Frühanfstehe».
Frühreife.
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läßt sich deshalb keine allgemeine Norm der Schlafzcit aufstellcn. — Ziehen wir dieZeit in Betracht, worin die Kinder schulpflichtig werden. Es sollte sich einfachdas Frühaufstehen während der Schulzeit nach dem Beginn des Unterrichts richtenoder umgekehrt. Für die schulpflichtigen Kinder sollte durch Eltern, sichrer und Er-zichungsrath eine Verständigung darüber stattfinden, daß nicht zu früh vor denLehrstunden aufgestanden werde, oder daß diese nicht zu lange nachher den Anfangnehmen.
Warum soll man ans Frühaufstehcn halten? Es ist ein Stück der nothwendigcnkörperlichen Abhärtung. Das Kind muß angehalten werden, rasch und schnell munterzu werden und die Sinne zusammen zu haben. Nur der nicht über das Maß aus-rubende Körper ist zur Arbeit frisch und behend. Ein gesundes Kind, das durchLernen, Arbeit und Spiel ermüdet ist Abends um 9, kann zwischen 5 und 6 auf-stehen. Anders wird cs mit schwächlichen Kindern sein; diesen rechne man die Schwach-heit des Leibes an und setze zu.
Viele bedeutende Männer zeigen an ihrem Beispiele, daß eine Menge Zeit durchFrühaufstehen gewonnen und dadurch viel mehr gearbeitet werden kann. Friedrich II.,König von Preußen, schlief nur bis 4 Uhr. Peter der Große von Rußland standstets vor Tagesanbruch auf nach dem Grundsätze: „Ich mache mein Leben so lang,als ich kann und schlafe deshalb so wenig als möglich." Franklin sprach ans: „Werspät aufsteht, mag den ganzen Tag laufen, und hat doch Abends die Arbeit nicht ein-geholt." Als Arbeitszeit empfiehlt sich die Morgenstunde besonders. Das Sprich-wort: „Morgcnstnnd hat Gold im Mund" bezeugt, welch großen Werth die Volks-weisheit darauf legt.
Das Frühaufstehen ist ferner überaus wichtig in moralischer Beziehung. Nichtshat mehr Einfluß, die Willenskraft abzustumpfen, Geist und Körper gleichmäßig er-schlaffen zu lassen, als das Träumen und Halbwachen in den Frühstnnden. Sehr ver-derblich ist's, wenn Kinder, insbesondere erregte, durch das lange Liegen im Bette Zeiterhalten, dem Spiel der Phantasie nachzuhängen. Am bedenklichsten ist jenes halb-wache Liegenbleiben in der Zeit der Entwicklung der Mannbarkeit. Gut ist es, wiefür Gesunde, so auch für Verirrte, wenn das äußerliche Mittel nach Luthers Sinnund Meinung in christliche Ordnung eingcreiht ist, wie denn im Katechismus gelehrtwird: Des Morgens, so du aus dem Bette fährst, sollst du sagen: Das walte GottVater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Darauf knieend oder stehend den Glaubenund das Vaterunser beten u. s. f.
Das Spazierengehen in frühen Morgenstunden kann im allgemeinen den jungenLeuten nicht empfohlen werden, da es sehr leicht die Folge hat, daß sie dann zurArbeit des Tages nicht mehr die nöthige Frische und Munterkeit haben. Es soll diesesVergnügen für Sonn- oder Feiertage aufgespart werden.
Mittel anzuwenden, um das Frühaufstehen zu erreichen, ist auf dem Lande wenigernothwendig als in Städten. Auf dem Lande ruft die Feldarbeit hinaus ins Freie.In Städten werden allerlei Knustmittel nöthig sein und fürs erste auch bleiben. Einesist der zeitige Anfang des Schulunterrichts. In Lehranstalten, besonders in Convictenbringt die Hausordnung mit sich, daß eine Glocke gezogen wird, und hat das seinenguten Einfluß auch fürs spätere Leben. Das beste ist, das Sprüchwort: „Jung ge-wohnt, alt gethan" zu befolgen, d. h. hier, die Ordnung des Hauses, früh aufzustehen,den Kindern anzuerziehen und zur Gewohnheit zu machen.
Frühreife bezeichnet in der herkömmlich gewordenen Bedeutung des Wortesnicht nur die früh eintreteude wirkliche Reife, d. h. Männlichkeit im physischen undgeistigen Sinne, sondern cs wird auch, namentlich auf geistigem Gebiete, von jederEntwicklungsstufe gebraucht, die im Verhältnis zum Alter ungewöhnlich früh eintritt.Das Wort hat sogar, vermuthlich unter dem Einflüsse einiger auffallenden Beispiele,die in den letzten Jahrhunderten vorgekommeu sind, vorwiegend die Bedeutung an-genommen, daß es den Zustand der sogenannten Wunderkinder bezeichnet, dieschon im frühesten Lebensalter Erstaunliches leisten, aber nachher entweder physischzu Grunde gehen oder zurückbleiben und die rechte Reife nie erreichen. Wenn manden Begriff der Frühreife in dieser Weise beschränkt, so darf man offenbar Männerwie Phil. Melanchthon, Torquato Tasso, Hugo Grotins, Albreckt