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Geschlechter.
nenden Empfänglichkeit des Weibes. Und zwar beruht nach Humboldts überausfeiner und treffender Ausführung (a. a. O. IV, S. 381 f.) die Verschiedenheit desGeschlechtscharakters auf dem Unterschiede einer vorherrschend selbstthätigen, oder vor-herrschend empfänglichen Richtung. Der Mann beginnt selbstthätig mit der Ein-wirkung auf ein Object und es thut seiner überwiegenden Selbstthätigkeit keinen Ein-trag, wenn er dann mit mehr oder weniger lebhafter Empfänglichkeit die Gegen-wirkung aufnimmt; das Weib verhält sich zuerst empfänglich gegen eine Einwirkung,durch die es aber zur lebendigsten Rückwirkung angeregt werden kann. Durch seinselbstthätiges Wirken macht sich der Mann von der Naturbestimmtheit und von derBedingtheit durch äußere Umstände in höherem Grade frei, es ist seine Bestimmung,in freier Thätigkeit seinen Wirkungskreis sich zu schaffen und die persönliche Selb-ständigkeit in vollem Maße zu repräsentiren. Das Weib dagegen, wie es inhöherem Sinne, als der Mann, bestimmt ist, die Gattung zu erhalten, stellt auch inhöherem Grade den Gattnngscharakter dar, zwar in einer Mannigfaltigkeit natür-licher Individualitäten, aber nicht in der Mannigfaltigkeit verschiedenen, mitpersönlicher Selbständigkeit ergriffenen Lebensberufs. Eben weil ihm die Richtung,selbstthätig aus sich herauszugehen, fehlt, bleibt bei dem Weibe seine Thätigkeit inhöherem Grade an die natürlichen Grundlagen gebunden, vor allem an das natür-lichste und primitivste gesellige Verhältnis, an die Ehe und an die Familie. DenMittelpunct der Familie als Mutter zu bilden, bleibt doch des Weibes eigentlicheBestimmung, und daraus ergiebt sich für alle eine wesentliche Gleichheit des Berufes.
Verfolgen wir nun den angegebenen Grundunterschied kurz durch die verschiedenenErscheinungsformen des individuellen Lebens, so offenbart sich in der Sphäre desGefühls die Selbstthätigkeit des Mannes darin, daß er vorzugsweise durch das dieeinzelnen Erscheinungen zusammenfassende Gesammtbild bewegt wird, daß er ammeisten empfänglich ist für erhabene Eindrücke, und daß durch die Eindrücke, welcheer aufnimmt, seine Phantasie zu freier Thätigkeit angeregt wird; dagegen zeichnet dieEmpfänglichkeit des Weibes der feine Sinn für das Einzelne auö, es wird durch dasAnmuthigc in höherem Grade angesprochen, und ergreift, wovon es unmittelbar be-rührt wird, mit der größeren Lebendigkeit und Innigkeit seines Gefühls. ImDenken schreitet der männliche Geist von der concreten Einzelheit rasch zum allge-meinen Gesetz fort, das aus diesem das Einzelne folgernde Verfahren ist das ihm an-gemessene, und eben darum ist die eigentliche Erfindung sein fast ausschließlichesVorrecht; das Weib dagegen haftet mehr an der einzelnen Vorstellung, und über dieReflexion treibt das Bedürfnis des weiblichen Geistes nicht hinaus, aber sein natür-liches Unterscheidungsvermögen für das Richtige leitet sicherer, als das noch nicht zurReife gediehene Raisonnement des Mannes, „man kann sagen: der Mann muß sicherst vernünftig machen, aber das Weib ist schon von Natur vernünftig" (Fichte).Im Gebiete des WollenS und Handelns verfolgt der Mann ferncliegende Zwecke,läßt sich von allgemeinen Grundsätzen leiten, wogegen das Weib, von ihrem natür-lichen Gefühl für das Rechte geleitet, sich an die Nächstliegenden Aufgaben hält unddarauf bedacht ist, daß das Gute auch angemessen und schön geschehe, und so suchtdas Weib, während die Thätigkeit des Mannes neuschaffend über die herrschendeSitte hinausgcht, vielmehr die Herrschaft der Sitte zu erhalten („Nach Freiheit strebtder Mann, das Weib nach Sitte." Göthe im Tasso). In Bezug auf das leib-liche Leben kommt dem Manne die Kraft zu, und es steht ihm an, bestimmteOrgane zeitweise einseitig anzustrengen und dann in längerer Ruhe und Erholungihre Kräfte sich wieder sammeln zu lassen; dagegen fordert die Anmuth, welche dasVorrecht des schönen Geschlechtes ist, daß die verschiedenen Functionen in einer ge-wissen stetigen Gleichmäßigkeit harmonisch wirksam sind, wodurch das Weib zu ruhigerAusdauer in höherem Grade fähig wird. Das beiderseitige Verhältnis zum Besitzeist im wesentlichen durch das Wort Kant's (a. a. O. S. 345) charakterisiert: „desMannes Wirthschaft ist Erwerben, die des Weibes Sparen." Und was endlich dieForm der Nationalität anlangt, so ist cs die Aufgabe des Mannes, die nationaleEigenthümlichkeit zu behaupten und die großen nationalen Zwecke zu verfolgen; aberin dem Weibe stellt sich die nationale Eigenthümlichkeit unmittelbar und im ganzennoch deutlicher dar, als in dem Manne, weil es eben auch von der natürlichen Grund-