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Gesang.
wehr gegen den Verderber des Gesangs in ihr Recht; das heißt: wer mit seinenbeharrlich falschen Tönen Störung anrichtet, der hat zu schweigen, wenn die andernsingen. Hieraus folgt jedoch noch keineswegs ein Anspruch desselben auf Dispensationvon der Singstunde; denn man kann auch durch Zuhören an der musikalischen Bildungtheilnehmen und schon das hat einigen Werth, wenn ein Schüler wenigstens taktirendmitwirkt. Mit dem Tonsinn ist es wie mit dem Sinn für das Plastische; wennjemand nach dieser Seite hin auch keinerlei Geschick zeigt und es nie zu einer an-sprechenden Zeichnung und dergl. bringen wird, so kann und soll er wenigstens seinAuge für die Erzeugnisse der bildenden Kunst öffnen und üben. Dies gehört zurallgemeinen Bildung, und ebenso darf niemand in absoluter Roheit gegenüber derTonwelt aufwachsen, am wenigsten wer eine gelehrte Laufbahn vor sich hat und zuden gebildeten Ständen zählen will. Darum soll dem Gymnasialschüler die Sing-stunde nicht so leichtlich als manche es versuchen geschenkt werden und die Simulantensollen nicht durchschlüpfen; kommt doch der Gesangunterricht, in dem er die Sprach-organe mit ausbilden hilft, auch der Sprache zu statten. Aber allerdings erfordertdie gelehrte Anstalt auch einen Gesanglehrer, der sein Fach ebenbürtig d. h. mitdemselben Geschick und derselben Begeisterung, womit andere Lehrer ihre Klassikertractiren, zu betreiben im Stande ist. — Wie mancher hat hernach in reiferen Jahrengedankt, daß man seiner Unlust und Trägheit nicht nachgegebcn, sondern ihn gezwungenhat sich zur musikalischen Uebnng herzugeben; denn es ist etwas, kräftig und sicherin die Loblieder der Gemeinde einzustimmen und man wird in der Gesellschaft werihgeachtet, wenn man im Stande ist sich bei einem Chorgesang mit einer gebildetenStimme zu bctheiligen. Also Vorsicht gegenüber von solchen Schülern, welche dasNichtkönnen zum Vorwand ihres Nichtwollens gebrauchen wollen. Daneben aberauch Vorsicht gegenüber von der Lebenspcriodc, mit welcher die Mutation der Stimmeeintritt, denn hier ist mit der Stimme auch (zumal bei Mädchen) die Gesundheit zuberücksichtigen und es wird sich die Thcilnahme am Gesang auf Zuhörcn und aufTaktiren beschränken, wie es sich denn überhaupt empfiehlt, zuweilen den einen Theilder Schüler taktiren zu lassen, während der andere Theil singt. Äie Fähigen aberund die Gesunden müßen es sich in allewege etwas kosten lassen, ihre Stimme zubilden und sie nach beiden Seiten hin auszudehnen. Jedoch hat dies mit Vorsichtund mit Geduld zu geschehen, es darf dabei nichts übereilt, nichts übertrieben werden.Mäßig ist der gewöhnliche Umfang einer ungeübten Stimme; sie gebietet etwa überfünf bis sechs kräftiger und sicherer hervortretende Töne,*) innerhalb welcher dieUebungcn einzusehen, hier Fülle und Rundung zu erzeugen haben, und von da ausschrittweise und allmählig die Stimme ab- und aufwärts auszudehnen. Läßt mandoch auch den Knaben bei seinen Turnübungen nicht von Anfang an über halbeMannshöhe springen, sondern er hat sich am niedrigen Sprung zu versuchen underst nach und nach mit der Entwicklung der Schnellkraft und mit den Jahren wirddie Schnur höher gesteckt. Man weiß dies allgemein und dennoch finden sich inSammlungen von Kinderliedern immer wieder Melodien, welche viel zu hoch hinauf-gehen emweder an sich — bis k, ja §, oder weil für Stimme und Ohr die Ver-mittlung durch das Vorhergegangene fehlt, und welche dem Sccund eine unerreichbareTiefe zumuthen. Vor mir liegt ein amtlich eingeführtes Liederheft für Kindervon 7—10 Jahren, wo z. B. die Oberstimme einmal von u bis ins k den Sprung zuwagen, und wo mehr als einmal der ob zwar erst von den Kindern der folgendenAltersstufen geforderte Alt bis in das tiefe s. hinunterzristeigen hat. Das heißtMühsal pflanzen und Misklang ernten. Indessen sollen diese Bemerkungen nicht sogemeint sein, als ob bei dem Gesangunterricht niemals eine Melodie gewählt werdendürfte, che deren einzelne Töne und Intervalle sämmtlich bereits durch regelrechteHebungen festgestellt sind. Tics ist die Maxime bei der Bildung zum Kunstgcsang;
*) An dem Sprechton des Kindes kann man abnehmcn, wo der Nahmen bei ihm beginntund wo er aushört; die Schule, welche mit vielen Kindern zu thun hat, wird einen Turch-schnittsrahmen suchen und diesen mit es. s. oder k anzusangen haben; einige lassen ihn mit Zöcgimren.