Freiheit des menschlichen Willens.
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minismus mit dem religiösen und christlich-religiösen Glauben kommt. Darüber mögeein bewährter Forscher in diesem Gebiete, Jul. Müller, reden; er sagt: „eine dunkledämonische Macht, welche Selbstsucht, Lüge, Haß selbst geordnet als einen noth-wendigcn, doch nie ganz verschwindenden Schatten des Guten, und welche dann dockdem Menschen dafür die Verantwortlichkeit in seinem Bewußtsein anfladet und so znder Last der Sünde auch die innere Qual der Selbstzurechnnng hinzufügt, mag aufpolytheistischem uud pantheistischem Standpuncte eine gewiße Begreiflichkeit haben,aber mit den Grundbegriffen des christlichen Theismus steht diese Vorstellung in nn-auilöslichcm Widerspruch, indem sie nicht bloß die Wahrhaftigkeit und HeiligkeitGottes verletzt und alles Vertrauen zu seiner Offenbarung untergräbt, sondern auchan die Stelle der Liebe Gottes despotische Grausamkeit setzt." Man hat nun freilichgeglaubt, allen diesen Schwierigkeiten entgehen zu können durch die Unterscheidungder subjectiven, moralisch-religiösen und der objektiven, rein wissenschaftlichen Betrach-tungsweise. Aehnlich wenigstens ist die Art, wie protestantische Theologen (Calvin undauck Luther früher) einen verborgenen und offenbaren Willen Gottes unterschieden haben.Daß mit einem solchen Dualismus einer doppelten Anschauungsweise nichts geholfenist, leuchtet von selbst ein; er widerspräche der Heiligkeit und Wahrhaftigkeit Gottes.
4) Manche Philosophen stellen das Axiom einer unbedingten Nothwendigkeit allesGeschehens als eine Lebensfrage für die Möglichkeit der Philosophie selbst hin. Wenndie Philosophie die Einheit und den Zusammenhang alles Seienden zn erkennen undso ein geschlossenes System des Wissens zu bilden habe, so liege darin die Voraus-setzung, daß das Seiende eine in sich vollkommen geschlossene Einheit, einen ununter-brochenen Zusammenhang darstelle. Allein zugegeben, daß das Wirkliche und Ge-schehene allerdings eine Einheit und einen Zusammenhang darstellt, in welchem Ursachenund Wirkungen in einander greifen: so folgt daraus noch keineswegs, daß diese Einheitund dieser Zusammenhang die einfache, gleichsam ungebrochene Erscheinung eines ewigNothwendigen sei. Vielmehr wenn die Philosophie in ihrem System ein Abbild derWelt, wie sie wirklich ist, geben will, muß sie alle die psychologischen und ethischenTbatsachen, welche nur aus der Freiheit erklärbar sind, zugleich mit der fortlaufendenVerkettung alles Wirklichen anerkennen; und bei der Erkenntnis, daß Gott seineAllmacht in der Schöpfung, Erhaltung und Regierung freier Wesen, welche eben nurin ihrer Freiheit, in ihrer „derivirtcn Absolutheit" ein wahres vollkommenes Abbilddes persönlichen selbstmächtigen Gottes sind, vermöge seiner Liebe und Heiligkeit be-schränkt habe und fortan beschränke, verschwinden auch vollends diejenigen Zweifel, dieaus dem Begriff des Absoluten als des schlechthin Wirkenden und alles Bestimmendenentstehen wollen.
Wir haben bis jetzt die Freiheit nur erst an sich als ursprüngliche und wesentlicheEigenschaft der menschlichen Natur ins Auge gefaßt und von dem sittlichen Zustandder letzteren, wie er geschichtlich geworden ist, und dem Verhältnis desselben zu der Frei-heit abgesehen. Wenn die Freiheit das Vermögen des Willens ist, sich aus sich selbst zubestimmen, so scheint der Mensch vermöge dieser Freiheit auch das Sittengesetz nachallen Seiten vollständig erfüllen zn können. Man nennt dies — die vollkommene Ueber-eiustimmung des menschlichen Willens mit dem Sittengesetz — auch Freiheit im engernSinn, die reale oder materiale Freiheit, im Unterschied von der bisher besprochenenformalen; man vergleiche Joh. 8, 32. 36. 2 Cor. 3, 17. Röm. 8, 21. Ob nundiese Verwirklichung der realen Freiheit durch die bloße Bethätigung der formalenmöglich sei, das ist die Frage. So entschieden nun die pelagianische Pädagogik injeder Gestalt damit übereinstimmt, so laut erheben Bibel und Erfahrung Protest da-gegen, indem sie unwidersprechlich darauf Hinweisen, daß der Mensch, wie er jetzt vonNatur erscheint, unter der Uebermacht einer selbstischen Grundrichtung, und ebendamitim Banne der Unmacht des reinstttlichen Triebes steht und infolge davon zwar nochdieses und jenes einzelne und relative Gute vollbringen, aber nicht das wahrhaft Gute,das göttlich Gute iu und durch sich selbst zur Herrschaft bringen kann. Wenn nun ver-möge der Erbsünde der Wille material unfrei ist, wie verhält sich dann diese materialellufreiheit des Willens zn seiner formalen Freiheit? Auch dieses Verhältnis haben mancheDeterministen schief ansgefaßt. Sic behaupten nämlich: daß der Mensch das einzelneBöse, das er gethan hat, auch hätte unterlassen können, sei eine pelagianische Meinung;