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Gesangbuch.
das rechte Lied fehlen. Andere geistliche Lieder aber, die das Gcmeindegesangbuchnicht enthält, die aber doch der Jugend auch gebühren, können durch ein gedrucktesoder zu dictircndcs Liederbüchlcin zn ihrem Rechte kommen. — Ist demnach ein Schul-gesangbuch für das Leben in der Schule nicht nölhig, so ist cs für das kirchlicheLeben geradezu schädlich, denn es trübt in der Jugend das höchst wünsckenswcrtbeBewußtsein, daß sie mit in die Gemeinde gehöre, welche in der Kirche singt, daßdie Jugend, was den geistlichen Gesang betrifft, keine schönere Aufgabe habe, als sichzu lebendigen Gliedern dieser Gemeinde heranzubilden. — Natürlich erwarten wireinen Segen nur von dem Gesangbuch, welches das von uns beschriebene echte Kirchen-lied enthält. Wenn erst in allen evangelischen Schulen Deutschlands statt der abscheu-lichen Verstümmelungen und Verwässerungen, welche sich unser Kirchenlied durch denVandalismus der Aufklärung hat gefallen lassen müssen, die alten lieben Lieder wiederin ihr Reckt eingesetzt würden, dann würde der Eifer, mit welchem man in neuererZeit sich auf Wort und Weise des Liedes geworfen hat, auch für die Vcrwerthungdesselben in der Schule reiche Früchte tragen. Ausführlich hat darüber, insbesonderefür die Volksschule, Thilo gehandelt. (Das geistliche Lied in der evangelischen Volks-schule Deutschlands. Berlin 1855.) Wir können nur kurz auf die erbauliche,katechctische und sprachlich-ästhetische Vcrwerthung des Gesangbuchs in derSchule aufmerksam machen. — Der erbauliche Gebrauch des Gesangbuchs ist derzunächst liegende. Die Schule soll das Gesangbuch in Händen haben, um daraus zusingen, und singen soll sie daraus, um der Seele zunächst für die Schule, dann fürdas gesammte Leben die glaubensfröhliche und glaubcnsernste Grundstimmung einzu-hauchen, welche dem Christenmenschen eigen sein soll. Welch ein Segen wäre es,wenn nicht allein in der Volksschule, sondern auch in der Realschule und im Gym-nasium Lehrer und Schüler Lust uud Fähigkeit hätten, in herzlicher Glaubensgemein-schaft unsere Kirchenlieder zu singen und nicht allein in der Religionsstnnde! — Wasnun ferner die katechctische Anwendung des Gesangbuchs betrifft, so steht dasselbeebenbürtig neben dem Katechismus.*) Es ist zwar gewiß nicht dafür da, daß wires mit katechetischcn Künsteleien zerstückeln und den einzelnen Stücken des Katechismuszur Illustration Liederstücke anhängen, aber indem wir vor allem darauf bedacht sind,das Lied als ein Ganzes der Jugend zu lebendigem Eigenthum zu machen, ist einereiche katechctische Thätigkcit nothwendig. Kein Gesetz soll gegeben werden, nach welchemdie Erklärung des Liedes in der Schule gehandhabt werdeu müßte. Heute hebenwir mit der Person an, die das Lied gedichtet, morgen mit dem Bibclwort, das ihmzu Grunde liegt, ein andermal schildern wir die Zeit, aus der es zu uns herauftönt,oder wir geben das Lied hin und fragen: was muß das für ein Mann gewesen sein,der es zuerst gesungen, was für eine Zeit, die in ihm nachklingt, welche Schriftstellensind es, die in ihm Herzblut des Dichters geworden sind? Aber wo wir anfangen, —das echte Lied hat den großen Vortheil für den religiösen Unterricht, daß es allemalin den frischen, vollen Strom geistlichen Lebens hineinstellt, daß es uns die großenThaten Gottes beschreibt, wie sie in dem Mikrokosmus des Menschenherzens nocheinmal geschehen sind, daß es uns obendrein, was die Sprache betrifft, den lebensvollen,dichterisch gestalteten, oft unübertreffbar volksthümlichcn und treffenden Ausdruck fürdie biblischen Gedanken bietet. Wer also durch ein Einleben in das Lied, seine Ent-stehung nach Verfasser und Zeit, seine biblische Grundlage, seine segensreiche Wirksam-keit in der Geschichte der Kirche und der Einzelnen sich die Fähigkeit aneignet, auchdie Schüler in das Ganze des geistlichen Lebens, das an das Lied sich knüpft, hinein-zuführen, der wird die Erbaulichkeit beim sofortigen Gebrauch mchrcu und zugleichdas Große erreichen, daß nicht allein für die Schulzeit das Verständnis der Schriftund des Katechismus durch den Besitz des Liedes gefördert, sondern auch im Lebender inwendige Mensch zu dem Kampf, der ihm verordnet ist, gestärkt werde. Unddahin zielt ja der katechctische Unterricht. — Daneben hat das Kirchenlied für dieSchule noch einen sprachlich-ästhetischen Werth. Es ist ein herrliches StückPoesie, welches dem Volke damit geboten und durch welches das innere Leben auch
*) Zum Behuf der katechetischcn Behandlung sind namentlich zu empfehlen Schriften überdas Kirchenlied und seine Geschichte, wie die von Cunz, Koch, Kriebitzsch.