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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Gehorsam.

Lebenszeit der anderen anfopferc?" ist darum einfach geltend zu machen: der Gehorsamhat für jede Lebenszeit den unmittelbaren Gewinn, daß durch ihn Sünde und Böses,also Verderben, bekämpft wird und er trägt die obzwar langsam aber doch von An-fang an reifende Frucht der Einordnung in das Vernünftige und Rechte. Somit istinnere Befreiung, geistige Erleuchtung, Kräftigung des Willens und zugleich eine vor-ausnebmcnde Bethciligung an dem Leben des sittlichen Gemeinwesens immer mit demGehorsam verbunden. Was das folgsame Kind zu opfern hat, ist in der That nichtsanderes, als was auch jeder Erwachsene fort und fort um sein selbst willen und jederMensch auf Erden um deS ewigen Lebens willen opfern muß, nämlich mit EinemWort: sich selbst, und trifft hier das Wort Christi zu:wer sein Leben findet, d. h.wer es nicht opfern will, der wirds verlieren, und wer sein Leben verleuret um meinet-willen, der wirds finden" (Matth. 10, 39).

So hat sich uns denn die Pflicht der Unterordnung des Eigenwillens ans derBetrachtung der Natur des Willens, der geistigen und sittlichen Entwicklungsgesetze,der Bedingungen, unter welchen die menschliche Gesellschaft sich bildet, erwiesen, ja cshat sich der Gehorsam, welcher oberflächlich angesehen als ein Leiden erscheinen kann, alsein Werk und Beförderungsmittel der Freiheit und als eine Wohlthat ergeben. Letzteresstellt sich mit großen Buchstaben und auch dem blödesten Auge leserlich dar in derGesckichtc solcher Nationen, welche den freien Gehorsam gegen Gesetz und recht-mäßige Obrigkeit zu leisten unwillig, gleichwohl wieder in dem Bedürfnis deS Gehor-sams das Joch des Despotismus geduldig sich auf den Nacken legen lassen. Llnnäusvultrg§i; und sie wird regiert, wo nicht durch Recht, da durch Gewalt, wo nichtvon der Vernunft, da vom Unsinn und von der Thorhcit. Beispiele aus kleinem Lcbens-kreis kann jeder selbst finden.

Uebergehcnd nunmehr zu dem zweiten Hanptpunct, der Pflege des Gehorsams,beginnen wir mit der Namhaftmachung dessen, was hicfür im frühesten Aller desKindes geschehen kann. Dem Säugling gegenüber hat die Erziehung bloß negativdarauf bedacht zu sein, daß nickt der sinnliche Wille beunruhigt und gereizt werde.Fernhaltung dessen, was ihm Schmerz und Aufregung bereitet, mittelst naturgemäßerEinhüllung , Reinlichkeit, namentlich aber Pünctlichkeit in der Ernährung ist nöthig,letztere zugleich schon auch als Angewöhnung an Regel und Ordnung; denn regel-mäßige Essens- und Schlafenszeit ist unmittelbar für die leibliche, mittelbar für diegemüthliche Entwicklung des Kindes nothwcndig, und darum rächt sich an der Mutterim späteren Leben, wenn sie entweder aus nachgiebiger Schwäche gegen ihr Kind oderaus Vergnügungssucht und um ihre Gesellschaften nicht zu versäumen, die Zeiten der Er-nährung verrückt, das Kleine zu früh ins Bett zwingt oder zu lange in der Aufregungunter den Erwachsenen behält. Die schwierigsten Zeiten sind die der Kinderkrank-heiten, des Zahnens u. dgl., da das Kind infolge der uothwcndigen Rücksicht ans daskörperliche Befinden, oder infolge des Mitleids und der Thcilnahme der Angehörigenund der Freunde, sich bald als Mittelpunct seiner Umgebung fühlen lernt, und einherrisches Wesen nur zu gerne als üble Nachkrankhcit sich cinzustellcn pflegt. KrankeKinder sind daher möglichst in der Stille und Ruhe zu erhalten, man hat Aufregungdurch Freude oder durch eine größere Zahl von Gespielen während der NeconvaleScenzzu vermeiden, cs muß aber auch während der Hitze der Krankheit so gewiß als unterallen Umständen das dem Körper, so auch das dem Gcmüth positiv Schädliche fernegehalten werden, wenn gleich die Durchführung den Eltern oft. noch viel schwerer wirdals dem Kinde. Nicht leicht werden die Kinder während der frühesten Periodedurch absichtliche Mishandlung gereizt, viel häufiger geschieht es, daß eine unver-ständige Zärtlichkeit sie zu anspruchsvollen und ungenügsamen Hausgötzcn heranzieht.Das alles rächt sich bald und die Erziehung bekommt ihre liebe Noth, hernach dieHindernisse des Gehorsams aus dem Weg zu räumen, welche sie selbst geschaffen hatte.Als ein Gast im Haus wird das Kind während seiner ersten Lebenszeit angesehenund geehrt, aber einmal muß die Zeit kommen, da ihm das Gasthütleiu abgezogenwird; das geht um so schwerer, einen je eigensinnigeren Kopf man ihm darunter hatwachsen lassen.

Ordnung und Zucht muß das Kleine fühlen, che cs derselben bewußt wird/da-mit es mit einer guten Angewöhnung in die Zeit des erwachenden Bewußtseins über-