Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
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Gesang.

Gesangbuch.

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ernste Zucht begeben wollte, um die Handgriffe der Kunst sich anzueignen und dieWeihe der Kunst zu erlangen. Ä. Hauber.

Gesangbuch. Daß die christliche Gemeinde ein Gesangbuch in Händen habe,ergiebt sich aus dem Bedürfnis des Singens zur Ehre Gottes, welches ihr mit einerin ihrem Wesen begründeten Nothwendigkeit inucwohnt. Es gehört nämlich zur Eigen-thümlichkeit des religiösen Lebens auf dem Gebiete der Offenbarung der Drang derGemeinde, auf die großen Thatcn Gottes zu ihrer Erlösung und auf die Verkündi-gungen der göttlichen Gnade im festlich schönen, feiernden Ausdruck des Liedes undGesanges zu antworten. Der Satz aber, daß die christliche Gemeinde singen müßeund ihr darum ein Gesangbuch zu wünschen sei, gewinnt innerhalb der deutsch-evan-gelischen Kirche eine eigcnthümlichc, einzigartige Bedeutung. Denn erstens ist dasdeutsche Kirchenlied mit der deutsch-evangelischen Kirche entstanden,und die deutsch-evangelische Kirche mit ihrem Kirchenlied groß ge-worden. Sodann ist das Kirchenlied auch darum ein eigenthümlich esCharisma der deutsch-evangelischen Kirche, weil wohl kein christ-liches Volk einen solchen Neichthum an so trefflichen Liedern aufzn-weisen hat als wir. Zuletzt darf man wohl behaupten, daß der heilige Geistmit dem deutschen Volksgeiste nirgends eine innigere Vermählungvollzogen habe, daß das Wort Gottes und die deutsche Sprachenirgends völliger eins geworden sei, als im deutsch-evangelischenKircheuliede. Diese drei Momente nun sind wohl zu beachten, wenn dieBedeutung unseres Kirchenliedes für die lebendige Verknüpfung biblischer, kirchlicher,volksthüm sicher Erziehung erfaßt werden soll. Es wurzelt, weil die Gnade Gottesdurch das Wort sich verkündet, in der Bibel. Aber es bewahrt zugleich daseiqenthümliche Gepräge der Kirche, wie es durch geschichtliche, persönliche, volks-tümliche Factoren bedingt ist, es ist kirchlich. Und dieses biblisch und kirchlichgefärbte Lied ist zugleich volksthümlich, eS singt, was jeder erfahren hat odererfahren kann, eS singt in der Sprache, die allen verständlich ist, eben darum, weilsie die von Luther für das deutsche Volk geschaffene Sprache ist. Wer möchtezweifeln, daß das Gesangbuch für die Schule, für die Erziehung eine wichtige Mis-sion habe? Daran ist aber wohl gezweifelt worden, ob das Gemcindegesang-buch denn auch für die Schule genüge oder ob nicht vielmehr einSchulgesangbuch neben dem Gemeindegesangbuch oder statt desselbeneinzuführen sei. Wir können, die Geltung eines guten Gesangbuchs in der Kirchevorausgesetzt, einem eigenen Schulgesangbuch in keiner Weise das Wort reden, wirfinden ein solches für das Leben in der Schule nicht nöthig, für daskirchliche Leben aber schädlich. Die Nothwendigkeit ist man wohl hier und danoch geneigt durch die Behauptung nachzuweisen, daß der Inhalt des Gemeinde-gesangbuchs für die Kinder nicht faßlich sei. Aber wer hat denn einfältiger undkindlicher gedichtet als Luther, Nikolaus Hermann, Paul Gerhardt? Sollen diekindischen Reimereien, die man gefertigt hat, weil das Gesangbuch nicht kindlich genugerschien, etwa solche Lieder ersetzen, die dem Gelehrtesten wie dem Schlichtesten, demManne wie dem Weibe, dem Gereiften wie dem Kinde gleichmäßig Zusagen, weilsie die unmittelbare, warme, klare Sprache der Gotteskinder sprechen? Oder manerweist die Nothwendigkeit eines eigenen Schulgesangbuchs daraus, daß das Gcmeinde-gesangbuch manche Lieder entbehre, welche die Schule nicht entbehren könne. Mandenkt dabei zunächst an Schullieder, sodann auch an geistliche Lieder, die, wie schönsie sein mögen, doch als des kirchlichen Tons oder der kirchlichen Bewährung ent-behrend in dem Gemeindcgesangbuch nicht Aufnahme finden können. Was nun zu-nächst die Schullieder betrifft, so ffr es ein charakteristisches Merkmal des werkseligenRationalismus und der unter seinem Einfluß zu Stande gekommenen modernen Ge-sangbücher, daß sie unter allen möglichen Rubriken für die besondersten Anlässe eineMenge ungenießbarer Reimereien geliefert haben. Wo aus speciellem Anlaß einmalein Lied entstanden ist, das die Salbung des Geistes an sich trägt, da nehme manes dankbar hin. Sonst aber sind mit Recht dieSchullieder" im Stile vonO wieherrlich, o wie schön" gründlich in Vcrrns gekommen. Man singe sich nur in dieLieder des Gemcindegesangbuchs recht hinein und für kein Bedürfnis der Schule wird