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1 (1877) A - Liebe
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Friedrich der Große.

Fröbel.

des Großen über pädagogische Fragen überwiegend auf den höhern Unterricht beziehen,so ist hier von denselben abznsehen. Es genüge zn constatiren, daß auf dem Gebietedes Unterrichts Weckung des Nachdenkens und der Selbstthätigkeit sein pädagogischesPrincip ist (seine Untcrthancn sollenraisonniren" lernen), und daß er auf dem Ge-biete der Erziehung das Streben, Gewissenhaftigkeit und rastlose Thätigkeit zn erregen,mit seinem Vater theilt. Ties Streben ist zu einem der Grundsteine geworden, ausdenen diese mächtigen Baumeister das Gebäude des preußischen Staates errichteten.

Quellen: Preuß, Friedrich der Große. Berlin 18321834, 4 Bde.Prenß, Friedrich der Große als Schriftsteller, Berlin 1837, nebst Ergänzungs-heft 1838. Trendelenburg, Friedrich der Große und sein StaatsmiuisterFreiherr von Zedlitz. Eine Skizze ans dem preußischen Unterrichtswesen. Berlin,Bethge, 1859.

Fröbel, Friedrich (geb. den 21. April 1782 in Ober-Weißbach im Fürsten-thum Rudolstadt, gest. den 21. Juni 1852 in Liebenstein), gehört zn denjenigenMännern in der Geschichte der Pädagogik, deren Bild noch etwas schwankendes hat.

Es gab und giebt Pädagogen, die in ihm einen pädagogischen Genius sehen und ihnzu den Wohlthätern des Menschengeschlechts rechnen; andere dagegen haben ihn füreinen Phantasten erklärt. Das Härteste, was ihn in dieser Hinsicht getroffen hat, istwohl das Verbot seiner Kindergärten in dem preußischen Staate durch den Cultus- !minister von Raumer 1851,weil sein System auf Heranbildung der Jugend zumAtheismus berechnet sei." Man wird nicht leugnen können, daß Fröbel selbst durchseine Schriften die Veranlassung zu manchen Misverständnissen und zu mancher Mis-achtung seiner Tendenzen gegeben hat. Vernunft und Gefühl arbeiteten mächtig in >

dem Manne, aber es fehlte ihm in einem hohen Maße der unterscheidende Verstand, !

der die Bestimmungen aus einander hält und der centralen Einheit der Idee erst eine >

Peripherie giebt. Man kann sich daher beim Lesen seiner Schriften oft des Gefühls j

nicht erwehren, als komme er nicht von der Stelle, und wieder als schieße er häufig !

über das Ziel hinaus und müße in der praktischen Anwendung seiner Gedanken fehlgreifen. Diese Mängel seiner schriftlichen Darstellung vergaß man aber, wenn mau :

mit ihm persönlich zusammentraf, wohlwollend und thätig auf ihn eingieng und durch !

Fragen, Einwendungen und Zweifel ihn nöthigte, aus sich herauszugchen und sich demBewußtsein des anderen zu accommodircn. Der lebendige Sinn für das Allgemeineund Ideale, der aus jedem seiner Worte hervorleuchtete, sein unendlicher Enthusiasmusfür Menschenerziehung und Mcnschcnglück, seine Bereitwilligkeit, für seine Ideen jedesOpfer zu bringen, die ewig sprudelnde Quelle von Gedanken und Worten, die ausseinem Enthusiasmus für das Ideale entsprang, machten Fröbel zu einer ungewöhn-lichen Erscheinung, die jeden unbefangenen und wohlwollenden Beobachter fesseln, er-frischen und für das Gute begeistern konnte. Wenn man das Wesen des Deutschenals Idealismus bezeichnet, so war Fröbel durch und durch ein Deutscher und eine Er-scheinung wie Fröbel würde auch kein anderes Volk der Erde Hervorbringen können.Fröbel hatte selbst eine sehr hohe Idee von unserem deutschen Volke und er bemühtesich, selbst ein Ausdruck dieses bewunderten Volkes zu sein und jeden, mit dem er inBerührung kam, mit dem Geiste desselben in lebendige Berührung zu bringen.

So viel über seine persönliche Erscheinung. Wichtiger für unseren Zweck ist csaber, nach der Idee zu fragen, die Fröbeln durchdrang und die er in die deutsche Er-ziehung einzuführen bestrebt war. Gewöhnlich identificirt man das Bestreben Fröbelsmit der Einführung der von ihm benannten Kindergärten. Die Kindergärten sindaber nur eine sehr beschränkte Anwendung seiner allgemeinen Erziehungsidec. Ur-sprünglich war sein Bestreben, das gcsammte deutsche Erziehungswesen auf einer neuenGrundlage zu organisiren. Andrerseits ist nicht zn leugnen, daß die KindergärtenFröbels Namen zu erhalten vorzugsweise im Stande sind. Mit den Elementen derersten kindlichen Erziehung war er genau bekannt, während ihm zur gründlichen Er-kenntnis und Durchführung der weiter folgenden Bildung die nöthigen Kenntnisse undErfahrungen fehlten. Seine eigene Jugenderziehung war eine mangelhafte. Erst1810 und 1811, als ihm nach scheinbar planlosem Hin- und Herirrcn in den ver-schiedensten Berufsarten seine Bestimmung zum Lehrer aufgegangen war, stndirte ermethodisch die Naturwissenschaften in Göttingen und in Berlin, weil er das Ent-