Geographie in der Volksschule.
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Methodik in der Volksschule, wie sie in der Praxis der Volksschule von Kehr (3. Aufl.1869) besonders für Thüringen, in der evangelischen Schulkunde von Schütze (2. Aufl.1874) für Sachsen, im Volksschuluntcrricht von Bock (1875) für Preußen, in dem Lehr-buch der praktischen Methodik von G. Luz (2. Aufl. 1868) und in der praktischenMethodik mit Lehrgängen und Lehrplanen von Guth (2. Aufl. 1875) für Württemberg,in der Volksschulkunde von Largiadsr (2. Aufl. 1871) für die Schweiz dargestelltist. Bei großer Nebereinstimmung in den allgemeinen Grundsätzen tritt eine ziemlicheVerschiedenheit in der Anordnung des Einzelnen hervor. Einen rein synthetischenGang des geographischen Unterrichts verfolgt unter den Lehrplänen allein Düsseldorf,wie unter den Methodikern Luz (Lehrbuch der praktischen Methodik 2. Aufl. 1868,II, 106). Alle andern vereinigen den analytischen mit dem synthetischen. Gleich beiund nach der Heimatskunde und vor der Geographie von Deutschland läßt Bremenund Baden die Erdkugel betrachten, wie Schütze in seiner evangelischen Schulkunde,welcher cs nöthig und möglich (?) findet, daß daö zwölfjährige Kind eine richtige Vor-stellung von der Gestalt der Erde und damit von dem Verhältnis seines größerenVaterlandes zu Europa und zur Erde gewinne, ehe es mit Deutschland bekannt ge-macht werde. Nach der Geographie von Deutschland beim Uebergang zu Europaverlangt Berlin, Oppeln, Hessen, Oesterreich, Württemberg, wie Largiadsr, die Schul-päbagogik von Barthels und Wanjura (5. Aufl. 1873), Kehr und der an den württem-bergischen Normallchrplan sich haltende Guth die Betrachtung des Globus. Anhaltläßt den Globus gleich nach der Heimat und nochmals wieder nach Deutschland vorder Geographie von Europa betrachten. Das Wesentliche aus der mathematischenGeographie will Württemberg, Düsseldorf, Hessen, wie die Methodik von Schütze,Guth, Luz, Largiadsr wohl am besten ganz am Schlüsse des geographischen Unterrichts,Berlin schon auf der Mittelstufe, Anhalt vor der Geographie von Deutschland. Kehrbringt die mathematische Geographie nach der Vaterlandskunde, und vor der Betrachtungder fünf Erdthcile, wiederholt dann im letzten Schuljahr nochmals kurz die mathe-matische Geographie, läßt die ausführliche Betrachtung von Europa, dann ein-gehendere Betrachtung Deutschlands und seiner einzelnen Staaten folgen und schließtdas Ganze mit einer ausführlichen Betrachtung des Herzogthums Gotha. Gegen einensolchen Lehrgang, welcher nicht bloß wiederholend, sondern erweiternd auf politische,physikalische, gewerbliche, kirchliche Verhältnisse des Vaterlandes cingeht, von welchenbeim ersten Unterricht noch nicht die Rede sein konnte, macht Luz (II, 119) mit Rechtgeltend, daß die Volksschule dazu keine Zeit und der Volksschülcr, ja auch der Fort-bildungsschüler keine Freude daran habe und daß er für die Volksschüler verfrüht sei.Mit dem deutschen Vaterlande schließt Berlin, mit der preußischen Monarchie Oppeln,mit eingehender Behandlung Oesterreich-Ungarns der österreichische Lehrplan.
Einig sind alle Schulordnungen und Methodiker darin, daß die Volksschule nurwenig Dtoff vertragen kann, wenn sie etwas rechtes leisten soll gerade in dem geo-graphischen Unterricht, welchen Luz (II, 96) mit Recht zu den schwierigsten Aufgabender Volksschule rechnet. Und doch sind die in den allermeisten Lehrplänen gestecktenZiele so weit, daß sie nur unter günstigen sachlichen und persönlichen Verhältnissenbei der Hälfte der Schulen und Schüler werden erreicht werden können, auch wenn, wiein den meisten Ländern, wöchentlich zwei Stunden auf die Geographie kommen. Eskommt ja in Betracht, daß auch die drei andern Realfächer die gleiche Zeit und Kraftund nach vielen Lehrplanen gleichzeitig erfordern. (Die Allgemeinen Bestimmungenweisen den Realien 6—8, dagegen der Religion 4—5 Stunden zu, Hessen der letztemin der zweiclassigen Schule nur 2 Stunden, wie Oesterreich!) Die Tragkraft vonzehn- bis vierzehnjährigen Schülern ist aber, zumal in der Volksschule, die fast nurvon Kindern „hartschaffender Leute" besucht wird, überall eine nur bei besondererBegabung das Mittelmaß überschreitende. Es liegt nahe, die heutige realistischeUeberwucherung in der Schule mit derjenigen zu vergleichen, welche am Ende desvorigen Jahrhunderts in mißverstandenem Aufklärungs- und Nützlichkeitseifer diedeutsche Schule unter Wasser gesetzt hat. Zwar ist die Methode eine entschiedenbessere geworden, aber eben diese erfordert auch die ganze Kraft eines wohlgeschulten,wohlgeübten und setzen wir hinzu wohlgesinnten und daher seine Schüler nicht über-reizenden Mannes, welcher vorweg in der Auswahl und durchweg in der Ausführung