Geographie i» der Volksschule.
amphie, Naturkunde, Technologie rc. bcibrachte, und wollte die Elemente der Real-kcnntniffe lediglich zur formalen Kraftbildung verwendet wissen. Als die Väter seinerZöglinge die Aufnahme des förmlichen Realunterrichts unter die Lehrfächer feinerAnstalt verlangten, überließ er die Geographie größtentheils seinem Gehülfcn Tobler,welcher laut W. v. Türk in den Briefen aus Münchcn-Buchsee über Pestalozzi undseine Elementarbildungsmethode (1806) diesen Unterricht „ganz im Geiste der Pesta-lozzi'schen Methode ertheilte." In der ersten Hebung (Curs) wurden die Kinder mitdm Meeren, Meerbusen, Meerengen, Hauptseen, Küsteuflüssen, Seen, Gebirgen, Vor-gebirgen, einzelnen merkwürdigen Bergen, Inselgruppen, Halbinseln dem Namen nachbekannt gemacht, indem man ihnen eine Reihe von Namen, die zu einer der ange-gebenen Rubriken gehören, vorsprach, und sie alle in einem Takte nachsprechen ließ.Z. B. „Die merkwürdigsten Nebenflüsse sind: Alagon des Tajo, Hcnares des Tajo,rechts; Manzanares Nebenfluß des Henares rechts; Adaja Nebenfluß des Duero links rc.;Küstenflüsse: Miares, Quadalaviar, Arno, Tiber rc. In der zweiten Hebung wurdendie Knaben mit der Eintheilung der Erde in Welttheile, der Wclttheile in Länder,der Länder in Provinzen bekannt gemacht, wozu sich der Lehrer der Landkarten oberder beliebten Tabellen bediente. Die Landkarten enthielten nur die wichtigsten Städte,aber nicht mit Namen, sondern nur mit Buchstaben, Numern und Zeichen, damitdie Kinder „nicht bloß die Namen, also nickt bloß Worte, sondern die Sache selbstsich cinprägen und mit dem Namen zugleich das Bewußtsein der Lage der Städte,des Laufes der Gebirge und Flüsse verbinden." Die Tabellen bestanden aus Kolonnenmit einzelnen Abtheilungen. Jedes Land hatte seine eigene Colonne, in deren'Ab-theilungen die Namen der Provinzen und Städte mit den Numern, die sie auf derKarte hatten, verzeichnet waren. „Das Kind übersieht vermöge dieser Tabellen die Ein-theilungen der Länder und ihrer Städte mit einem Blicke." In der dritten Hebungwurden die Kinder mit der physischen Erdbeschreibung bekannt gemacht; man zeigteihnen die Richtung der Gebirgsketten zugleich mit Rücksicht auf die Flüsse, und unter-richtete sie zugleich von den Merkwürdigkeiten der Berge, Flüsse und Thäler. In dervierten Uebung führte man die Kinder auf die merkwürdigsten Erzeugnisse der Länder,ferner erfuhren sie hier den Flächeninhalt, die Bevölkerung der Länder. Zu diesemEndzweck brauchte man wieder Tabellen. Auch diese Uebungen wurden vom Lehrerselbst oder von den Kindern der Reihe nach vor- und nachgesprcchen und zu gleicherZeit schrieb jedes Kind die Tabelle ab. So sollte sich das Erlernte in dem Gemüthetiefer einprägen und erhalten. In der fünften Uebung lernte das Kind sich über dieLage der verschiedenen Länder, Gebirge, Seen, Flüsse, Städte von seinem Wohnorteoder von einem andern Punctc aus orientiren. — Der Unterricht in der Erdbe-schreibung wurde zugleich als Mittel der sittlichen Bildung benutzt , indem man die
Kinder auf den Nutzen der Gebirge und Ströme aufmerksam machte. „Hier eröffnetsich ein unermeßliches Feld zu Bemerkungen über die Größe und Allmacht Gottes,zur Anregung der Gefühle des Dankes und Vertrauens zu diesem allwaltenden undallversorgeuden Wesen." An diese Uebungen der politischen und physischen Erdbe-schreibung hat sich die mathematische und die Kenntnis des gestirnten Himmels ange-schloffen. Horr von Türk schließt seine Darstellung mit der Bemerkung: „Für dengeographischen Unterricht bedarf es in Landschulen bloß einer großen Karte vonEuropa und allenfalls eines Buches für den Lehrer; in den Stadtschulen würde manwohl thun, auch einen Globus anzuschaffen."
Diese Art Geographie zu lehren war sicherlich weder für Land- noch für Stadt-schulen geeignet. Kein Wunder, daß Pestalozzi mit den Seinen so viel wie nichts
in diesem Fach geleistet hat und daß die wichtigste Anregung und Förderung desGeographieunterrichts der philauthropinischcn Schule zu danken ist, in welcher Guts-Muths zu Schnepfenthal mit seinem Handbuch der Geographie den Arbeiten einesCannabich, Stein u. s. w. tüchtig vorangeschritten und aus welcher der Großmeisterder Erdkunde», Karl Ritter hervorgegangen ist. Doch hat die von Ritter geschaffeneWissenschaft mit ihrem wesentlich analytischen Lehrgang für die Volksschule zunächstnicht nutzbar werden können. Den späteren Jüngern Pestalozzi'» war es Vorbehalten,die richtige Elementarisirung deS geographischen Unterrichts und zugleich die Ueber-windung seiner alten Abstractbeit und Trockenheit zu erstreben.