Geographie in der Volksschule.
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künde, Erdbeschreibung und Geschichte, sowohl im allgemeinen als in besondererBeziehung aus das Vaterland. (Daneben auch Belehrung über Schutzpocken, Be-strafung von Brandstiftungen und Verhütung von Feuersbrünsten.) „Den nöthigenStoff muß das Lesebuch für die Oberclasse darbieten." Das württembergiscke Volks-schulgesctz von 1836 erklärt für wesentliche Gegenstände des Unterrichts Religions-und Sittenlehre, Lesen, Schreiben, deutsche Sprache, Rechnen und Singen. FürRealien und insbesondere Geographie gab es in Württemberg auch jetzt noch sowenig als 1810 eine Verordnung weder über Lehrmittel noch über Lehrgang undMethode. Die einzelnen Schullehrer und Ortsschulaufseher mußten eben zusehen,wie viel Zeit und Stoff für die in den Schuldiarien immerhin eine Rubrik bildenden„gemeinnützigen Kenntnisse" abzubekonrmen war. Neben dein schwäbischen Kinder-mund brachte die Privatindustrie Schulbücher folgender Art hervor. Das 1814 er-schienene Lehr- und Lesebuch in den deutschen Stadt- und Landschulen von StadtpfarrerStüber in Ulm enthielt in zwei Abschnitten „Allgemeine Kenntnis des Himmels undder Erde" und „Politische Geographie", wobei Europa auf 26, die übrigen Erd-theile ans 8 Seiten nach Größe, Gebirgen, Gewässern, Klima, Producten, Einwohnernund Eintheilung sehr trocken abgehandelt sind. Das 1819 erschienene „gemeinnützigeLehr- und Lesebuch für die katholischen Volksschulen besonders Württembergs" vonEith dagegen bringt S. 187—399 eine vollständige politische Geographie und S. 400bis 410 die Himmclskunde. Ein nassauisches Rcgierungsrescript vom Jahr 1838ordnet an, daß in Dorfschulen der Realunterricht nur in einfacher und kurzer Er-klärung der dahin gehörigen Lesestücke bestehen solle, da die wahre Volksbildung nicht inH vielerlei zum Theil ganz unnützen und nur aufblähenden und verflachenden Kcnntniflen,sondern in echt praktischem und ans die Veredlung des Herzens und Befestigung desWillens und Charakters gerichtetem Wissen bestehe. Im Herzogthum Coburg wurdennoch 1858 keine Realien auf dem Lande, sondern nur in den Stadtschulen erwasGeographie nebst Geschichte und Naturkunde gelehrt.
So schwankte der geographische wie der realiststche Unterricht in der deutschen Volks-schule überhaupt noch während der ganzen ersten Hälfte unseres Jahrhunderts zwischenSein und Nichtsein auf und ab. Ein pädagogischer Stimmführer der Aufklärungs- undGemeinnützlichkeitsschule in der Zeit der Brandbüchlein und FeuerkatechiSmen, Dinter(welcher selbst einen solchen für die Volksschulen im Auftrag der sächsischen Regierungverfaßte), hat die Geographie zu den „Ncbenvolkskenntnisscn" gerechnet, welche zwari nicht als minder wichtig zurückgesetzt werden sollen, aber in Volksschulen nicht als
i Hauptsache, sondern immer nur in wenigen Stunden getrieben werden können. Was
dann der Lehrer an solchen NebcnvolkSkenntnissen vortrage, müße entweder religiösenund moralischen oder diätetischen oder ökonomischen Zweck haben, oder auf Vertilgungdes Aberglaubens, oder endlich auf Liebe und Gehorsam gegen vaterländische Gesetzeführen. Mithin müßen die wichtigsten Kenntnisse vom Weltgcbäude gelehrt werden,
! soweit sie zum Verständnis der gewöhnlichsten Veränderungen am Himmel, zum Ge-brauch des Calcnders und zur Verhütung des Aberglaubens nöthig sind; das Wich-, tigste von der Erde selbst aber, namentlich vaterländische Geographie mit dem besondernZwecke, dem Kinde sein Vaterland lieb zu machen; aus der allgemeinen Geographiein nieder» Schulen nur soviel als zum Verständnis der biblischen Geschichte nöthig' ist. Wo es möglich ist, noch mehr zu geben, muß überall weniger die politische Ein-teilung der Erde, als die natürliche Beschaffenheit der Erdoberfläche und dasMenschenleben auf ihr berücksichtigt werden.
Ein anderer Schulregent jener Zeit, der Seminardirector und ConsistorialrathZerrenner in Magdeburg, der Verfasser des „neuen deutschen Kinderfreundes"(17. Ausl. 1839) hat' in seinem „Methodenbuch für Volksschullchrer" (4. Ausl. 1829)die gemeinnützlichen Kenntnisse auch die gemeinnöthigen genannt, weil ohne sie gewißeZwecke, welche alle im Volke haben sollen, r. B. der, sich immer weiter auözubilden,, andern in seinem Stande so nützlich als möglich zu werden rc., nicht erreicht werden
1 können. Zu diesen Kenntnissen rechnet Zerrenner 1) die wichtigsten Kenntnisse vom Welt-
r gebäude, insoweit sie theils zu Erweckung religiöser Gedanken und Empfindungen,
k theils zu Verhütung des Aberglaubens nöthig sind; 2) die wicktigsten Kenntnisse von
L der Erde und zwar sowohl von ihrer natürlichen Beschaffenheit, als von den Ein-