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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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485
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Freiheit des menschlichen Willens. Freundschaft, Zugeudfrenndschast. 485

heben, und die Temuth und den Eifer, die Liebe und den Ernst im Werke der Er-ziehung dadurch mit einander verschmilzt, daß er den Erzieher zum Werkzeug und denZögling zum Gegenstand einer am innern Menschen arbeitenden göttlichen Gnade macht.

Freiheitssinn, s. Unabhängigkeitstrieb.

Frcischnle, s. Armensckule.

Freundschaft. JuFcudfreundschaft. Der Mensch hat zunächst in der Familieden natürlichen Boden, auf welchem seine Liebe sich entfalten soll; aber leicht kann csauch geschehen, daß der Egoismus sich in das schöne Gewand eines gemüthlichcnFamilienlebens hüllt. Darum muß in dem einzelnen Gliede der Familie das Be-wußtsein wach bleiben, Glied an dem großen Leibe der Menschheit zu sein, damit dieLiebe die Schranken des Hauses durchbreche. Und dieser Drang der Liebe wird beider Jugend am natürlichsten durch die Freundschaft Befriedigung suchen. In ihrgeht der Mensch, ohne die Familienbande zu zerreißen, frei einher: sie liegt darum aufdem Gebiete der Freiheit, der sittlichen Selbstbestimmung, der Wahl durch Liebe. In ihrtritt der Jugend diejenige Menschheit nahe, mit welcher sie keine natürlichen Bandeverbinden: sie liegt auf-dem Gebiet der Idealität, des Geisteslebens, der Verwirk-lichung des Reiches Gottes. In diesen beiden Momenten, daß sie auf der Anziehungfreier Liebe beruht und von dieser Liebe beschwingt geistige Güter erstrebt, liegt dieerzieherische Bedeutung der Freundschaft. Eltern und Lehrer thnn darum wohl daran,die Freundschaften ihrer Kinder zu beobachten und wahre Freundschaften derselben zufördern.

Es mag oft etwas schmerzliches an der Warnehmnng sein, daß in einem ge-witzen Zeitpuncte das Kind sich mit Eltern und Geschwistern nicht mehr genügen läßt,sondern sich selbst zu der häuslichen noch eine andere Welt erwirbt durch die Verbin-dung mit Freunden. Auch wird sich im häuslichen Leben der Einfluß der Freundschaftgar oft wie ein Misten geltend machen. Selbst das Schlimmste kommt vor, daß dieFreundschaft unbewacht und ungeleitet aus harmlosem Anfang zu sündigem Verkehrwird und die wohlthätige Einwirkung aller Erziehung untergräbt. Aber darum sollendie Eltern das Recht der Individualität, sich Freunde zu wählen, nicht verkümmern,sondern nur auf der Pflicht der Individualität bestehen, innerhalb der OrdnungenGottes sich zu bewegen: sie sollen die Freundschaften ihrer Kinder bewachen und leiten,sollen die Freunde ihrer Kinder und in ihnen die Kinder selbst kennen lernen. Unddas wird sie namentlich auch dazu treiben, daß sie mit den Lehrern sich wegen derFreundschaft ihrer Kinder in Vernehmen setzen. Und wie wichtig ist es für die Lehrer,in diese Welt einen klaren Blick zu thun! Wie kurzsichtig wäre es zu meinen, daßdie Schule nur mit der Familie sich in das Leben der Schüler theile! Wie über-wiegend stark sind oft die Einflüsse der in der Schule angcsponncncn Freundschaftenans die Schule im Vergleich mit den Einflüssen der Schule selbst! So kann dieFreundschaft Eltern und Lehrern als Schlüssel zu der Eigenthümlichkeit der Zöglingedienen und mittelbar für ,die ganze Erziehung Frucht schaffen. Wahre Freundschafthat aber auch unmittelbaren Segen für die Zöglinge.

Schon sehr frühe ist die tiefere Natur zu wahrer Freundschaft fähig. Knabenknüpfen mit zwölf Jahren und noch früher Verbindungen mit andern Knaben, die,weit über das Spiel- und Lcrniutcresse cmporragend, ein Interesse bekunden, das diePerson an der Person hat und das ein tägliches, wo möglich stündliches Zusammen-sein zum Bedürfnis macht. Die Blütezeit der Jngendfreundschaft aber ist das Jüng-lingsalter und zumal das beginnende. Das wunderbare Triebleben, die geheimnisvolleWerdelust dieser Zeit, eine Jdecnfüllc, der die Ausführung versagt ist, ein Krastgefühl,dem der Raum zu eng wird, Verschlossenheit gegen die große Welt und doch dasVerlangen, die große MM zu umfassen, das alles ist ja ganz dazu angcthan, dieFreundschaft hcrvorzurufen, in welcher der Jüngling an der Brust des Einzigen denGeist durch alle Räume fliegen läßt. Grade jetzt aber ist auch die Freundschaft inder größesten Gefahr auszuarten. Wie leicht geschieht cs, daß der Freund dem Freundegegenüber zum Liebhaber wird und ganz die Weise desselben annimmt in süßer Tändeleiund bittrer Eifersucht. Einem so krankhaften Gefühl gegenüber muß dem Jünglinggezeigt werden, daß Eltern und Geschwister, Lehrer und Mitschüler und noch andereauch ein Recht an seine Liebe haben, und daß cs Unrecht ist, diese ganz in der egoisii-