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1 (1877) A - Liebe
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Gehorsam.

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Unterordnung des Willens ist Ucbung des Willens mittelst Leitung und Beugung.Der Gehorsame thut was geheißen, unterläßt was verboten wird; in beiden Fällenwird der Wille geübt. Scheinbar fremder Gewalt sich hingebend bekommt aber derGehorchende in der That den Willen in die eigene Gewalt;das Kind fängt an frei zuwerden, wenn es den Eltern und Lehrern gehorcht," ist ein durchaus wahres ParadoxonRoths. Indem um den Willen des Kindes Schranken gezogen werden, dienen dieseihm als Schutzwehr gegen den Reiz der sinnlichen Gegenstände von außen und gegen diesinnlichen Triebe von innen, und je mehr es diese Schranken achtet, desto unabhängigerwird von der Macht des Sinnlichen. Dem angeborenen Bösen, der Sünde, die auchdes Kindes Verderben ist, tritt die gebietende und verbietende Zucht entgegen, Gehorsamverlangend und im Gehorsam übend, und indem der Zögling diesen leistet, wird er in derThat freier, denn er bekämpft dabei die sündhaften Triebe, schwächt ihre Naturgewalt unddurch das Zurückdräugen des sinnlichen, egoistischen Willens wird dem vernünftigen,sittlichen Willen Bahn gemacht. Weit entfernt daher, daß die den Gehorsam heischendeZucht (wie die falsche Humanität eines Rousseau predigte) etwas inhumanes, sreiheit-gefährdendeS wäre, dient sie vielmehr dazu, das Thierische im Menschen zu besiegen,die Herrschaft des Fleisches über den Geist zu brechen, und also den Menschen in derThat human, d. h. menschlich und frei zu machen. Werth und Pflicht des Gehorsamswird demnach verständlich durch die Anthropologie der hl. Schrift, durch die klareEinsicht in den Mangel und die Verderbtheit des natürlichen Menschen. Die Zuchterscheint hier im Licht eines Arzneimittels, der Gehorsam als Heilcur.

Indessen auch abgesehen hievon haben wir in dem Gehorsam eine nothwcndigeBedingung für gesunde Entwicklung deö werdenden Menschen zu erkennen. Ist dochder, welcher auch als Kind ohne Sünde war, seinen Eltern unterthan gewesen undhat somit die Worte Gehorsam und Pflicht gekannt und anerkannt. Und sind nichtüberhaupt die edleren Naturen in der Regel auch die lenksameren, wovon doch dasGegentheil stattsindcn müßte, wenn Gehorchen etwas der gesunden Natur widerstreitendeswäre. Mit Recht hebt Roth hervor, welchen unmittelbaren Segen der Gehorsamdem Lernen bringe, indem er die Aufmerksamkeit schärfe und also dem Denkvermögenebenso wohlthätig werde, wie er den Willen adelt und läutert; und wenn auch oftungebundener Knabensinn mit schnellem Kopf, leichter Auffassung, witzigenEinfällen sich verbunden zeigt, während an Gehorsam gewöhnte Schüler langsamerdenken, so ist es gerade ein Verdienst der Zucht, daß sie gemessener, gehaltener macht,die Acußeruugen des Geistes einschränkt nnd zurückdämmt; denn eben damit sorgt siefür Spannung und Vertiefung des Denkens, also für Mehrung der geistigen Kraft,während der ungebundene die Kraft vertändelt und sozusagen sein Pulver in Lnst-feuerwerk verknallen läßt.

Noch unmittelbarer als auf die intellektuelle Bildung wirkt aber der Gehorsamauf die gemüthliche, überhaupt auf die Erziehung für das praktische Leben. Denn in-dem der Zögling gehorcht, folgt er, der Unerfahrene, den Erfahrenen, der Unerleuchtcteden Verständigen und Weiseren, als der Einzelne den Ordnungen des Gemeinwesens,dessen Glied er ist, und indem er folgt, eignet er sich, noch ehe er in die volle Ein-sicht hineingewachsen, den Segen davon an und Hilst schon wiederum als Mitwirkenderihn fortpslanzen. In der That heißt Gehorchen im Staat Mitregiercn, weil es dem,Gesetz und Reckt im Staat mit zur Herrschaft verhilft; nicht minder in der Familiein allen Erziehungskrcisen muß mau den befehlenden und den gehorchenden Willenals organische Aeußerungen eines an und für sich selbst einigen Willens ansehen.Hierin liegt der innerlichste ErklärungSgrund des Erfahrungssatzcs, daß wer nicktfolgen gelernt bat, auch nicht befehlen kann, und daß der Weg zu einem festen Regimentdurch Gehorsam gehe; denn dieser ists, durch welchen der Eiuzelwille mit dem Gemein-willen eins wird und also in demselben seine Heimat und sofort Recht und Kraft zurGeltendmachung dieses Willens findet. Daher die unsichere Herrschaft eines aus Re-volution hervorgegangeuen Regiments; daher auch die Unsicherheit im Hausregimcntbei Vätern, die ein zuchtloses ^ugendlcben hinter sich haben und bei denen Schlaffheitmit zorniger Strenge wechselt, oder oftmals Pedanterie die Stelle vernünftiger Ordnungvertreten muß.

Gegen den Einwurf:wie es die Erziehung verantworten könne, daß sie eine