Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Fröbcl.

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Wicklungsgesetz des Naturlebcns mit dem Entwicklungsgesetz des Geisteslebens füridentisch hielt und der Ansicht war, daß ein Pädagog das Naturleben aufs gründlichstekennen mäße.*)

Der Hauptbcgriff, der sich durch alle Schriften Fröbels hindurchsteht, ist derBegriff des Lebens und seiner Organisation und Entwicklung: die Kategorie des Lebensist ebenso sehr eine Kategorie der Natur, als des Geistes des Menschen; ja selbstdie Gottheit kann man als Leben bezeichnen. Die Formel, in welcher nun Fröbelam häufigsten den Begriff des Lebens faßt, ist die Einheit in der Mannigfaltigkeitvon Einzelheiten; und die Entwicklung des Lebens besteht nach ihm darin, daß jedeseinzelne Ding, jeder einzelne Mensch, jedes einzelne Volk, zuletzt selbst die Menschheitihre innere Einheit in entsprechender Mannigfaltigkeit Herausstellen und darlegcn.Jene Einheit aber ist von Gott gegeben und bedingt, ist ein Pnnct in der unendlichenOffenbarung Gottes und greift in die Sphäre des göttlichen Wesens ein. Da eSnun eben in der Erziehung darauf ankommt, die in dem Menschen liegende ewigeEinheit zu einer sie vollkommen darstellenden Mannigfaltigkeit zu entwickeln, so hatalle Erziehung ihrem tiefsten Grunde nach einen religiösen Charakter. Dies Fröbclzugegeben läßt sich doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß in seinem Gottes-begriff die Immanenz mehr hervortritt als die Transscendenz; begreiflich daher, wennebenso die, welche mit Schlcicrmachereine Locke den Manen des heiligen Spinozaopfern," Fröbcl als tief religiösen Menschen bezeichnen, wie die, welchen Religion ohneConfession ein Unding ist, ihm die Religion absprechen können.Wie wir," sagtFröbel weiter,unsere Erziehung und unseren Unterricht an das Geistige im Menschen,an das Wesen desselben und dessen Grundvcrhältnis zu Gott knüpfen und binden, sobinden und knüpfen wir wieder jedes einzelnen Zöglings Erziehung an seine geistigeNatur. Darum folgen wir stufenweise der Entwicklung des Menschen und bemühenuns, dem Zöglinge auf jeder Stufe nur das zu geben, was er auf derselben ertragen,verstehen und verarbeiten kann. So nach den Forderungen seines Innern ausge-bildct ist unserem Zöglinge alles, was er kann und weiß, ans seinem Innern gleichsamhervorgcwachscn; es ist nicht todtes Angelerntes, sondern lebendig aus dem InnernEntwickeltes, was also auch, wie sein Wesen, das Wesen der Menschheit, von Stufezu Stufe der Vollkommenheit entgegenschreitet."

Wenn so die naturgemäße Entwicklung als der Zweck der Erziehung bezeichnetwird, so ist freilich von solchen allgemeinen Bestimmungen bis zur Anwendung ansbestimmte Verhältnisse und Personen noch ein ungeheuer großer Schritt. Je mehrmm Fröbel den Anspruch machte, von seinen allgemeinen Ideen ans das ganze deutscheErziehnngswesen zu reformiren, um so mehr mußte er es für seine Schuldigkeit halten,sie für bestimmte Stufen und Kreise zu individualisiren. In der That schrieb Fröbclein größeres Werk: die Mcnschenerziehung, die Erziehungs-, Unterrichts- und Lehr-kunst Bd. I., bis zum begonnenen Knabenalter, Kcilhau 1826, welches gewissermaßenals der Vorläufer seiner Kindergärten bezeichnet werden kann. Dagegen hat er überdie Erziehung der höheren Lebensalter, also über Volksschulen u. s. w. nichts geschrie-ben, was die Sphäre abstracter Allgemeinheit verließe und das Gepräge praktischerAnwendbarkeit an sich trüge. Doch begründete er mit großen Kosten und Opfernaller Art die allgemeine deutsche Erziehungsanstalt zu Keilhau, die ein praktischesAbbild von seinen theoretischen Erziehungsidecn geben sollte. Ob diese Anstalt inder That ein lebendiger Ausdruck der Ideen Fröbels, die er mit frischer Begeisterungund in hohen, fast allzu hohen Worten durch seine Brochürcn verkündete, gewesen sei,läßt sich billigerweise bezweifeln. Was den Zustand derselben, so lange Fröbel sicleitete, betrifft, so erhält mau aus den Nachrichten, die Fröbel über sie veröffentlicht

*) Eine ausführliche Lebensbeschreibung Fröbels ist: Hanschmaun, Fr. Fröbel, dieEntwicklung seiner Erziehungsidee in seinem Leben. Eisenach 1874. Vgl. Diesterwegs Jahr-buch von, Jahre 1881; vr. Kühne: Fröbels Tod und Fortbestand seiner Lehre; WichardLange: Zum Verständnisse Friedrich Fröbels. Hamburg 1850. Besonders bemerkenswerih inFröbels Leben ist sein zweijähriger Aufenthalt bei Pestalozzi in Jfferten, wo seine pädagogischenIdeen zur Reife kamen.