Geistliche als Seelsorger in Bezug auf die Erziehung.
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es liegt in ihrer Gewalt, die ganze Familie mit bloßem Schreien zu tyramüsiren, bisetwa einmal der natürliche Mensch in unverständiger Härte aus das Opfer schlechterZucht losfährt. Wachsen die Kinder heran, so offenbart sich in der Kinderzucht derCharakter des LebenS der Eltern, das zwischen Arbeit und Vergnügen gctheilt ist.Thun die Kinder den Eltern die Arbeit zur rechten Zeit, so mögen sie außer der Zeitthun, was sie wollen. Während darum in wohlstehendcn Haushaltungen oft denKleinen schon eine übermäßige Arbeitslast auferlegt wird, herrscht bei den Kindern derheruntergekommenen Familien frühe Bummelei und Bettelei. In Einem aber gleichensich alle, daß sie den Kindern nicht leicht ein Vergnügen versagen können. Wie ofthört man, wenn man sein Erstaunen ausdrückt, daß die Eltern nickt wissen, wo ihreKinder sind, nicht Kraft haben, sie von der bösen Gesellschaft zurückzuhalten, die Redeverwerflicher Resignation: „was kann man machen?" oder: „ich kann sie nicht an-binden," und wie manchmal bemerkt man hinter diesen Reden die Freude der Elternselbst au den Ausschweifungen der Kinder, die ja zugleich die „Gelegenheiten" bietenzur Heirat! Rechnet man dazu den Stumpfsinn, mit welchem sich die Eltern übermanche göttlichen Gebote hinaussetzen, wie sich z. B. in vielen Gegenden auch dieAlten nicht das geringste Gewissen daraus machen, die Obstbäumc zu schütteln, aufwessen Grundstück sie auch stehen mögen, ferner den bis ins Unglaubliche gehendenMangel an jener Ehrerbietung gegen die Jugend, welcher sich die Erwachsenen in denGesprächen vor ihren Ohren befleißigen sollen, denkt man gar an die verderblichenEinflüsse, welche von den manchmal aller Scham widerstreitenden Wohnungsverhält-nissen der armen Leute auf die Kinder nusgehen müßen, so sieht man, zu wie mannig-faltigen Ermahnungen der Geistliche in der Predigt, bei Hausbesuchen und unter vierAugen im Pfarrhaus Veranlassung hat, und wie nöthig es erscheint, auch für strengeHandhabung der Polizei im Dorf, Feld und Wald sein Wort geltend zu machen.
Aber der Hirte, dem die Lämmer befohlen sind, braucht auf die selten genug er-gehende Aufforderung der Eltern, die Kinder erziehen zu helfen, nicht zu warten. Erhat Recht und Pflicht, sich unmittelbar an die Kinder selbst zu wenden. Wie dieErziehung überhaupt mit der Auferziehung beginnt, so muß auch der Seelsorger fürdie Neugebornen schon ein wachendes Auge haben. Er soll sich darüber vergewissern,ob nicht hier ein Säugling mit unverdaulicher Speise und absichtlicher Unreinlichkeithingemordet wird, ob nicht dort ein Zwei- und Dreijähriges, bei dem das Mordennicht gelungen, den lieben langen Tag immer nur sitzt und liegt und nicht gehen undstehen lernt. Das möglichst rasche Hinsterben unehelicher Kinder scheint der herr-schenden rohen Weltanschauung der Leute im ganzen so wünschenSwerth, daß derGeistliche nicht sorgsam genug sein kann. Auch über blinde, taubstumme, blödsinnigeKinder muß sich seine Fürsorge alsbald erstrecken, daß früh genug geschieht, was zuihrer heilenden Erziehung nöthig ist. Tägliche Aufsicht und Handreichung, Anrufender weltlichen Beamten, Aufsuchen der Mittel und Wege, welche die freiwillige Liebebeut, das liegt ihm ob, damit nicht im zartesten Kindesalter schon die Seelen ver-derben. — Tritt dann der Geistliche in die Schule, so ist auch da, wo der Lehrerselbst eine seelsorgerliche Persönlichkeit ist, die Seelsorge des Geistlichen deshalb dochnicht entbehrlich. Wo z. B. die sittliche Verwahrlosung so groß ist, daß die gewöhn-lichen Mittel nicht ausreichen, da wird auch der Geistliche ein Besonderes zu thunhahen, zunächst mit Mahnen, Strafen, Beten, und wenn auch diese Hülfe nicht genügt,wird gewöhnlich auf ihm die Sorge liegen bleiben, die Thüre eines Rettungs-hauses zu suchen und obendrein die Untcrhaltungsmittel zu beschaffen. Es kommtauch vor, daß die Verwahrlosung, infolge der Verarmung, weiter um sich ge-griffen hat, daß ein Dutzend oder mehr Kinder, statt in die Schule zu gehen,bettelnd die Gegend durchstreifen. Da ist es die Aufgabe, den Hungernden durchEröffnung einer Industrie oder einer Quelle der Unterstützung ein Stück Brotzu schaffen, dann aber unnachsichtlick über dem Schulbesuch zu halten. — Daß derGeistliche sodann während des Confirmandenunterrichts seinen seelsorgerlichen Eiferzu verdoppeln habe, versteht sich von selbst. — Auch nach der Konfirmation hörtseine seelsorgerliche Bemühung um die Jugend nicht auf, ja sie bedarf gerade jetzteiner besonderen Kraft. Welcher Geistliche, dem die Katechumenen wahrhaft amHerzen liegen, hätte nicht schon Ursache gehabt, ein Jahr nach der Confirmation aus-