Ecfiihlsbildung.
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droht. Hier muß das überreizte Gefühl durch Beschränkung der Reizuugcu auf magereKost gesetzt werden, damit cS gesunde.
2) In Bezug auf das qualitative Verhalten des Gefühls, auf seine innere Be-stimmtheit, ist die Aufgabe der Gefühlsbildung: daß das große Gefühl derheiligen Liebe die Grundstimmung des gcsammtcn Gefühlslebens werdeund hleibe. Das Kind hat von Natur keine Neigung, als die nack sinnlichemWohlbefinden, und nur dasjenige ist ihm angenehm, wodurch dieses befördert wird.Das erste lebendige Bewußtsein des höheren Lebens kann nicht durch Belehrung indas Kind gebracht werden, sondern eben nur auf dem Wege des unmittelbaren Gefühls.Die Eltern sind berufen, ihm Vertreter und Vermittler der göttlichen Liebe zu werden,und insbesondere die Liebe der Mutter ist die heilige Macht, wodurch auch in denKinderherzcn die Liebe erweckt wird, welche nicht das Ihre sucht. Gerade in Bezugauf Gefühlsbildung kann das, was in der Kindheit versäumt worden ist, später auchdurch die besten pädagogischen Maßregeln schwerlich ersetzt werden. Auf der Grund-lage einer frommen Kindheit aber, in welcher er in großentheils unbewußtem Gehorsamgegen die Gesetze des höheren Lebens zu leben sich gewöhnt, reist der Zögling all-mählich zu dem Zcitpuncte heran, wo er mit voller llcbcrzeugung die Liebe GotteSin Christo ergreifen soll und damit die untrügliche Norm, um zu entscheiden, was erfür eine wahre LebcuSförderung zu halten hat und was nicht: der von ihr geleiteteMensch wird zwar sein Gefühl allem offen halten, was nicht wider den Herrn ist,ebenso gewiß aber auch es gegen alles verschließen, wodurch das Leben in Ihm ge-fährdet werden könnte. Die gefährlichsten Feinde dieses höheren und wahren Lebenssind auf Seiten der Willensthätigkeit die Selbstsucht, im Gebiete deö Gefühls dieEitelkeit (s. die betr. Art.).
3) Die verschiedenen Gegenstände, durch welche das Gefühl erregt wird,sind dieNatur, andere Menschen und die Selbstbezcugungcn Gottes im menschlichenGeiste. Die etwa vorhandene Gleichgültigkeit des Kindes gegen Natureindrücke wird vonselbst sich geben, sobald ihm nur Gelegenheit geboten wird, nicht bloß über die Natur zulernen und sie zu bearbeiten, sondern unbefangen in und mit der Natur zu leben;denn der kindliche Geist steht mit dem Natürlichen in einem innigen Zusammenhängeund hat für dasselbe ein cigenthümlich feines Verständnis, wie Bogumil Goltz ini2. Abschnitte seines „Buches der Kindheit" („Lebensarten mit der Natur") mit unüber-trefflicher Sinnigkcit und Schönheit dargestellt hat. lieber die Zerstörungölustund die Grausamkeit vgl. d. Art. Gefühllosigkeit. In der Beziehung zu andernMenschen muß das Grundgcfühl der heiligen Liebe als Menschenliebe sich offen-baren. Zunächst kommt cS darauf an, das natürliche sympathetische Gefühl zu ent-wickeln und zu einem sittlichen Mitgefühl (s. d. Art.) zu erheben. Die rücksichtslossich geltend machende Selbstthäligkeit offenbart sich namentlich in der Verachtungder Gebote der gesellschaftlichen Sitte und Wohlanständigkeit (vgl.d. Art. Entwicklungsperiode). Das Gefühl für die Rücksichten, welche er seiner Um-gebung schuldig ist, wird in dem Zögling am sichersten geweckt und ausgcbildct werden,wenn er nicht bloß hört, sondern auch fühlen lernt, daß der kein Recht hat, seinerseitsAnsprüche an die Gesellschaft zu machen, welcher ihren gerechten Ansprüchen sich nichtfügen will, und wenn zugleich die gute Sitte in den Erziehern selbst ebenso freundlicheals ernste Vertreter findet. Das häßliche Gcgcntheil deS richtigen Eindruckes, welchenWohl und Wehe anderer auf das Gefühl hervorbriugcu sollten, ist Neid und Schaden-freude (s. d. Art. Neid). Wirkliche Schadefrcude ist das Zeichen eines tief verderbtenGefühls und kommt bei Kindern seltner vor, als cs den Anschein haben mag; denndas unwillkürliche Lachen, welches durch kleine unerwartete Unfälle anderer erregtwird, ist keine Schadenfreude, cS hört auf und gehr in Mitleid über, sobald sich zeigt,daß der Belachte wirklich zu Schaden gekommen ist; und der Erzieher wird, statt einVerbrechen streng zu rügen, welches gar nicht vorhanden ist, von solchen Fällen bessereinen Anlaß nehmen, der allzu reizbaren Empfindlichkeit des Gegenstandes solcherHeiterkeit entgcgenzuwirken; auch sich mit Anstand auslachcn zu lassen, ist ein lobens-Werthcr Act der Selbstbeherrschung. Mehr als durch das Gebot des Mitleids wirdder natürlichen Selbstsucht durch die Forderung zngemuthet, des Glückes eines andernsich zu freuen, welches man selbst entbehren muß. Direct, durch Tadel und Strafe,