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1 (1877) A - Liebe
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Gcfühlsbildung.

Gehorsam.

wird sich gegen den Neid wenig ansrichten lassen; er wird aber von ielbst schwinden, so-bald es gelingt, in dem Zögling ein ernstes Streben nach Erfüllung seiner eigenen Aus-gabe und damit das richtige Selbstgefühl (vgl. d. Art.) zu erwecken. Er verlerntdann, mit neidischem Seitenblicke aus andere hinzusehen, und lernt vielmehr darüberSchmerz empfinden, daß er seiner eignen Bestimmung nicht genügt, und darüber Freude,daß er dieser sich annähert. In der Beurtheilung, ob das eine oder das andere der Fallsei, muß zumal der Unmündige durch das Urtheil derjenigen unterstützt werden, inwelchen er die Vertreter des von ihm zu erfüllenden höheren Gesetzes erkennt. Darin,daß er deren Billigung oder Misbilligung angenehm oder unangenehm empfindet, zeigtsich das Ehrgefühl (s. d. Art. Ehrgefühl). Bor der Ausartung in eifersüchtigenEhrgeiz bleibt das Ehrgefühl bewahrt, wenn der Zögling seine höchste Aufgabe darinfinden lernt, so zu handeln, daß er Gott gefalle. Dies führt uns zu der dritten undwesentlichsten Beziehung des Gefühls, zu seiner Beziehung auf Gott. Das Gefühldes Zöglings für die Stimme Gottes in dem eignen Herzen, die wahre Gottes-furcht ist in ihm wach zu erhalten durch herzliche und ernste Vermahnung zumHerrn, die einerseits die günstige Stimmung zu finden weiß, in welcher der Zöglingnicht durch die Mannigfaltigkeit anderer Eindrücke zerstreut ist, andererseits nickt mitverständiger Reflexion sich so sehr umhüllt, daß die Kraft des unmittelbaren Eindruckesauf das Gefühl dadurch abgcschwacht wird.

4) Als Mittel der Gefühlsbildung sind in dem Bisherigen schon dieallseitige Erweckung der geistigen Thätigkeit, ihre Hinlcitung aus das Ewige undGöttliche, die richtig geleitete Betrachtung der Natur, wie des Lebens und der Ge-schichte der Menschheit besprochen worden. Es wäre nun weiter aus einen Unterrichts-gegenstand aufmerksam zu machen, welcher als Mittel der Gcfühlsbildung ganzbesonders hervorgehoben zu werden verdient, nämlich die schöne Kunst. Indes ent-halten das Erforderliche über Werth, Stoff und Behandlung dieses Faches die Art.Aesthetische Bildung, Kunst, Poesie, w. n. m. Zur Entwicklung des Gefühls für diesittliche Größe und Schöne kann ganz besonders der Geschichtsunterricht wirken.Zum Schluffe mußen wir auf die Gcfühlsbildung unseren alten Satz anwenden, daßdas beste und sicherste Erziehungsmittel in der Persönlichkeit des Erziehersliegt.Nichts erzieht besser als die Gegenwart eines trefflichen Menschen, er brauchtnicht zu dociren und zu predigen; sein stilles Dasein ist eine Sonne, welche wärmtund leuchtet" (I. I. Wagner).

Gehnltsuiiniulnm, (.Besoldung.

Gehorsam ist die zur Fertigkeit gewordene Unterordnung des eigenen untereinen berechtigten andern Willen. Diese Unterordnung des Eigenwillens hat denNamen von der ersten ihrer Functionen dem anfmerksamen Hören auf das Ge-bot; aber der Sinn des Wortes begreift sämmtlicke Functionen in sich, und gehorsamwird derjenige genannt, der wie mit dem Ohr so im Gemüth und mit dem Willenaufhorcht und folgt.

Die Erziehungswissenschaft hat es zunächst mit dem Gehorsam zu thun, welchender Zögling dem Erzieher leisten und zu welchem jener von diesem angehalten undgeleitet werden soll, und so haben wir denn hier hauptsächlich die zwei Puncte insAuge zu fassen Pflicht und Pflege des Gehorsams.

Was erstlich die Pflicht betrifft, so rechtfertigt sich dieselbe aus sittlichen undpsychologischen Gründen. Der Gehorsam des Zöglings ist thatsächlicher Dank fürdie Wohlthaten, welche ihm durch die Hand des Erziehers zutheil werden; im Ge-horsam reiht er sich ein in die göttlichen und menschlichen Ordnungen, welche dasGedeihen seines inneren und äußeren Lebens bedingen; denn wem das Gebot derEltern und Lehrer nichts galt, dem gelten später auch die Gesetze des Staates nichts;der Gehorsam ist ferner eine Angewöhnung und Fertigkeit, darum will er von kleinauf geübt sein.Tu sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" dies Gebotenthält die einfachste Pflicht und seine Befolgung den reichsten Segen.

Sehen wir näher zu, was Gehorsam ist und thut, wie er entsteht und wächst.Auch vom moralischen und psychologischen Standpunkt aus wird er sich als eine Wohl-that, ja als ein Bedürfnis für den, der ihn leistet, sowie als eine Nothwcndigkeitfür die Gesellschaft erwecken.