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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Frömmigkeit.

Frohsinn, Heiterkeit.

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schaft als solcher dienen, also in öffentlichem Gottesdienst, Gebet und sonstigerAndachtsübuug. Dagegen dienen ihnen die sonstigen Aufgaben der Sittlich-keit zur Probe ihrer Wahrheit und sind als mittelbare Darstellungen der Fröm-migkeit zu betrachten, welche durch die unmittelbaren gereinigt und belebt werden.Hinsichtlich der Art und Weise sodann, wie jene Thätigkeiten ausgeübt werden, schließtsich tie Frömmigkeit zunächst au die Unterschiede in der natürlichen Beschaffenheit undLage der Individuen an. Die Frömmigkeit ist bei dem einen vorherrschend heitererArt; bei dem andern nimmt sie mehr den Charakter ernster LebcnSanschauungen an.Bei innigen, sinnigen Gcmüthern wird die Frömmigkeit mehr durch den über dasganze Leben sich gleichmäßig ausbreitenden Ton der heiligen Liebe sich zu erkennengeben, bei lebendig erregten mehr durch lebhaften Ausdruck im Wort und begeistertesErgreifen frommer Werke. Die Lebhaftigkeit der Aenßerungen wird überhaupt mitdem Alter abuchmen und einer intensiveren Stärke derselben Platz machen. Demkindlichen und jugendlichen Alter gehört vorzugsweise die Thätigkeit der frommenPhantasie an, daher die große Empfänglichkeit gesunder kindlicher Seelen für diebiblische Geschichte, für die Idee des Engelschutzes u."dgl., die mit möglichster Sorg-falt zu nähren sind. Mit der Entwicklung des VerstandeslebcnS (um die Zeit, wodas Lernen beginnt) ist es die fromme Wißbcgierde, die besondere Aufmerksamkeit er-heischt, und die Liebe zum öffentlichen Gottesdienste, die mit Ernst und anhaltend ge-pflegt werden muß. Im übrigen geht jedes naturgemäß sich entwickelnde Kind durcheine Stufe des Pelagianismus hindurch. Seine Gedanken sind: wenn ich brav bin,fromm bin, fleißig bete und lerne, so komme ich in den Himmel (vgl. LuthersBrief an sein Söhnchen). Dem zarten Alter liegt die tiefere Sündencrkenntnis unddas Verständnis der Gerechtigkeit im Blute Christi noch ferne. Erst gegen die Unter-scheidungsjahre hin entwickelt sich der Sinn auch hiefür.

Jeder dieser Richtungen geht auch wieder die besondere Gefahr zur Seite, auszuartenund ein Zerrbild der Frömmigkeit darzustellen. Die mildeste Art solcher Ver-kehrung ist der Pietismus (im engeren technischen Sinne), s. den Art. Bei weitererVerfolgung dieser einseitigen Richtung entsteht der Separatismus, der selbst vonder allgemeinen christlich-kirchlichen Gemeinschaft sich lossagt, um den Gegensatzgegen das mit ihr verbnndene schlechthin Weltliche desto entschiedener ausdrückcn zukönnen; nach anderer Seite hin geht der Pietismus in den Quietismus über,wenn der innerliche Besitz und Genuß des Göttlichen gegenüber von der thätigenFrömmigkeit ausschließlich betont wird. Zur Schwärmerei steigert sich die Frömmig-keit, wenn die Innigkeit und Lebendigkeit des Gefühls auf Kosten der verständigen,klaren Erkenntnis gepflegt wird. Umgekehrt wird die einseitige Pflege der Gottcser-kenntnis bei Vernachläßigung der persönlichen Lebendigkeit zur todten Orthodoxie.Wird der Gegensatz zu anderen Weisen der Frömmigkeit übertrieben und der objectiveWerth einzelner unterscheidender frommer Handlungen überschätzt, so entsteht B i-gotterie; zum Fanatismus aber wird die Frömmigkeit, wenn sie in ihrer indi-viduell persönlichen, nationalen oder religionsgemeinschaftlichen Form den Anspruch lindVersuch macht, jede andere Art der Frömmigkeit neben sich zu vernichten. Heuchelei,Pharisäismus u. dgl. endlich entstehen aus ihr, wenn die Aeußcrungen derFrömmigkeit ohne die entsprechende Gesinnung angestrebt werden.

Der Erzieher hat bei seiner Einwirkung auf das Kind alle diese Abweichungenbeständig vor Augen zu behalten und unter Hinweisung auf biblische Beispiele davorzu warnen, vor allen Dingen aber sich selbst zu hüten, daß er nicht durch sein Bei-spiel das Kind auf einen dieser Abwege verleite.

Frohsinn. Heiterkeit. Die Jugend ist von Natur schon aufgelegt zur Freude;ein gesundes, unverdorbenes Kind wird stets auch ein fröhliches Kind sein. Diesennatürlichen Frohsinn der Jugend zu erhalten und für die höheren Zwecke des geistig-sittlichen Lebens der Art zu befestigen, daß er als Heiterkeit des Gcmüths einebleibende Eigenschaft der Seele werde, ist Aufgabe und Pflicht der Erziehung. Diesehat folgende Puncte wohl im Auge zu behalten:

1) Alles, was die Gesundheit fördert und das leibliche Leben frisch erhält, be-fördert auch die Heiterkeit des Gemüths.