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1 (1877) A - Liebe
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Geographie in der Volksschule.

des Stoffes Ernst zu machen weiß mit dem vielgehörten, schwerbefolgtcn Worte, daßin der Beschränkung sich der Meister zeigt. Gar nicht so leicht ist die Auswahl desStoffes im Einzelnen je nach dem Maß der eigenen Gaben und der Leistungsfähigkeitder Schüler an verschiedenen Drtcn und zn verschiedenen Zeiten. Hier wie jn allemUnterrichte muß der Lehrer sich stets an seine eigene Jugend erinnern und fragenwas er mit 1214 Jahren zu tragen und über die augenblicklich etwa erweckte Jstu-gier hinaus wirklich zu behalten vermochte. Was dann die Beibringung des richtiggewählten Stoffes betrifft, so vermag nur das in den Schülern zur lebendigen An-schauung zu werden, was im Lehrer Anschauung und Leben ist. Wie schwer aberist es, nur von der nächsten Umgebung, wenn sie etwas reicher vertical gegliedert ist,ein klares und lebendiges inneres Bild zu gewinnen. Dazu ist ein sehr offener Blickund ein förmliches Studium der Erdgestaltung nöthig. Um weiter einen Bezirk, eineProvinz, ein Land wirklich geographisch kennen zn lernen, genügt kein Buch und keineKarte nud kein Bild, sondern man muß Augen und Füße brauchen mit und ohneKarte auf Berg und in Thal. Mit vollstem Fug verlangt Dicsterweg von einemLehrer der Erdkunde vor allem,daß er nicht nur seine Heimat, sondern den Kreis,in welchem seine Schule liegt, und wenigstens einen großen Theil seiner Provinz nichtim Schnellwagen oder auf einem Dampfschiffe, sondern zu Fuß durchreiset, nicht bloßin Wirthshäusern übernachtet, sondern die Höhen erstiegen, die Thäler dnrchstrichenund die merkwürdigsten Puncte besucht hat. Es ist eine unerläßliche Eigenschaft einesLehrers der Weltkunde, daß er die Welt mit eigenen Augen gesehen und beobachtethabe." Erst auf und neben diesem Wege gewinnt das Studium der Länder undReisebeschrcibungcn, der Landschaftsbilder und Landkarten einen über die todte Buch-gelehrtheit hinausgehcnden Werth.

Kein geographischer Unterricht ohne Karte", sagt kurz und gut der württem-bergische Normallchrplan. Verständnis der geographischen Zeichensprache, die Kunstdes Kartenlesens ist das Erste, was dem Schüler bcizubringcn ist am Wohnort, ander Markung, am Bezirk. Indem der Wohnort als ein kleiner Theil der Markung,diese als ein kleiner Theil des Bezirks, dieser als ein kleiner Theil des Kreises, dieserals ein verhältnismäßiger Theil der Provinz oder des engern Vaterlandes und diesesselbst wieder als Theil des weitern Vaterlandes und dieses als ein Theil des Erd-theils und dieser selbst im Verhältnis zur Erdkugel dargestellt, geschaut und gemessenwird, erhält das Auge das richtige Maß und der Geist die richtige Vorstellung undGrundlage für das weitere geographische Denken und Wißen. Seit Karl Ritter sichso bestimmt dafür ausgesprochen und cs selbst so meisterlich geübt hat, gilt als daswichtigste geographische Lehrmittel das Verzeichnen des Lehrers auf der Wandtafel.Als eine Hauptforderung darf heute an jeden Candidatcn des Volksschulstandes dieAufgabe gestellt werden, daß er das Kartenzeichner: lerne und übe sowohl auf demPapier mit der Feder, als auf der Tafel mit der Kreide. Jeder Seminarist, derSchönschreiben und Freihandzeichnen lernen kann, wird bei Beharrlichkeit und Fleißauch die Kunst des Kartenzeichnens zu lernen vermögen und Hebung, ernste Hebungmacht auch hier den Meister, wenn einer es auch nicht soweit bringt, daß er selbständigkunstgerechte Karten entwerfen kann. Scminaroberlehrer Guth in Nürtingen versichertin seiner praktischen Methodik, er habe unter 100 Lehrseminaristen keinen gefunden,welcher die Kreide zum geographischen Anzcichncn an der Tafel nicht hätte handhabenkönnen. Zur zeichnenden Hand muß sich dann freilich auch das sichere Wort unddie lebendige Darstellung gesellen, welche auch der Begabte und Beredte nur durchfortgesetztes Studium der besten Hülfsmittel sich erwerben kann. Auch wo an dieWandtafel gezeichnet wird, sind doch Wandkarten nöthig und daher auch überall vor-gcschrieben. Aber wie oft sind diese für den Unterricht untauglich, theils durchursprüngliche Mängel, theils durch Verderbnis, theils durch Aushängen am falschenDrt und im Unrechten Lichte, theils durch den Lehrer, welcher davor docirend nichtbeachtet, daß eine größere oder kleinere Anzahl von Schülern ste gar nicht oder nichthinreichend sehen kann. Es ist unsagbar, wie viel Kraft und Zeit völlig ohne Erfolg,ja zum Schaden der nicht in Mitthätigkeit versetzten Schüler in den Schulen verschwendetwird von Lehrern, die es sich gar nicht einfallen lassen, die Karten so zu hängen unddie Schüler und sich selbst davor so zu stellen, daß alle alles sehen können. Freilich