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Gesang.
heißen solche dennoch Schelmenlieder und führen Beschwerde über Entweihung derSchule. Man kann jedoch auch gar zu kritisch werden gegenüber von unterlegtenTexten, und dabei vergessen, wie selbst etliche unsrer alten schönen Kirchenlieder ihrmusikalisches Gewand von weltlichen Melodien entlehnt haben. An sich sind edleund einfache Melodien aus Opern nicht zu verwerfen, wenn nur dieselben an Ortund Stelle nicht durch Mißbrauch schon entweiht und verrufen sind, und endlich wirdman auch noch sagen dürfen: lieber gute Musik und ein mittelmäßiger Text alsumgekehrt. — An reichen Sammlungen fehlt es nicht; die Auswahl ist desto schwie-riger, weil bei derselben nicht nur auf das Würdige, sondern wesentlich auch auf dasden Kräften Angemessene zu sehen ist. Denn immer und immer wieder muß dieRegel gelten: nur Schönes und dieses schön! Beschränkt man sich auf eine mäßigeZahl, etwa 60, so ist es möglich lauter Gutes zu finden, das Werth ist gesungen zuwerden und das auch auf den Beifall des Hauses rechnen darf, Unvorgreiflich demspäter folgenden Art. „Liederbuch" seien hier zur Benützung bezeichnet, die Samm-lungen von Erk, von Krauß und Weber, die Silch er'schcn Kinderlieber. Dervorgeschriebene Singstoff für die evang. Volksschulen Württembergs enthält im ganzennur 25 allgemein geforderte, daneben 32 zur Auswahl dargebotcne Lieder, läßt aberbei mehrclassigcn Schulen und unter günstigcrn Verhältnissen daö Herbeiziehen vonsonstigem passendem Singstoff zu.
Was schließlich die Lehrbücher für Ertheilung des Gcsangunterrichts betrifft, sohat man sich weniger über Mangel daran als vielmehr darüber zu beklagen, daßdurch die Vielerleiheit derselben und durch die in ihnen wechselnden Methoden, be-ziehungsweise Lehrkunstgrifse der Gesanglehrer von einfacherer Art desto schwerer zueiner sichern Führung gelangt. Wer gründlicher studiren will, wird auch heute nochdie Gesangbildungslehre nach Pestalozzi'schen Grundsätzen, methodischbearbeitet von Nägeli (1810), nicht übergehen — ein Buch, welches eine langeReihe von Werken nach sich zog, die ans dem gleichen Grund gebaut haben, währendim Lauf der Zeit die strenge Methode mehr und mehr durchbrochen wurde und dasLiedersingen zwischen die elementaren Hebungen hinein an Terrain gewonnen hat.Lange Zeit war die Kübler'sche Anleitung zum Gesangunterricht inSchulen (2. Auflage 1826) weil und mit Recht verbreitet, bei deren Abfassung sichder nachmalige Gründer und Tircctor des Cäcilicn-Vereins in Frankfurt a/M,,Schelble, bethciligt hatte — während dessen Aufenthalts in Stuttgart befand sichder Unterzeichnete unter der Kinderschar, an welcher Schelble seine Methode erprobteund das Geleistete sodann einen: Kreise von Sachverständigen vorführte, wobei anTaktfestigkcit, durch fortgesetzte Handbewegungen erzeugt, die 5—6jährigen Schülernichts vermissen ließen. Einen den Pestalozzi'schen Principicn direct entgegengesetztenWeg schlug Pflüger ein in „Anleitung zum Gesanguntcrricht in Schulen. Nachden Grundsätzen der analytisch-synthetischen Methode bearbeitet 1853." Er macht dasLied zum Mittelpuncte der Gesanglehre und geht erst von ihm ans zu den elemen-taren Hebungen. Recht praktisch ist Silcher's Kurzgesaßte Gesanglehre fürVolksschulen und Singchöre (2. Ausl. 1853), und wenn man versucht wäre,sie in methodischer Beziehung nicht unangefochten zu lassen, so sprechen für den Ver-fasser seine unsterblichen volksthümlichen Melodien, mit welchen er dem Gesangunter-richt einen unschätzbaren Vorschub dadurch leistete, daß er uns gab und hinterließwas Werth ist gesungen zu werden und was mit Lust gesungen wird. Erk's Ab-handlung in Diesterwcgs Wegweiser ist bereits genannt. — Wer wissenschaftlicheUnterweisung sucht, hat zu studiren z. B. Marx, die Kunst des Gesanges, theoretisch-praktisch. 1826; Schwarz, System der Gesangkunst nach physiologischen Gesetzen.2. Ausl. 1859; Häser, die menschliche Stimme, ihre Organe, ihre Ausbildung,Pflege und Erhaltung. 1839; Eyrel, Physiologie der menschlichen Toubildung. 1860;Widmann, Gehör- und Stimmbildung. 1874. — Wie unendlich schwierig Lehrenund Lernen des Gesangs, überhaupt der Musik, vor Alters gewesen sein muß, soschwierig, wo nicht mehr als beim Rechnen, zeigt jeder Blick in die alten lateinischenWerke über das Fach, die — als schwebte den Meistern immer das oäi xroknnumvulssus st nreso vor — nur denjenigen nicht abschreckten, welcher sich unter eine