Geschlechter.
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läge der Volkstümlichkeit sich weniger losmachcn kann. Auf die bürgerliche undreligiöse Gemeinschaft als solche wirkt nur die Selbstthätigkeit des ManneS unmittelbarsin, aber auch in dieser Beziehung ist die Einwirkung der Frauen sehr bedeutsam.Denn das Weib übt auf die Familie den intensivsten Einfluß, und da in dieser auchdie bürgerliche und die religiöse Gemeinschaft wurzeln, so kann es nicht fehlen, daßdie weibliche Einwirkung von dort aus auch auf diese Gemeinschaften sich verbreitet.
Wir dürfen nach diesem allen znsammenfassend sagen: der Mann entspricht seinerBestimmung vorzugsweise durch das, was er thut, das Weib durch das, was es inseinem gesammten Wesen ist. „Man liebt," sagt Göthc, „an dem Mädchen, was esist, und an dem Jüngling, was er ankündigt."
II. Mann und Weib sollen, soweit es ohne Beeinträchtigung deseigenen Geschlechtscharakters geschehen kann, ihre Eigenthümlichkeitwechselseitig sich mitthcilen, und in ihrer Verbindung erst stellt dervolle Begriff des Menschlichen sich dar. In der vollkommensten Weise wirddiese Verbindung in der Ehe vermittelt; aber auch in dem weiteren gesellschaftlichenLeben darf sie nicht fehlen,, und die Erziehung hat auf die rechte wechselseitigeErgänzung des männlichen und des weiblichen Elementes vorbereitend hinzuwirken.Zunächst wäre es nicht gut, wenn bei der erziehenden Thätigkeit überhaupt nur männ-licher, oder nur weiblicher Einfluß sich geltend machte, oder wenn insbesondereKnaben nur von Männern, Mädchen nur von Frauen erzogen würden. Wir for-dern also in Bezng auf die erziehende Thätigkeit ein Zusammen-wirken des männlichen und des weiblichen Einflusses. Ter Knabe, vonNatur darauf angelegt, bestimmten äußeren Zielen rücksichtslos nachzustrebeu, soll durchdie weibliche Einwirkung an Innigkeit des Gcmüthes gewinnen. Auch in dieser Be-ziehung ist die rechte Familicnerziehung vorbildlich; insbesondere kann nur innerhalbder Familie, durch den weiblichen Einfluß in ihr, auch in dem künftigen Manne derFamiliensinn begründet werden. Aber auch wenn der Knabe und Jüngling derFamilie äußerlich entzogen wird, darf ihm die ermäßigende und formendeWeibliche Einwirkung nicht fehlen, so wenig, als der gereifte Mann dieses bildendenEinflusses entbehren kann. Andererseits wirken die Lehrer in der Schule zur Erwei-terung des Gesichtskreises ihrer weiblichen Zöglinge. Denn daß der eigentlichepädagogische Beruf eine Sache des Mannes ist, kann doch wohl als un-zweifelhaft gelten, da nur die männliche Selbstthätigkeit diejenigen Eigenschaften ein-schließt, welche jener Beruf vor allen erfordert: die umfassende Ucbcrstcht, das orga-nisatorische Talent, die Richtung auf das Objcctive und die damit zusammenhängendeFähigkeit, auf den Standpunct des Zöglings sich zu versetzen. Auf die Frage, inwie-weit Erzieherinnen von Fach nothwendig oder berechtigt sind, gilt die Antwort: siesind eö um so mehr, je mehr der pädagogische Beruf mit dem mütterlichen zusammen-sällt, also ganz besonders für Kinder und demnächst für Mädchen. Und doch ist auchfür diese Fälle zu wünschen, daß nicht bloß die obere Leitung der Schule, sondernauch der Unterricht, sobald er einen mehr systematischen Charakter annchmen muß,Männern überlassen bleibt.
III. Es ist noch übrig, die Art und Weise darzulegeu, wie die Erziehungdie Eigenthümlichkeit eines jeden Geschlechtes wahren muß.
WaS zunächst die Erziehung im engeren Sinne angeht, so fordert dielebhafte und vordringliche Selbstthätigkeit der männlichen Jugend eine stetigere undstrengere Disciplin. Bei den Mädchen muß, wie Beneke treffend bemerkt, auchin den Schulen die Disciplin mehr der freieren und milderen Ordnung der Familiesich nähern. Strenge Strafen würden das weibliche Selbstgefühl verletzen und unter-drücken; dagegen wird die Erinnerung daran, wie lautes und wildes Wesen u. dgl.etwas unweibliches ist, in dem Munde des Erziehers um so wirksamer sein, da derSchülerin das Gefühl sagt, daß sie nur durch Bewahrung des Charakters der Weib-lichkeit die Liebe und Achtung des Mannes sich erwerben kann. Freilich muß, umeine solche Wirkung hervorzubringen, der Erzieher eben ein Mann sein. Einemsolchen kommt von Seiten der weiblichen Zöglinge nicht selten eine wahrhaft begeisterteInnigkeit persönlicher Zuneigung entgegen, wie der von Natur nach Unabhängigkeitstrebende Knabe ihrer gar nicht fähig ist, auf der anderen Seite wird aber auch die