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Geographie in der Volksschule.
bereitung und Wiederholung des vom Lehrer an der Wandtafel und Wandkarte Vor-gezeigten und in freiem Vortrag Geschilderten dienen sollen. Schädlich ist derLeitfaden nur bei verkehrtem Gebrauch, sei cs, daß der Lehrer bequem sich auf ihn ver-lassend die eigene Vorbereitung und Durcharbeitung auf Grund ernsten geographischenStudiums unterläßt, sei es, daß er bloß mechanisches Lesen und Auswendiglernendes im Leitfaden gegebenen Stoffes duldet. Solche kleinere, für bestimmte Schul-verhältnissc angelegte geographische Leitfäden sind gerade neben den besten Lesebüchernzweckmäßig, je mehr diese richtig verfaßt und geordnet nicht sowohl Zahlen, Namenund einzelne Thatsachcn, als vielmehr zusammenhängende Beschreibungen und lebens-volle Schilderungen in Form von abgerundeten, Gemüth und Phantasie ergreifendenBildern geben. Im Leitfaden wird der Schüler nur das, was er (allerdings zumTheil auch auswendig) lernen und für immer merken soll, kurz, übersichtlich und be-stimmt bei einander haben und davor bewahrt bleiben, daß er vor Bäumen den Waldnicht sieht. (Vgl. vr. Möbus in Diesterwegs Wegweiser 3. Bd. 1875 S. 11)Solch ein kleines, schnellverbrauchtes und wieder aufgelegtes Büchlein kann auch inNamen, Zahlen und Thatsachcn sich leichter und schneller verbessern und den in derZeit vergehenden Veränderungen an Land und Leuten anpassen. Ist dann der Grundeinmal gut gelegt und sind die äußern Verhältnisse günstig, wie in mehrclasfigenStadtschulen, in niedern Real- und lateinischen Schulen, so läßt sich darauf leicht einstattlicherer Bau errichten.
Im übrigen muß es dabei bleiben, daß das Lesebuch „zur Belebung, Ergänzungund Wiederholung" diene und so auch für den geographischen Unterricht der eigentlicheLebensbaum sei, von welchem wesentlich alles ausgeht und zu welchem alles zurückkehrt,um von seinen gesunden, nahrhaften Früchten den kindlichen Geist zu nähren und ihmeinen Grundstock ebenso bildenden als nützlichen Wissens für das spätere Leben undWachsen anzulegen. Daß der Lehrer auch im Fache der'Geographie mehr wißen undfortwährend lernen und üben muß, als was im Lesebuch steht, ist selbstverständlich.Der Fundgruben und Hülfsmittel in dieser allem Irdischen mit Vorliebe, nur zu häufigmit einer wahren Wuth Angewandten Zeit ist Legion und ein besonnener Lehrer hat Mühe,sich vor dem Zuviel, was der Bücher- und Zeitschriftcnmarkt bringt, zu hüten. Diegrößer» „Leitfäden" von Pütz, Daniel, Lüben, Ebensberger, Bormann, Möbus,Viehoff, die Schulgeographien von Klödcn (4. Ausl. 1876), Cannabich (26. Ausl.1870) u. s. w. sind für Lehramtszöglinge und Candidatcn brauchbar, aber nicht für denunmittelbaren Gebrauch in der Volksschule geschaffen und bringen dem Lehrer in derselbenzu wenig und zu viel. Zum Fortstudium empfehlen sich: Bcrth clt, die Geographie inBildern; Blanc, Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte derErde und ihrer Bewohner; Daniels Handbuch der Geographie, wie auch sein Lehrbuchund das von Guthe; Grube's geographische Charakterbilder; Kutzen, das deutscheLand; das Lesebuch der Erdkunde (Calwcr Verlag); Külbs, Länder- und Völker-kunde in Biographien; die Lehrbücher der vergleichenden Erdbeschreibung von Pützund von Dommerich; Schachts Lehrbuch der Geographie alter und neuer Zeit;für die Methode D. Oberländer, der geographische Unterricht nach den Grundsätzender Ritter'schcn Schule (2. ganz umgearb. Ausl. Grimma 1875); Franz Winkler,Methode des geographischen Unterrichts, und D. Stößner, Methode des geographi-schen Unterrichts (1870, von Tittes in seiner Methodik der Volksschule 1874 besondersempfohlen, aber wesentlich für Realschulen geeignet). Anweisung und Stoff zumUnterricht in der Heimatskunde hat F. A. Finger am Beispiele der Gegend vonWeinheim an der Bergstraße (Berlin, Weidmann), Th. Cotta (Berlin bei Reimer)und Merget (Berlin bei Plahn-Sauvage) und Fr. Wctzel (Berlin bei Stuben-rauch) für Berlin, Adami, Böck, Guthe, Keller, Kriebitzsch u. a. für denpreußischen Staat (Königsberg bei I. H. Bon) gegeben. Sehr ansprechende undunterrichtende Lehrgänge und Lehrproben giebt die praktische Methodik von Guth(Stuttgart bei Aue. 2. Ausl. 1875).
Zum Schlüße auf die Geschichte des realistischen und geographischen Unterrichtsin der deutschen Volksschule zurückblickend, mögen wir wohl von 1650—1750 dasnaive KindeSalter desselben erkennen und von 1750—1850 die Zeit seiner, in Extremensich bewegenden, Gesetz und Maß, Schranke und Weg erst suchenden Jugend. Ob