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Gesang.
cs in der Seele wohl, wenn so die Töne einer gehaltenen Melodie wie romanischeLichter eines nach dem andern farbenhell cmporsteigen, sic werden zur Bewunderunghingerissen, wenn es dem Künstler wie vom Munde perlt im raschen Laufe der musi-kalischen Figuren, aber dazu bedurfte es Jahre langen, geduldigen Fleißes, bis dasStimmorgan zn solcher Beweglichkeit und Willigkeit gebracht war. — In unser»Schulen, für unfern Hausbrauch, zum einfachen geselligen Genuß verlangen wir nichtdiese mühereiche künstlerische Zubereitung, aber ohne alle Uebung des natürlichen Sing-instrumcnts, also ohne einen wenn auch noch so einfachen kunstmäßigen Betrieb desGesangunterrichts in dieser Beziehung ist auf kein Singen, das der Rede d. h. desHörens werth, zu zählen. Bildung der Töne, tieferer und höherer, und zwar so, daßjeder einzelne für sich sozusagen leibt und lebt, und Fähigkeit, die einzelnen Tomunter Bewahrung ihrer Selbständigkeit an einander zu reihen, von dem einen zumandern sicher hinüberzuschrciten, ist die erste Bedingung des Gesangs und will gelerntund geübt sein. Ferner: Singen kann man lernen vom Hören, wie man das Sprechendurch Hören lernt, und bekanntlich hat es schon Sänger und Sängerinnen gegeben,welche bloß durch Hülfe eines Violinisten ihre Gesangpartien cingeübt und als Künstlervorgetragcn haben. Aber dies sind seltene Ausnahmen, und gleichwie das Buchlesenim Denken und Reden fördert, so hat aucb der Gesang seine Stütze an den Ton-zeichen zu suchen, deren Kenntnis zur Fertigkeit gebracht, die Sicherheit und Gewandt-heit im Singen begünstigt. Tonzeichen aber — wir reden jetzt noch nicht von ihrerForm — lesen lernen, erfordert ebenfalls eine Uebung, und zwar für diejenigen,welchen nicht zugleich durch das Clavicr die Anschauung der Intervalle erleichtertwird, eine kaum minder schwere Uebung als das Lesen des Alphabets. Auch hierist von einem Können die Rede, das man lernen muß, damit der Weg vom Ton-zeichen durch das Auge bis an den Kehlkopf mit der Schnelligkeit eines Telegrammszurückgelegt werde.
Die Töne, drittens, haben ihr Zeitmaß, ein jeder für sich und im Verhältniszu andern. Sie sind lang, kurz; in Takte eingctheilt sind sic entweder von gleichemWerth oder cs nimmt der eine ein größeres Maß für sich in Anspruch als derandere; aber die Maße der einzelnen Töne sind innerhalb des Taktes mit mathe-matischer Schärfe abgezirkelt, es seien wenige oder viele, gleiche oder ungleiche, siemüßcn sich genau in den zugcmessenen Raum theilen, ein jeglicher nach seinem Werthund nach dem Werth der Nachbarn. So muß man beim Siirgen auch noch rechnenlernen, mit dem Ohr und mit der Stimme, und diesen die Werthzcichcn der Tönedurch die Augen zu vermitteln muß man sich üben. Solches aber verlangt nicht nurdas innere Gesetz eines Tonstücks, sondern das Singen in Gemeinschaft ist nur da-durch möglich, daß alle von denselben Zeichen wie den gleichen Ton so auch dengleichen Werth des Tones ablescn.
Zum Vierten verlangt der Gesang eine Abwechslung in der Stärke der Töne,und zwar sowohl indem stärkere und schwächere nach einander folgen, als indem dereine und selbe Ton durch Anschwcllen und Nachlassen in sich selbst eine Aendcnmgerleidet, wodurch gerade wie bei einer gesprochenen Rede der Eindruck und die Ver-ständlichkeit der einzelnen Sätze wie des Ganzen gehoben werden muß.
.Fünftens: wie aus Tönen in ihrer Aufeinanderfolge musikalische Figuren, Sätze,Melodien entstehen, so, wenn verschiedene Töne gleichzeitig erklingen, entstehen Ac-corde, Harmonien, der mehrstimmige Gesang, und hiedurch eine weitere Kunstübungnach Gesetzen der Nichtigkeit und der Schönheit.
Endlich handelt cs sich bei dem Singen zugleich von der Verbindung zwischenTönen und Worten, thcils von angemessenem Verhältnis zwischen Melodie und Test,theitS von dem richtigen Klang des mit dem Ton vermählten Sprcchlautes.
Es ist demnach keine so einfache Sache um den Gesang und den Gesangunter-richt, das melodische, rhythmische, dynamische, harmonische Element, die Tonzeichenkenntnis,die Bildung des Tons und der Aussprache des gesungenen Wortes — jeder dieserwesentlichen Puncte bringt Arbeit für Lehrer und Schüler, und wenn gleich es sichhier keineswegs von einer Anweisung zum eigentlichen berufsmäßigen Kunstsingenhandelt, so darf doch aucki das gewöhnliche Schulsingcn sich der Hauptrcgel nicht