und Kirche nicht verschwiegenwerden, vielmehr wird gerade dadurch, daß diese Angriffe von vornherein in ihrerHaltlosigkeit dargestcllt werden, der Gefahr am besten vorbeugt. Bei dem Mädchendagegen ist darüber zu wachen, daß sein Gemüth niemals aufhöre, in dem mütterlichenBoden der Religion möglichst ungestört zu wurzeln, das religiöse Bewußtsein muß zurgleichmäßigen Grundstimmung seines gesammten Seelenlebens werden; dann werdenauch die Mütter erzogen werden, welche im Stande sind, den Söhnen in den erstenJahren des Lebens schon jenen unvertilgbarcn Eindruck frommer Mutterliebe in die

I. Paul, a. a. O. ß. 91:Die Sittlichkeit der Mädchen ist Sitte, nicht Grundsatz.Den Knaben könnte man durch das böse Beispiel trunkener Heloten bessern, das Mädchen nurdurch ein gutes .... Sie sollten nicht einmal das Rohe, Unsittliche, Gewaltthätige hören,geschweige sehen .... Ein verdorbener Jüngling kann ein herrliches Buch aus der Hand legen,im Zimmer mit feurigen Thrknen auf- und abgehm, und sagen: ich ändere mich; und eshalten .... Ich habe noch von wenig Weibern gelesen, die sich anders geändert hätten, alshöchstens durch einen Mann."