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1 (1877) A - Liebe
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Frohsinn, Heiterkeit.

Friihaufstehcn.

2) Der Frohsinn wird durch alles gestört und verdorben, was nur den Sinnreizt oder gar überreizt, was bloß auf Genuß abzielt, ohne die innere Sclbstthätigkcitanzuregen.

3) Der Turuerspruch: Frisch, frei, fröhlich, fromm! ist das rechte Motto auchzum Capitcl über den Frohsinn. Bei der Jugend steigert sich wohl mitunterdie Fröhlichkeit zu geräuschvoller Lustigkeit; ist aber die Zucht rechter Art, sowird eine Ueberschreitung des Maßes selten und die Ordnung leicht wieder hergestelltsein, denn der Gehorsam wirb als unsichtbares Band das Kind auch da halten, woes sich selbst überlassen ist, und in der Freudigkeit des Gehorsams soll esganz besonders seine Frömmigkeit zeigen nicht aber durch Kopfhängerei oder Ab-sonderung von den Spielgenossen.

4) Im Spiele findet der Frohsinn seine liebste Betätigung. Mit der Spiel-freiheit würde auch die Spielfreudigkeit unterdrückt. Das Spiel fördert die Arbeit,weil es den jugendlichen Geist munter und frisch erhält und das Gleichgewicht inseiner Thätigkeit wieder herstellt. Aber umgekehrt muß auch die Arbeit das Spielwürzen; ohne sie würde es den Reiz verlieren. Darum trage man nicht das Spielin die Arbeit hinein; im Ueberwinden von Schwierigkeiten, wo jedes Gelingen dasfreudige Gefühl erhöhter Kraft gewährt und zu neuer Anstrengung treibt, sprudelteine unversiegbare Frcudenquelle. Daß cs unserer Jugend vielfach an der rechtenSpiellnst und Frohmüthigkeit gebricht, hat gewiß nicht seinen Grund darin, daß wirihr zu viel Arbeit zumuthen; viel eher darin, daß wir ihre Thätigkeit zu sehr zer-splittern, daß wir ihre Geistesentwicklung verfrühen und sie die Genüsse späterer Alters-stufen anticipircn lassen.

5) Laune und mürrisches Wesen muß der Erzieher von der moralischen Seitefassen als Pflichtverletzung, wodurch der Friede und die Harmonie der Umgebung ge-stört wird, und die Selbstthätigkeit wachrufen, welche die schlechte Laune muthig be-kämpft und überwindet.

6) Verdrießlichkeit und Trübsinn wirkt ansteckend; Kinder folgen dem Beispieleauch hier. Darum haben Eltern, Lehrer und Erzieher vor allem zu sorgen, daß sieselber sich leiblich und geistig frisch erhalten und die Heiterkeit des Gemüths sich wohlbewahren. Lehrer sollten mindestens der Nahruugssorgen enthoben sein und nichtdurch Privatstunden und sonstige Nebenarbeiten in die Nothwendigkeit verseht werden,sich die frische Lehrkraft für die Schule zu schwächen. Uebrigens thut es leiblichesWohlsein für sich allein auch nicht; der Schwerpunct der Heiterkeit liegt in der Frei-heit des Gemüths. Die Ärbeits- und Berufsfreudigkeit des Lehrers vermag auchkörperliche Schwächen zu überwinden. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Frohsinneinerseits aus dem Gefühl der frei und frisch von Statten gehenden Thätigkeit Leibesund der Seelen entspringt, andrerseits auch wieder zum Hebel wird für eben dieseThätigkeiten, daß die Freudigkeit des Gemüths alle Functionen unseres Organismuslebhafter, elastischer, wirksamer macht.

7) Wie verhält sich der jugendliche Frohsinn zum Ernst des christlichen Lebens?Es gicbt zarte fromme Seelen, aber auch starre Rigoristen, die in der Jugendlust,weil sie mitunter tobt und lärmt, etwas unstatthaftes wo nicht sündlicheS erblicken,die sich nur abweisend und verbietend zur heiteren Lebhaftigkeit der Kinder verhalten.Diese übersehen ganz, daß den Frohsinn der Jugend dämpfen oder gar tilgen wollen,hieße ihre Werdelust hemmen, ihren Lebenssaft verstecken, ihre Federkraft abspannen.Wem die Heiterkeit der Jugend getrübt und vergällt wurde, dessen Gemüth wird fürdie ganze Lebenszeit etwas schweres und gedrücktes behalten. JeneunbefangeneGlückseligkeit" der Kinderjahre ist ein warmer Lebenshauch, der noch im spätestenAlter sich spüren läßt und sich freundlich mit der Stimmung christlicher Liebe eint,die, obwohl auf tiefstem Ernste ruhend, in ihrem Wesen doch durch und durchheiter ist.

Frühanfstehen. Das Friihaufstehcn der Kinder ist durch bas der Elternund deren Lebensweise bedingt, welch letztere nach Ort und Beruf eine große Ver-schiedenheit zeigt, wie denn schon ein Unterschied zwischen dem Stadt- und Land-leben augenfällig ist. Ebenso ist jedoch auch das Alter und die Körperbeschaffen-heit der Kinder, ihre Nahrung, geistige und körperliche Anstrengung maßgebend. Es