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Frühreife.
Furcht.
von Haller, die alle in ihrer Entwicklung ungewöhnlich früh waren, aber dabeiauch nachhaltige Kraft und Tiefe besaßen, nicht als frühreif bezeichnen. Ein Heinecke,Baratier, K. Witte und andere werden die charakteristischen Beispiele der Frühreifesein. Körperliche Frühreife bespricht Schwarz, Erziehungsl. 2. Ausl. III, S. 354 s,geistige ebendas. 349 ff.
Präcocität — unnatürlich frühe Geistesreife und Altklugheit bespricht als eineweitverbreitete Erscheinung und ein schlimmes Zeichen der Zeit Död erlein in denReden und Aufsätzen I, S. 150 ff. ^Die Kinder und Knaben wollen wie die Männersein, und was dem reiferen Alter an Rechten und Genüssen Vorbehalten bleiben muh,für sich in Anspruch nehmen, und leider werden sie von einem Theil der Erwachsenenhierin thörichterweise unterstützt. Auch die Schule hat ihren Antheil an der gemein-samen Schuld der Zeit. Der Gärtner wartet auf Blüte und Frucht und weiß, wiees um Treibhauspflanzen steht; aber unter den Erziehern sind viele, welche die natür-liche Entwicklung mit künstlichen Reizmitteln versrühen wollen, anstatt die Blüte,damit sie um so voller und schöner sich entfalte, möglichst lange in der Knospe zuhalten. Gegen dieses Nebel hilft nichts, als wenn wir uns entschließen, uns der ver-kehrten Mode, die sich Zeitgeist nennt, mit aller Entschiedenheit zu widersctzen, wennwir die Natur in ihrer gesetzmäßigen Entwicklung beobachten und von den Irrwegender Hypercultur zu ihr zurückkchren. (Vgl. die Art. Altklug, Blasirt.)
Furcht findet sich im jugendlichen Alter am häufigsten ein und oft unter be-denklichen Formen. Es ist bekannt, daß namentlich Gespensterfurcht bei Kindern oftdie schlimmsten Zufälle, Krankheit und Tod herbeigeführt hat. Wenn daher diePeriode der Aufklärung irgend etwas gutes gebracht hat, so gehört gewiß auch diesdazu, daß der Aberglaube aus den Kinderstuben verwiesen worden ist. Zu warnen istjedoch vor der systematischen Ernüchterung und der pedantischen Verfolgung jedesphantastischen Restes im kindlichen Gemüthe; ein solches Verfahren erzeugt leicht Alt-klughcit und Eitelkeit. Am schlimmsten wird es, wenn die Kinder bei jenem princi-piellen Verfahren gewöhnt werden, mit superklugem Selbstbewußtsein auf achtbareDienstboten oder andere ältere Leute herabzusehcn. Es genügt also, wo den Kindernirgend etwas unheimliches Furcht einflößt, sie, ohne ihren Muth zu sehr auf die Probezu setzen, auf die nächste Quelle der Erscheinung aufmerksam zu machen und durchBeispiel und Anleitung, wie sie der einzelne Fall darbietet, jene Gründlichkeit in derBetrachtung der Außenwelt anzubahnen, vor der sich das Spukhafte zurückzieht. —Ganz besonders muß auch davor gewarnt werden, aus Prahlerei oder zur heroischenUebuug Kraftstücke des Mnthcs mit den Kindern vorzuuchmen — sie ohne Roth, jaohne Zweck im Dunkeln allein auf den Dachboden oder in den Keller, wo nicht garüber den Kirchhof zu schicken.
Die Furcht vor der Dunkelheit ist eine der häufigsten Erscheinungen und findetsich auch unabhängig von dem Aberglauben, wenigstens insofern er UebernatürlicheSzum Gegenstände hat; denn in Wahrheit ist die Voraussetzung in allen Ecken lauernderBösewichter auch ein Aberglaube. Wo die Furcht vor der Finsternis bei Kindern, welcheüber die ersten Jahre hinaus sind, stark ausgebildet ist, wird in der Regel ein Aberglaubedieser oder jener Art zu Grunde liegen. Ob die Finsternis auch an und für sich schreck-haft sei, ist streitig geworden. Ohne Zweifel kann gut gewöhnten Kindern unter gewöhn-lichen Verhältnissen und in ihrer gewöhnlichen Umgebung diese Empfindung ganz ferngehalten werden; allein man muß sich hüten, nach solchen Erfahrungen obigen Sah zuverneinen. Unter ungewöhnlichen Umständen, namentlich in fremder Umgebung, werbenauch gut gewöhnte Kinder leicht in den Fall kommen, das Schauerliche der Finsterniszu empfinden. Uni unter allen Umständen zu sichern, muß daher nothwendig zu derGewöhnung Pflichtgefühl und Gottvertraucn hinzutreten. Daß bei einmal vorhan-dener krankhaster Neigung zur Furcht nicht mit Strenge zu verfahren und Furcht mitFurcht zu vertreiben ist. wird von einsichtigen Pädagogen aller Richtungen angenommen.Ein ernstes Wort, selbst eine Strafe zur rechten Zeit, mag zwar angewandt werden,aber die Hauptsache wird bleiben, ansangs die Anlässe möglichst zu vermeiden, ansphysische und geistige Stärkung im allgemeinen hinzuarbeiten und sodann allmählichund mit möglichster Vermeidung neuer Ausbrüche in der Gewöhnung fortzuschreiten.