Geschichtlicher Sinn.
Geschlechter.
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in der Volksschule sich in Preußen seit 1815 gemacht und 1870 belohnt hat? DieLcction von 1870 war so schlagend, daß mau jetzt im evangelischen Deutschland kaumnoch Weckung und Forderung des rechtmäßigen vaterländischen Selbstgefühls,des gesunden Egoismus, der Selbstachtung zu fordern braucht. Und doch heißt esimmer noch nicht Eulen nach Athen tragen, wenn man von der Schule verlangt,sic solle das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller deutschen Provinzen stärken,wenn man mahnt, es solle die gegen den 18. Dctobcr geübte schnöde Vergeßlichkeitnickt gegen den 2. September wiederholt werden, wenn man bittet: zeiget doch dieHerrlichkeit der deutschen Sprache, strafet die häßliche Ausländern in Rede und Sitte!vergesset über der Wacht am Rhein nicht den Licderdrciklang: Körner, Arndt,Scheukcudorf! Ehret und pfleget die „Wurzeln eurer Kraft," Gottesfurcht, Gehorsam,fromme Eilte!
Mit dem, was die Schule thun soll und kann, muß die häusliche Zucht undGewöhnung Hand in Hand gehen. Man halte vor allem über dem viertenGebot: Ehrfurcht vor Eltern und Alten! Man pflege den Sinn für des HausesOrdnung und Sitte, für verwandtschaftliche Liebe, für Familicnchre re. (s. d. Art.Familie). — Man bekrittle nicht öffentliche Personen (Lehrer, Prediger, Beamte re.)im Beisein der Kinder, weise vielmehr das schnabelschnclle Urtheil der Jugend überPersonen und Einrichtungen in seine gebührenden Schranken. Man gebe ihr ihreUnrcisheit gelegentlich zu empfinden und gewöhne sic, zu dem Großen und Tüchtigender Vorzeit und der Gegenwart ehrerbietig hinaufzuschcn. Man pflanze dem allesbestehende wespenartig annagcnden kritischen Geist unserer Zeit gegenüber Vorur-theile für das Vorhandene und Alte, zunächst nur, weil es das ist und sich, wennauch unter Mängeln, bewährt hat, und Mistranen gegen das Neue, als das erst seineProbe zu bestehen habe.
Wird so und ähnlich der geschichtliche Sinn geweckt, genährt, gebildet und geübt,vor allem auf dem Grunde des göttlichen Wortes, durch Kirche, Haus, Schule,bürgerliches und vaterländisches Leben, so ist viel gethan (freilich noch weit nicht alles),um ein Geschlecht heranzuziehcn, das sich liebend an alles bewährte Alte anschlicße,ohne für wahren Fortscbritt unzugänglich zu sein. Geschichtlicher Sinn, richtig ent-wickelt und geleitet, ist ei» wesentliches Moment mit, um gute Bürger, sic mögen be-fehlen oder gehorchen, in ihrem Gott zufriedene Menschen, praktische Leute in geist-lichen und weltlichen Dingen zu bilden.
Geschichtstalicllcn, s. Geschichte.
Geschlechter. Literatur: Bund ach, Anthropologie. Stuttg. 1837. §. 423bis 428; Hcideureick, die Verkehrtheit in der Erziehung und Bildung der weib-lichen Jugend. 2te Ausl. Ansbach 1847. — Kant, Anthropologie (Hartcnstcin'scheAusg. X, S. 339—348); W. v. Humboldt, Ucbcr den Gcschlechtsuntcrschied unddessen Einfluß auf die organische Natur (Gesammelte Werke IV, S. 272—301);Ters., lieber die männliche und weibliche Form (Ebendas. I, S. 215—261. —Jean Paul, Levana §. 75—101; Schlciermacher, Erziehungslehre, S. 95 ff.116 s. 224 ff. 356 ff. 601 s. 638; Bcncke, ErzichungS- und UntcrrichtSlehre I,S. 455—465; II, S. 478—488; K. v. Raumer, die Erziehung der Mädchen(Geschichte der Pädagogik, III, 2, S. 165—238); Palmer, Evangelische Pädagogik,Iste Ausl. I, S. 303 —306; II, 163—168; Baur, ErzichungSlchre, S. 99 bis 103;1^0-125; 296-303.
Dieser Artikel bezieht sich weder auf das natürliche geschlechtliche Verhältnis unddessen pädagogische Behandlung (vgl. d. Art. Entwicklungspcriode und Ge-schlecktliche'Verirrungcn'u. s. w.), noch auf das Einzelne der besonderen Schul-einrichtungcn, welche etwa durch den Geschlcchtsunterschied nöthig werden (vgl. darüberdie Art. Geschlcchtertrennung, Mädchenschulen), sondern nur von dem aller-dings auf der natürlichen Grundlage erwachsenden Unterschied deö geistigenGeschlccktscharakters hat er zu handeln und daraus die allgemeinen päda-gogischen Folgerungen abzuleitcn.
I. Ter Grundunterschied ist der mit der Differenz der natürlichen geschlechtlichenFunctionen zusammenhängende, zwischen der vorherrschend nach außen wirkendenSclbstthätigkcit des Mannes und der vorherrschend ausnehmenden und aneig-