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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Freiheit des menschliche» Willens.

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fraqt, der schließlich die Willensentschcidung hcrbeiführe, findet er denselben eben inder Selbstmacht des Willens.

2 ) Wenn der Wille nnr der einfache Durchgangspunct für den Antrieb der Ver-stellungen sein soll, so sage man: worin denn die Ichheit, der persönliche Wille desMenschen eigentlich besteht. Warum spricht man nicht ebenso von einer That desThiercs wie des Menschen, um so mehr als das Thun des Thiercs auch durchVorstellungen vermittelt ist? Antwortet man deterininistischcrseits: durch das be-gleitende Selbstbewußtsein unterscheide sich das Thun des Menschen von dem desThiercs, so ist damit der Unterschied nicht erschöpft. Warum sagt man vom Thiercnicht, daß eS in etwas einwillige, und warum vom Menschen, daß er sick selbstüberwinde? Kommen wir hier durch ohne die Annahme von etwas überstreifendem,schlechthinigem im Willen, welches von dem Complcx aller Ursachen und Bestimmt-heiten nicht ergriffen wird und werden kann, sondern sic ergreift und ihnen die Rich-tung erst stiebt, in welcher sic wirken sollen?

3) Der Determinismus fürchtet, es werde auf diese Art alle Stetigkeit der sitt-lichen Entwicklung aufgehoben, insbesondere also auch alle Erziehung unmöglich gemacht,im Gegenthcil sei nur unter der Voraussetzung einer absoluten Bestimmtheit allesmenschlichen Thuns ein planmäßiges Verfahren der Erziehung, das aus einen Erfolgrechnen könne, denkbar. Diese Einwendung trifft nur den Begriff der Freiheit, dersie mit schrankenloser Willkür glcichsetzt. Wenn ferner der richtig gedachte Begriff derFreiheit keineswegs in sich schließt, daß der menschliche Wille sich ursprünglich ganzgleich zum Bösen wie znm Guten verhält; wenn vielmehr (vgl. den Art. Erbsünde)daS Gute das ist, worauf das menschliche Wesen ursprünglich angelegt ist und woraufes innerlich und äußerlich hingewicscn und hingclcitet wird, so wird das allgemeineGesetz, daß jede Kraft durch Uebung und Gewöhnung eine stetige Richtung erzeugtund sie bestärkt, um so gewißer auch in diesem Gebiete der sittlichen Entwicklungseine Bestätigung finden, und es wird schon nach dem Bisherigen die Furcht alsgrundlos erscheinen mäßen, als ob unter Voraussetzung einer wahren Willensfreiheitjeder Zögling in jedem Augenblicke das mühsame Werk der Erziehung wieder zer-stören und alle Grundsätze, die ihm cingcpflanzt wurden, wieder ans die Seite werfenkönnte. Auf der andern Seite folgt freilich aus der Annahme einer Willensfreiheitdie allgemeine Möglichkeit einer solchen, die bisher eingehaltene stetige Richtungplötzlich abbrechcnden Bewegung des Willens. Der Indeterminismus ist aber auchso weit entfernt, dies bestreiten zu wollen, daß ihm vielmehr gerade die unleugbareThatsachc einer solchen nicht nnr partialen, sondern radicalen und totalen Acndcrung,eines solchen unberechenbaren plötzlichen Umschlagens in das Gcgentheil sowohl imGuten als im Bösen als ein Beweis der Willensfreiheit gilt. Ist so die Mög-lichkeit der Erziehung überhaupt keineswegs bedingt durch die deterministische Grund-voraussetzung, so wird vielmehr umgekehrt daS Wesen und der Werth der Erziehungdurch dieselbe gefährdet und verletzt. Soll die Erziehung nicht durch den freienWillen vermittelt sein, so wird sie zu einer die nothwendigc Sclbstentfaltung nurveranlassenden und äußerlich mitbestimmcnden Einwirkung, und damit ist der Energieund der Würde des zu erziehenden Willens der Nerv abgeschnittcn, nicht weniger aberauch die Würde und Energie des erziehenden Willens hcrabgedrückt. Wie oft stumpftsich der rechte Ernst und die rechte Kraft der Erziehung ab in der feigen Ergebungin die eingebildete Macht der gegebenen Verhältnisse, in das unwürdige Bekenntnis:dieser und jener sei nun einmal so und ebendarum nichts zu ändern. Oder ist es zu-fällig , daß bei Völkern moslemischen Glaubens der Fatalismus jede consequente undvernünftige Erziehung vereitelt? Aber es hat ja sogar nicht an Philosophen gefehlt,welche aus ihrem Determinismus die Unmöglichkeit der Erziehung, der Umänderungdes jedem angebornen sittlichen Charakters durch erziehenden Einfluß folgerten, wieSchopenhauer! Wir müßcn aber nun noch einen Schritt weiter gehen und sagen,daß der Determinismus den positiven Thatsachen deS unmittelbaren, insbesonderedes unmittelbaren sittlichen Bewußtseins nicht gerecht wird und werden kann. Dasunmittelbare Bewußtsein setzt bei allem, was der menschliche Wille wirklich thut,voraus, daß er es auch nicht thun und daß er auch anders hätte handeln können.

Wdag. Handtuch. I.