Gefühllosigkeit.
Gefühlsbildung.
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rechtigung; er ist wesentlich ein Ausfluß des Thätigkeitstricbes und wir haben deshalbüber sein Hervortreten nicht zu erschrecken, sondern ihn nur vor Ausschreitung zu be-hüten und in seinen Aeußernngen zu leiten. Wir wollen es dem Knaben noch nichtals Hang zur Grausamkeit anslegcn, wenn er etwa im Schlachthaus«: — Mädchenhalten sich von solchen Stätten ohnehin fern — mit Spannung der Bewältigung unddem Tode der Hausthierc zuschaut. Etwas anderes ist aber „jene grausame Lust ander lleberwältigung des Thieres, an seinem Schmerz und rühmlosen Untergang"(Palmer), von der nur ein Schritt ist zur vorsätzlichen überlegten Thierquälerei. Hatder junge Mensch erst im Unterdrücken und Zerstören des thierischcn Lebens dieRegungen des Mitleids überwinden gelernt, so wird er herangewachscn auch zurMenschenquälerei fortschreiten und mit kaltem Blut Menschen hinzuopfcrn im Standesein. Vgl. „über die Hauptgebrechen der Erziehung" von Hofrath vr. Perner(München 1858). Es giebt, wie der menschcn- und thierfreundliche Lord Erskinesagt, keine wahrhaft gute Erziehung und kein wahrhaft gutes Herz ohne Mitleid mitden Thieren. Darum sollten aber auch alle Wohlmeinenden, gleichviel ob mit oderohne Beitrittserklärung, thätigc Mitglieder eines Thierschutzvereins sein; nicht bloßLehrer und Geistliche, sondern auch angesehene Amts- oder Privatpersonen sollten mitallen Mitteln dahin wirken, daß es in der Gemeinde zum Ehrenpunct würde, Thier-quälerei entweder zu verhindern oder zur Anzeige zu bringen. Wenn aber deutsche Päda-gogen selbst das Spielen der Kinder mit Thieren bedenklich finden (vgl. vr. Schreber,Kallipädie, S. 116), weil es leicht zu Tierquälereien verleiten könne, so gehen siehiemit ohne Zweifel zu weit. In der thätigen Sorgfalt für ein lebendes Wesen wirddas Gcmüth sicher auch zum Mitgefühl für dasselbe gestimmt; und schwerlich wirdein Kind, das seine Thiere mit Achtsamkeit und Sorgfalt zu behandeln gewöhnt wordenist, grausam gegen die Thiere anderer sein. Während aber die Zucht zunächst nur negativhindernd und beschränkend, verbietend und strafend wirken kann, muß ihr stets die posi-tive Einwirkung der Erziehung voran und zur Seite stehen. Von größter Bedeutung istauch hier das Beispiel der Erwachsenen. Ferner der Unterricht. Liebe zu der Pflanzcn-und Thierwelt kann nur befestigt werden durch die Erkenntnis, daß auch die Pflanzenund Thiere Geschöpfe des allliebcnden Vaters sind, der für sie alle sorgt. Die bib-lische Geschichte schasst für diese Erkenntnis die einzig praktische Unterlage; sie findeihre concrete und anschauliche Erweiterung im naturkundlichen Unterricht, an dem auchdie Volksschuljugend ihren Antheil haben soll. Damit neben der Arbeit des zerglie-dernden Verstandes auch die Phantasie, die den Theil als Ganzes erfaßt, ihre Nahrungfinde, mögen lebensvolle Naturschilderungen in Poesie und Prosa den Unterricht er-gänzen; schon die kleinen Thierfabeln von Hey stimmen das Gemüth des Kindes zumNatursinn und zur Milde; Dichtungen wie die Hebel'schen Naturlicder, wie PaulGerhards Sommerlied, oder zumal wie die Lobgesänge der Psalmen werden ihrenEindruck auf junge und alte Gemüther nicht leicht verfehlen.
Gefühismldung. Gefühl ist das unter der Form des Angenehmen oderUnangenehmen zu Stande kommende unmittelbare Jnnewerden unseres durch Ein-drücke der Außenwelt oder der eignen Vorstellungen bedingten Zustandes. Schonaus dieser Definition geht hervor, daß unter Gefühl etwas anderes zu verstehenist, als unter Gemüth (vgl. d. Art.). Während nämlich Gefühl nur eine be-sondere Seite der geistigen Thätigkeit bezeichnet, ist Gemüth die Gesammtheit derEmpfindungen und Stimmungen der Seele (Weigand, Wörterbuch der deut-schen Synonymen, N. 1711), eS umfaßt die Totalität der individuellen Persön-lichkeit, und wenn wir einen gemüth voll nennen, so setzt dies freilich voraus,daß er auch gefühlvoll ist, daß er eine lebendige Empfänglichkeit besitzt fürdie Eindrücke der sinnlichen und übersinnlichen Welt; aber diese Erregtheit des Ge-fühls allein ist noch nicht das, was wir Gemüth nennen, vielmehr gehört zu diesemnoch, daß die Eindrücke des Gefühls im Innersten „der individuellen Persönlichkeit"durch sittliche Kraft gesammelt und für diese Gegenstand und Anlaß zur Thätigkeitwerden: man könnte das von der Gefühlsbildung zu erreichende Ziel einfach darinfinden, daß die von dem Gefühle aufzunehmenden mannigfaltigen Eindrücke zum leben-digen Eigenthum eines in Gott gegründeten Gemüthes gemacht werden. Auf derandern Seite ist Gefühl auch nicht mit Empfindung gleichbedeutend. Empfin-