Fröbel.
Frömmigkeit.
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Kern und das Wesen des merkwürdigen ManneS dem Leser zur Anscbauung gekracktzu haben. Wir werden zwar seines Orts (in dem Art. Kleiukindersckulen) Anlaßnehmen, unsere minder günstige Ansicht theils von dem Fröbcl'schen Princip in seinempädagogischen Werth, theils von einzelnem, was der Fröbcl'schen Praxis sich angehängthat, auszuführen; aber trotz alledem sagen wir: Ehre dem Manne, der eine ansich wahre und fruchtbare Idee ergriff und so durch und durch von ihr ergriffenwar, daß er ihr, wie selten einer, Vermögen, Kraft und Leben willig und freudigzum Opfer brachte.
Frömmigkeit. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes fromm ist sovielals tapfer und steht wahrscheinlich im Zusammenhänge mit främen, fromen — machen,vollenden. Ebendahin weist auch der gegenwärtige Gebrauch des Zeitworts „from-men," welches nicht mit dem Begriff „nützen" erschöpft ist, sondern den Begriff desHeils, der Vollkommenheit einschließt. Dieser Ableitung nach hätte man bei Frömmig-keit den Begriff der persönlichen Vollkommenheit ins Auge zu fassen, wie derselbe vondem leiblichen und seelischen auf das geistige und insbesondere aus daS geistliche Gebietnbergctragen worden ist. Damit stimmt auch der Gebrauch des Wortes überein, wieer seit der lutherischen Bibelübersetzung sich festgestellt hat. Auf Gott angewendet(5 Mos. 32, 4. Ps. 25, 8 rc.) drückt es die vollkommene Reinheit seiner Gesinnunggegen die Menschen aus, wird aber in der jetzigen Sprache gewöhnlich nickt mehr sogebraucht; um so häufiger steht es von Menschen in ihrem Verhalten zu Gott. Imallgemeinen liegt darin der Begriff einer zu ihrem höchsten Ziele gelangten sittlichenVeredlung des Menschen, von welcher die innige Verbindung des Geistes mir Gottsich als der eigentliche Quell zu erkennen gicbt. Daß der Begriff einer sittlichenVeredlung damit verbunden werden muß, ersieht mau auch aus der Anwendung desWortes auf solche Thiere, die mit dem Menschen in näherer Beziehung stehen undgleichsam etwas von seinen edleren Charaktereigenschaften annehmen. Daß der Ver-kehr mit Gott die Ursache jener sittlichen Vollendung sein muß, ergiebt sich aus demGegensätze ähnlicher Begriffe, wie Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Heilig-keit. Tenn die Gottesfurcht zeigt den Menschen mehr von der Seite deS unermeß-lichen Unterschiedes zwischen Gott und ihm. Die Gerechtigkeit, im biblischen Sinne(im gewöhnlichen Ausdrucke: Rechtschaffenheit), faßt ihn nicht sowohl in seinem Ver-hältnisse zu Gott, als vielmehr zu der von Gott gegebenen Idee seiner selbst, wäh-rend die Heiligkeit ihn in dem höchsten Lichte der Gottähnlichkcit darstellt, abervon der persönlichen Stellung gegen Gott absieht. Mir letzteren beiden hat dieFrömmigkeit den Begriff der sittlichen Vollendung gemein; der Gottesfurcht steht siedarin näher, daß sie wie diese die Gesinnung bezeichnet, welche der Menjch gegenGott hegt. Sie gehört somit wesentlich dem subjectiven Leben an und ist gleich-bedeutend mit Religiosität. Das Merkmal der Erregtheit des Gefühls, also derInnigkeit, gehört 'wesentlich zu ihr, ist aber nickt nothwendig das herrschende Element.Die vorwiegende Innigkeit des frommen Gefühls gehört vielmehr der Gottselig-keit an. Wir würben demnach die Frömmigkeit bestimmen als daS zur vollkom-menen persönlichen Gesinnung gewordene Gottesleben.
Zum Wesen der Frömmigkeit gehört nun zunächst das Vorhandensein objectivergöttlicher Elemente, auf welche sich die Frömmigkeit besieht. Sie setzt eine Offen-barung Gottes voraus und eine in der Menschheit vorhandene Erkenntnis dieser Offen-barung. Stach dem Grade, in welchem daS Wesen Gottes in einem bestimmtenKreise des menschlichen Lebens erkannt worden ist, bestimmt sich die Art und Weiseder Frömmigkeit des einzelnen diesem Kreise angehörigen Menschen, sofern er nichtvermöge einer besondern Erleuchtung von oben oder wenigstens der Ursprünglichkeitseines eigenen Wesens über die Höhe seiner Umgebungen sich erheben kann. Es ist aufjeder Stufe der Erkenntnis Gottes Frömmigkeit möglich und nothwendig. Aber nurda, wo das Wesen Gottes vollkommen wahrheitsgemäß erkannt ist, d. h. innerhalb desChristenthums, ist auch die echte Frömmigkeit möglich. Jede andere Art von Fröm-migkeit ist nur eine unentwickelte Stufe oder ein bald mehr bald weniger mislungenerVersuch derselben. So gewiß die Liebe in ihrem Wesen sowohl als in ihrem Werthenicht eines und dasselbe ist, ob sie sich Gott oder dem Menschen, einem Thiere odereinem tobten Geschöpfe zuwendet, und so gewiß nicht die Stärke des persönlichen