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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Gesang.

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hier wird das Material in lückenlos stufenweise fortschreitender Uebung zubcreitct undgesichert, und dann erst darf der Kunstschüler zu den Liedern übergehen. So kannes die Schule nicht halten; sie bedarf von Anfang an der natürlichen Freudigkeit zumSingen, und diese wächst und nährt sich an der Melodie; bloße Uebungen an Tönenwirken bald ermattend und man kommt nicht voran damit, während eine sangbareMelodie sogar im Stande ist, thco retisch schwierigere Sprünge praktisch zu über-winden. Schwierig an sich ist das Intervall 1. 4, und der letztere Ton wirdbekanntlich gerne zu tief gesungen, wenn 1 die Tonika ist; ist jedoch 1 Dominante,so singen die Schüler unschwer und richtig in die Tonika hinaus; schwer hält es mitdem Intervall 4. 8 und rückwärts, sobald aber in einem Tonstück 4 für das Ohr zu1 geworden ist, wird ihm 8 zu 5, und die Kinder treffen leicht die Quinte; sehrschwierig ist es von 2 auf 6 überzugehen, aber bei dem Liede: Weißt du, wie vielSternlein stehen singt sich in der Reihenfolge: „daß ihm auch nicht eines fehlet"ä. ü. ü. a. n. 6. o. e. Ir. In das Intervall a. 6. (2. 6.) leicht, weil die erste Figurdie andere herausfordert und ihr den Weg bahnt; es wäre daher eine Beraubungder Kinder, das liebliche Lied nicht früher singen zu lassen, als bis das Intervall2. 6. allgemein sicher cingeübt ist. Wo die Schönheit selber hilft, muß man nichtdie Pein Vorspannen, aber nachdem die Schönheit geholfen hat, kann das Intervallauch selbständig zur regelrechten Uebung gelangen. — Dem aufmerksamen Gesanglehreroffenbaren sich mit der Zeit auch die natürlichen Unterschiede zwischen den ans Discantoder Alt angelegten ^stimmen; er wird sich ebenso hüten, die ersteren über Gebührherab als die anderen hinanfzuschrauben, und wird sich namentlich die seltenen:Altstimmen als ein erwünschtes Gut für den mehrstimmigen Gesang aufsparen.

Dieser mehrstimmige Gesang nun kann allerdings schon ziemlich frühe an leichtenLiedlein mit einfachem Secund versucht werden, aber eigentlich einzutreten hat ernaturgemäß erst dann, wenn die Stimmen schon mehr im Umfang ausgeweitct, inder Kraft gestärkt sind, und wenn auch das Notcnlesen leichter von statten geht.Jedoch muß man dabei sich zum voraus sagen, daß der Kreis der zweistimmig zusingenden Lieder schon kein großer ist, noch weniger der für die dreistimmigen, sofern hiernicht der Satz für den Gang der untersten eine männliche Stimme in Rechnung nimmt.Vierstimmig kann man auch zuweilen Kinder singen hören, aber wie? EinfacheRegel: jedes Lied ist zu verwerfen, welches den Discant zu hoch hinauf, den Alt zutief hinuntertreibt, die Grenzen der Höhe und Tiefe aber sind durch Alter und vor-handene Stimmbildung gegeben. Denn hier kann in dem einen Fall schon das obere«. zu hoch, das untere o. zu tief, im andern können dort ll hier ü. noch wohl amOrte sein. Dies gilt selbstverständlich nur da, wo Discantisten und Misten nachihrer Natur gesondert sind, denn wo unbegreislicherweise noch der Schlendrian herrscht,nach welchem alle Mädchen Discant, alle Knaben Alt singen müßen, sie mögenkönnen oder nicht, oder wo man sich fürchtet, die ausgesprochensten und ausgiebigstenMädchcnaltstimmen zum Secund zu verwenden und sie statt dessen zum discantirenpeinigt, da sollte von einem mehrstimmigen Gesang nicht mehr, sondern nur noch vonGeschrei die Rede sein. Und ist es nicht auch eine Verkürzung der Geschlechter, sieso einseitig zu bilden, daß das eine und andere für sich allein außerhalb der Schulenicht zweistimmig zu singen im Stande ist? — Die Altstimmen sind seltener als dieandern, für um so kostbarer sind sie zu halten, um so gewißer an ihren Ort zustellen, und es bedarf dann auch keineswegs einer größern Zahl für die Unterstimmen,weil die im Verhältnis zu den Discantisten geringe Zahl desto kräftiger singt, jenaturgemäßer die Stimmlage ist, innerhalb welcher sie in den Gesang mitein-zustimmen hat.

Indessen ist es selbstverständlich, daß man keine einzelne Stimme nur zumSccundircn einüben darf; alle haben ein Anrecht an die Melodie, an Tonfolgen,welche für sich selbst Befriedigung geben und schön sind. Dies gilt von jedem Liede,welches in der Schule cingeübt wird, vor allem aber von unfern Chorälen, als demallgemeinsten und herrlichen Volksliederschatz. Das wenigste was hier verlangt werdenmuß, ist geläufiges Singen der in der Ortskirche gebräuchlichen Melodiecn, aber dieSchule darf aus dem allgemeinen der evang. Kirche zu Gebot stehenden Choralschatzauch weiteres aufnehmcn, darf auch an sog. rhythmische Melodiecn von nicht zu