Gebrechliche.
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weil die äußerliche Tadellosigkeit ein Symbol der inneru Heiligkeit sein sollte. JeneSatzung hat die römisch-katholische Kircke festgehalten, obgleich im Neuen Testamentsl Tim. 3, 2 Tit. 1, 7) ganz andere Erfordernisse für den Bischof ausgestellt werden.Wenn wir andererseits bei heidnischen, selbst bei sehr rohen Völkern eine Art vonreligiöser Scheu wie vor den Wahnsinnigen so auch vor Gebrechlichen finden, so scheintdies andere Ursachen zu haben, die in dem unheimlichen Wesen liegen, welches Ge-brechliche häufig umgiebt. Im Durchschnitt ist auch bei den heutigen heidnischen undsogenannten Naturvölkern die Lieblosigkeit gegen Gebrechliche vorherrschend. Das Aus-setzen und Tödten krüppclhaster Kinder ist häufig genug. Theilweise geschieht es auseiner Art von Humanität, die schnell fertig dem Leben ein kurzes Ende macht, statteiner langen Noth: ja nach der Versicherung eines berühmten Geburtshelfers ist dasFactum, daß bei weitem die meisten Misgeburten nicht lange leben, nicht durchausbloß in natürlichen Verhältnissen begründet. Die christliche Humanität macht es sichnicht so leicht, sie erbarmt sich auch dieser Armen und erwägt liebevoll, wie sie er-zogen werden sollen.
Es ist bei der großen Verschiedenheit der Gebrechlichen schwierig, Allgemeingültigesüber die Behandlung festzustellen. Nicht einmal der Kanon, daß es körperlich schwäch-liche Kinder seien, ist allgemein wahr: es giebt unter ihnen solche, welche leiblich undgeistig ihre Kräfte ohne allen Schaden anstrcngen können. Die besondere Rücksichtauf den Krästezustand wird allerdings eine der ersten, und die Pflege der körperlichenEntwicklung und Kräftigung »tit besonderer «Sorgfalt zu ordnen sein. Erörtern wirbei dieser Gelegenheit in der Kürze die Typen für einige besondere Elasten von Ge-brechlichen, insofern hier Anhaltspunkte für die pädagogische Behandlung gegeben sind.Eine große Anzahl von Gebrechen bieten in ihrer äußern Erscheinung nur den Aus-gang eines tiefer liegenden, den Organismus besetzt haltenden constitutionellen Leidens.Zn erster Linie stehen hier die Skropheln, welche namentlich eine Menge von Ge-leukSkrankheiten bedingen. Man hat bei ihnen einen irritabeln und torpiden Charakterdes Leidens unterschieden. Der Habitus des letzteren ist der eigentliche bekannteSkrophelhabitus: dicker Kopf, große aufgeworfene Oberlippe, meistens auch dicke, wiegeschwollene Augenlider und Nase, dünne Extremitäten und großer Bauch. Es sindKinder, welche beständig essen wollen und zwar massige Nahrung, während sie geistigziemlich stumpf sich zeigen, dabei oft mürrisch und verdrießlich sind und gegen dieAußenwelt, gegen schmerzhaftes Angreifen besonders darum reagiren, weil sie dadurchin ihrer Ruhe gestört werden. Die irritable Form dagegen zeigt ein ganz anderesGepräge, hübsche Gesichtchen mit zarter Haut, öfters röthlichen Haaren, langen seiden-ähnlichen Wimpern, zarten Gliedern. Solche Kinder vcrrathen früh große Geistes-anlagen, sind im dritten Jahre schon witzig, dabei überaus empfindlich gegen äußereEindrücke und Ereignisse. Die Loose scheinen zwischen beiden Formen sehr ungleichvertheilt, zu Gunsten der letzteren, doch ändert sich mit der Zeit öfters das Verhältnis.Während Kinder mit dem torpiden Habitus sich manchmal gegen die Pubertät hinvortheilhaft entwickeln, verkrüppeln dagegen die feinen und geistreichen Gefickter undbekommen grillenhafte Züge; sexuelle Regungen erwachen früh und mit Heftig-keit; und in geistiger Beziehung entsprechen solche Kinder später den gehegten Er-wartungen nicht: sicherlich oft nur, weil sie eben verdorben worden sind. Einezweite Reihe von Gebrechen ist begründet in rachitischem Leiden, welches sichdurch die aufgetriebenen Apophysen der Röhrenknochen kennzeichnet, und durch eigen-thiunliche Gestchtszüge mit etwas vorstehendem Unterkiefer und zurücktretendem Joch-bogen. Auch dies sind in der Regel kluge Kinder, die gut aufmerken und gutlernen, aber eher schweigsam sind, als gesprächig. — Besonders hervorzuheben ist unterden Gebrechen diejenige Verkrümmung des Rückgrats, welche eine Ausbiegung nachhinten bildet, die Kyphose. Bei diesem Leiden zeigt sich die Intelligenz in derRegel früh schon geschärft, buckelige Kinder zeigen oft besondere Anlagen, zumal fürdas auf Beobachtung und Berechnung sich gründende Wissen, und bilden dieselben mitVorliebe aus. Das geistige Uebergewicht, welches sie oft früh schon über körperlichbegünstigte Altersgenossen erlangen, tröstet sie, macht sie witzig — man denke anLichtenberg — und reizt wohl auch zu jener Eitelkeit, welche gerne wie ein Zaubererhalb gefürchtet sein will: Hexenmeister und Zauberzwerge denkt sich das Volk gern