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Gebrechliche.
Gedächtnis.
buckelig. — Die namentlich bei Mädchen so häufige Skoliose, die Verkrümmung nachseitwärts, gehört nicht hieHer, sie kommt auch bei den beschränktesten Geistesanlage»vor. Gleicherweise giebt die große Menge weiterer Gebrechen, wie die Mißbildung?»des Fußgelenks, der Klumpfuß u. s. f., Lähmungen, Verkümmerungs-, Hemmungs-bildungen der verschiedensten Art keine besondern Momente an die Hand, und si?fallen schließlich unter denselben GesichtSpunct wie etwa chronische Krankheiten.
Für alle Fälle wird nun aber Eines zu sagen sein: daß wenn irgendwo, so hier,in der Behandlung gebrechlicher Kinder, die Liebe die Leiterin sein muß. Zunächstim Hause, in der Familie thut allerdings die Mutterliebe den Gebrechlichen mehrnoch als gewöhnlichen Kindern noth; nur ist leider dieselbe auch oft geneigt, mancheszu verderben, ihr unglückliches Kind zu verwöhnen und zu verhätscheln. Es ergiebtsich schon hier von vorn herein die Regel, daß man dem gebrechlichen Kinde gegenüberso viel als möglich so verfahren soll, wie wenn es nicht gebrechlich wäre, daß mandie unersetzlichen Hemmungen seines Lebens nicht zu vergüten suchen soll durch eitlesAußcnwerk. Die Geschwisterliebe, ohnehin eine zart zu pflegende Pflanze, kann sonstgroße Gefahr laufen. Die geistige Entwicklung solcher Kleinen bedarf besonderer Auf-merksamkeit; sie ist häufiger vorsichtig zu zügeln, als anzuspornen, namentlich soll mannicht ihren Witz bewundern und. ihre Eitelkeit nähren, dafür aber ihre Reizbarkeit,mit sanftem Ernste behandeln.
Die Conflicte, in welche der Gebrechliche in der Familie kommt, sind übrigensnicht zu vergleichen mit denen, welche ihn außer dem Hause, zunächst schon beimEintritt in die Schule erwarten. Außerhalb des Familienkreises fühlen zumal diegeistig begabteren Gebrechlichen schon früh ihre unglückliche Stellung. Die Verletzungder Eigenliebe durch Neckereien und verächtlichen Spott läßt sich ertragen, wohl auchmit geistiger Waffe pariren; aber daß sie in hundert Hoffnungen und Freuden sichhintangesetzt sehen, wo der durch Kopf und Herz gleich Berechtigte vergeblich es andernselbst minder Begabten gleich zu thun sucht, das ist ein Grund, warum nur zu oftihr Gemüth eine krankhafte Reizbarkeit annimmt, welche bei gemeineren und gemeinbehandelten Naturen zu giftigem Neid und zu arglistiger Tücke führt, aber auch beiedlern, rücksichtslos Behandelten wohl Stimmungen nicht minder peinlicher undschlimmer Art zu erzeugen geeignet ist.
Doch bleiben wir vorerst bei der Schule. Obgleich gute Kinder sich eines Hülf-losen, Gebrechlichen liebreich annehmen, so hat derselbe, namentlich wenn er provocirendauftritt, doch auch herbe Reden, Hohn und noch derbere Beweise von Abneigung znerwarten. Das wird um so weniger ansbleiben, wenn der Lehrer in auffallenderWeise um seines Gebrechens willen sich seiner annimmt. Am besten wird deshalbauch der Lehrer den Gebrechlichen gerade wie die andern behandeln; der rechte Lehrerwird dabei alles, was er thut, — und er hat wohl manches zu thun mit besondererRücksicht — im Geiste herzlichen Wohlwollens thun.
Geradezu empörend auch für das Gefühl tüchtiger Mitschüler ist es, wenn einLehrer directe Anspielungen auf ein bestimmtes Gebrechen macht und selbst neckt. Esist zum wenigsten ein Zeichen von Mangel an echter Bildung, wenn man einenSckwächeren verletzt, indem man ihn an einen wirklichen oder scheinbaren Makel er-innert, der ihm ohne sein Verschulden anhaftet.
Mit einem Worte, es gilt auch hier, daß die Liebe das Element sein muß, inwelchem die Behandlung der Gebrechlichen besteht; die Liebe, welche nicht Muthwillentreibt. Gegen solche Liebe sind auch gebrechliche Kinder in den weitaus meisten Fällengar sehr empfänglich. Daß aber in unserem Falle die gründlichste Hülfe und derbeste Trost für das in der sinnlichen Welt nun einmal Versagte eben aus der frommenHingebung an den Willen und an die Führung Gottes quillt, das fällt jedem in dieAugen, der sich nur nicht davon abwenden will.
Gedächtnis. Wenn man in der Pädagogik eine Zeit lang die hohe Bedeutungdes Gedächtnisses verkennen konnte, so darf man das wohl als eines der größten Mißver-ständnisse bezeichnen. Das Gedächtnis hat ja die Bestimmung, den gesammten geistigenStoff, den der Mensch im Verlauf der Zeit durch sein Erkennen und Handeln zuseinem geistigen Eigenthum gemacht hat, aufzubewahren und dadurch der Vergänglich-keit zu entreißen. Durch das Gedächtnis ist daher auch erst eine Entwicklung der