Gesang.
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Dienst versagen zu wollen. Dann kann nicht mehr frisch gesungen werden, dannist cs Zeit aufznhören. Mit der Zeit wird das Anschrcibcn von Liedern an dieTafel seltener, während diese etwa noch für weitergehendc elementare Ucbungen be-nützt wird, und die Schüler erhalten Singheftc, gedruckte oder auch später selbst zuschreibende, was freilich in zahlreich bevölkerten Elasten kaum thuulich, sonst aberallerdings zum Vorankommen sehr dienlich ist. — Mehrstimmig, wenigstens zwei-stimmig kann einigermaßen von frühe an gesungen werden, wie denn in den jüngstenAl'theilungcn schon immer einige Stimmen sich vernehmen lassen, welche Neigung "zumSecundircu zeigen. Bei den älteren prägt sich die Neigung stärker aus und sucht ihreBefriedigung. Daß der bloße zweistimmige Satz nicht für alle Lieder taugt, ist offenbar,die Frage ist nur, wie eS mit der dritten Stimme zu halten, wo sie zu suchen ist. Drei-stimmiger Kindergesang hat die Gefahr, der untersten Stimme eine Tiefe zuzumuthen,der sie selten gewachsen ist, so wird der Gesang unschön, und er wird es ebenfalls,wenn zur Schonung der untersten die oberste Stimme zu hoch Hinaufgetrieben wird.Hier gilt cs eben sich bescheiden und nicht mehr ausgcben zu wollen als Einnahmeund Vermögen erlauben. Hauptgrundsatz muß sein: nicht so und soviel-stinnnig,sondern schön singen und nichts unternehmen als was man hinausführen kann. Diellntcrstimmcn erfordern eine.besondere Pflege bei der Einübung, das Zusammensingcnder verschiedenen Stimmen ebenfalls. Man darf nicht damit beginnen, die gcsammteSchar herbeizuziehen, diese muß vielmehr zuerst hören — durch das Instrument (beiMehrstimmigkeit eher Clavier als Violine), durch Einzelsingen Geförderter, dann kannsie nach und nach herbeigezogen werden. Fort aber mit der Eitelkeit, die sich an zuSchwieriges wagt; denn nichts verdient in der Schule gesungen zu werden, alswas von den vorhandenen Kräften so bewältigt werden kann, daß endlich alle eineFreude daran haben und sich sagen: wir können es. Solche Anhaltpuncte, wo einsingender Chor cs selbst empfindet, daß er etwas geleistet hat und vermag, sind nichtnur sreudeverbreitende Lichtpuncte im Gesanglebcn, sondern von ihnen geht auch wiederMuth und Streben zum Weiterkommen aus, und derjenige Lehrer oder Dirigent,welcher cs dahin gebracht hat, daß seine Sänger ein wenn auch recht einfaches Ton-stück nach allen Theilen richtig, hell, frisch und freudig vortragen, hat mehr fürPflege und Fortschritt der edlen Kunst gethan, als wer sich und andere mit mis-lingcnden Versuchen kreuzigt. Allerdings also Mühe und Arbeit beim Lernen, aberdas Ziel muß Befriedigung sein und Freudigkeit. —
- Nun'aber'treten wir" noch vor die Frage: w'as "soll man fingen? Und hierfordert die Schule noch eine besondere Rücksicht in Betreff der Wahl der Texte. AnMelodien fehlt cs nicht, welche dem allgemeinen Gesetz, schön zu sein, entsprechen,denn selbstverständlich darf nur Schönes gesungen werden; hat aber die musikalischpassende Melodie einen solchen Text, der pädagogisch gemessen unpassend oder zweifel-haft ist, so muß, was in letzterer Beziehung nicht taugt, ausgesondert oder geändertwerden. Die Schüler bedürfen solcher Lieder, deren Sinn sic anspricht, in Beziehungzu ihrem Leben steht. Darum ist der Choral der sicherste Gesangstoff für die Schule,neben ihm auch religiöse Figuralgesängc zur Erbauung in Schule und Kirche; auchdie sogenannten rhythmischen Choräle, mit Auswahl cingeübt, eignen sich zum Figural-singen, neben dem, daß sie zur Belebung ihres Abkömmlings, des jetzigen Choralsbeitragen. Zu wünschen und zu haben sind Lieder, welche im geselligen Kreise, beiSpielen, Festen (Frühlingsfest, Maicntag, patriotische Gedenktage), auf Gängen, zumTurnen, zumal der Knaben gesungen werden; sie dürfen auch über die unmittelbareGegenwart hinausdeuten, z. B. Soldatenlieder („Ich hatt' einen Kameraden"), Vater-landslieder, und auch auf dem Festland soll man sich am Bilde des durch die Wellenstreichenden Schiffes nicht stoßen; besser ist jedenfalls die Erweiterung des Blicks, alswo man so ganz unmittelbar nur das Allernächste ansieht und im Kindischen dasVerständliche zu haben meint; denn solche Texte entleiben mit Recht frühzeitig undwerden der Alten Spott. Aber ferne zu halten ist alles Erotische, alles was derScheu Eintrag thut, welche als ein Cherub das Kinderparadies zu hüten hat. Darumsind z. B. auch Melodien zu vermeiden, welche draußen vom Leichtsinn und rohgesungen werden; denn ihnen ist durch keinen besseren Text zu helfen, die Eltern
Pädag. Handbuch. I.