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Geographie in der Volksschule.
vorläufigen Erkenntnis von Dingen, die zur Glückseligkeit der menschlichen Gesellschaftgehören" — nämlich Land- und Stadtwirthschaft, Künste, Gewerbe und Handel hatder dritte Lehrer auch zu lehren „eine Landkarte zu verstehen und zu brauchen, folg-lich eine Anleitung zur Geographie zu geben nach hiezu gefertigten Tabellen (dieFelbiger'sche Tabellirungsmethode!) und zu lehren, alle verlangte Oertcr mittelst derLexicorum in Karten zu suchen."
Wenn ein Mann wie der Abt Felbiger in seinen katholischen Landschulen nochgar nichts von Geographie, in den Stadtschulen aber nur so Dürftiges treiben lassenkonnte, so ist es kein Wunder, daß der Plan einer neuen Schuleinrichtnng in Bayernvom Jahre 1770, also zu einer Zeit, in welcher das Landvolk auch in protestantischenGegenden den Rechenunterricht in der Schule nicht leiden und selbst ein Schulmeisterdie Mädchen das Schönschreiben nickt lehren lassen wollte, weil cs ihnen nur zurLiederlichkeit verhelfe, als Lehrgegenstände auch den oberen Elasten nur „deutsche -Sprachlehre, Anfangsgründe zur deutschen Briefkunst und Rechenkunst" angiebt. Auchdas General-Nescript für Baden von 1767 hat zwar Feldmeßkunst in die Reihender ordentlichen Lehrgegenstände aller Landschulen (wie schon Herzog Ernst), abernichts von Land- und Erdbeschreibung ausgenommen. In dem „Lehrbüchlein für dieLandschulen des Reichsstiftes Neresheim", dessen Abt sich nach der Weise Fclbigersdurch Förderung des Schulwesens sehr verdient gemacht hat, wird im Jahre 1783ausdrücklich gesagt, Lesen, Schreiben und Rechnen sei für die Landjugend genug, denn„man wird in einer gemeinschaftlicken öffentlichen Schule kaum weiter gehen können." s
Dennoch verlangt die Würzburgische Schulordnung von 1774 Unterricht „in den An- j
sängen der Geographie" und ebenso wurde 1775 den Lehrern an den niedern Schulen > !
im Fürstenihum Fulda eine allgenieine Instruction gegeben, wornach die drei Ab- (i
theilungen der obersten Elaste auch „in Betrachtung der Erdkugel" sollten unterrichtet ?;
werden. Und noch genauer wurde in der allgemeinen Fulda'schen Schulordnung von !
1781 bestimmt, daß in den Landschulen beiden Geschlechtern „Anleitung zur Land-wirthschaft, Erdbeschreibung und Vaterlandsgeschichte" gegeben werde. Sehr vorsichtig s sgeht die „Erneuerte Schulordnung" 1773 für Kursachscn vor, wenn sie ver-langt, daß zwar den größten Schulkindern das Leichteste, Nöthigste und Nützlichste .aus der Erdbeschreibung, auch aus der geist- und weltlichen Geschichte, besonders deS sVaterlandes und andere im gemeinen Leben nützliche Dinge auf eine erzählende, an- ^genehme Weise und so weit es den Umständen nach möglich ist, bekannt zu machen ssei, dabei aber ermahnt, daß nichts gelehrt werde, was vermuthlich zeitlebens nichts snützen wird oder ganz unnöthig ist."
Was um jene Zeit im Fache der Geographie geleistet werden konnte, zeigt ein !1777 in zehnter Auflage erschienener „Kurzer Inbegriff aller Wissenschaften zum iGebrauch der Kinder von 6—12 Jahren von Dewitz in Berlin", worin der achte 1Abschnitt handelt „Von der Kosmographie." Das ist die mathematische und physi-kalische Geographie auf 12 Seiten in Frag und Antwort. Der neunte und zehnte :
Abschnitt handelt von der Geographie oder Beschreibung der Erde: Eintheiluug der (Erde in Festland und Wasser, erstens in die vier Theile Europa, Asien, Afrika und sAmerika. Mit letzterem wird begonnen: Der Name, Entdecker, Größe, Gold- undSilberminen. Dann wird Afrika als der reichste und heißeste Erdtheil in zwei Fragenabgethan. Europa „der volkreichste und kleinste Erdtheil." Die vier Himmelsgegen- l
den und Winde. Das Meer. Nun erst die geographischen Vorbegriffe; politische (
Einthcilung von Europa; das römische Reich; das türkische Kaiserthum; das russische; !die Königreiche von Europa; der Kirchenstaat; die 7 Republiken (Niederlande, >Schweiz, Venedig, Genua, Lucca, Ragusa und S. Marino), 9 Kurfürstenthümer,die Herzogthümer, die 10 Kreise, die Reichsstädte, die Haupt- und Residenzstädte.
So verdienstlich auch derartige Büchlein sein mochten, eine durchschlagende Wirkunghatte erst der Menschen- und volksfreundliche Herr von Rochow auf Rekahn bei ^Brandenburg, welcher seinen armen Unterthanen nach den Theurungsjahren von1771 und 1772 insbesondere auch durch bessere Schulen aufzuhelfen suchte, undzuerst 1772 eine „Uebersicht für Lehrer in niederen und Landschulen", dann 1776seinen berühmten „Kinderfreund" herausgab, ein Lesebuch für die Schüler „zumGebrauch in Landschulen." Darin sind auch „die allgemeinsten Gründe der Erdbe-