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- Geographie in der Volksschule.
Für alles Bedeutende suche man einen Repräsentanten. Ohne Anwendung von an-schaulichen Maßstäben ist alle Zahlbestimmung eitel. Man lerne und lehre, wie hockder eigene Kirchthurm und der benachbarte Berg ist, und trage diese Maßstäbe ausder Nähe in die Ferne. Geschichtliche Notizen nur, so weit die Spuren der Ver-gangenheit noch gegenwärtig sind. Wo möglich ein kleiner Atlas, mindestens einKärtchen des engcrn und weitern Vaterlandes, eins von Europa und die Planiglobegehören in die Hand jedes Schülers. Wandkarten sind nur Surrogate. (?) — Diefünfte Stufe behandelt das Ausland als Gegensatz gegen das Vaterland. ZuerstEuropa, dann die übrigen Wclttheile. Die Vergleichung der Länder, ihrer Bewohnerund Erzeugnisse mit den unsrigen spricht die Phantasie der Kinder besonders an undläßt sie die Weisheit und Größe Gottes in der Mannigfaltigkeit seiner Schöpfungbewundern und dagegen unser Ick in seiner Kleinheit erkennen. Die sechste Stufeendlich lehrt das Wichtigste und Faßlichste aus der mathematischen Geographie.
Wir reihen diesen, allermeist trefflichen Gedanken noch die Hauptsätze an, welcheüber die Methode des geographischen Unterrichts „Tie Deutsche Volksschule" vonDr. H. Gräfe (1847) enthält. Dieser Meister weist der Erdbeschreibung die hoheAufgabe zu, ein anschauliches Bild der Erdoberfläche nach allen Seiten zu geben. Fürdie Volksjugend braucht dieses Bild aber nicht so ausgedehnt und vollständig und insFeine auögearbeitet zu sein wie für die Jugend der höheren Stände. Insbesonderebrauchen die räumlichen Verhältnisse, die Größe, Gestaltung, Gliederung der ein-zelnen Theilc nicht so sehr hervorzutreten. Wichtiger als das Räumliche und Mathe-matische ist die Betrachtung der Erdoberfläche als Wohnplatz von Menschen. DasEthnographische, die Staaten- und die Ortskunde in ihrer Beschränkung auf das fürdas Volk Wiffcnswürdige und für die Jugend Angemessene ist der Hauptgegenstandfür die Volksschule. Die Ausführlichkeit der Beschreibung muß sich nach der Ent-fernung des betreffenden Theils vom Wohnorte richten. Das Verhältnis der Aus-führlichkeit in der Beschreibung des Vaterlandes, Europas und der übrigen Erdtheileist etwa nach den Rubrikzahlen 9, 3, 1 zu bemessen. Der geographische Elementar-unterricht besteht aus 1) Heimatskunde oder Kenntnis des Wohnorts mit seinenUmgebungen und des Heimatlandes, wobei die geographischen Elementarbegriffe zurAnschauung kommen und das Verständnis der Landkarte eröffnet wird. Währendbeim Wohnort größere Ausführlichkeit statt hat, ist beim Heimatslande der Fehler zuvermeiden, zu sehr ins Einzelne einzugehcn. 2) Die Vaterlandskunde. Der Schülermuß mit der räumlichen Ausdehnung, den Grenzen, den bemerkenswerthesten Meeres-einschnitten, den Hauptgebirgen, Flüssen, Seen, Staaten und Städten Deutschlandsnach Lage, Größe und Merkwürdigkeiten bekannt werden. Erst nach diesen beidenVorstufen kann die eigentliche Erdbeschreibung nach ihrer räumlichen und mathematischen,nach ihrer physikalischen und politischen Seite in dreifacher Abstufung eintreten. DieZusammenfassung (und zugleich Wiederholung) alles Wesentlichen aus diesen dreiStufen bildet den Schluß des geographischen Unterrichts. Wenn nun der eigentlichegeographische Unterricht mit dem Erdganzen beginnt und von da zur Betrachtung derErdtheile fortgeht, so hält Gräfe die Besprechung zuerst nur der Raumverhältnissealler einzelnen Theile, Lage, Grenzen, Größe, Bodengestaltung; darnach der natür-lichen Beschaffenheit derselben, wie Verkeilung des Wassers, Klima, Erzeugnisse undendlich der politischen Verhältnisse, wie Völker-, Staaten- und Ortskunde (in derVolksschule?!) für besser als die Behandlung jedes Erdtheils und Landes nach dieserdreifachen Rücksicht. „Unter allen Umständen keine Ueberhäufung mit Stoff, keintrockener Notizenkram, vielmehr klare, lebendige Darstellung und anziehende Schilde-rungen ohne viel Zahlen und Namen. Der Lehrer lasse das Kartenbild an derWandtafel entstehen, befähigtere Schüler mögen die Umrisse aus der Wandtafel nach-zeichnen, sonst aber kein Kartenzeichnen in der Volksschule."
Die Methode war nun soweit herausgearbeitet, daß sich damit auch unter den be-schränkten Verhältnissen der Volksschule durch verständige Lehrer etwas nicht blos sachlichgenügenderes, sondern auch Geist und Gemüth bildendes im geographischen Unterrichterzielen läßt. Mittlerweile hatten auch die Schullesebüchcr nach Inhalt und Form sich zuvervollkommnen begonnen. Und was besonders wichtig ist, die geographischen Lern- undLehrmittel, die Handbücher, die Hand- und Schulatlasse, die Relief- und Wandkarten hatten